Nach dem schwersten Erdbeben seit Jahrzehnten in Kolumbien ist das ganze Ausmaß der Katastrophe noch nicht absehbar. Mindestens 254 Menschen sind ums Leben gekommen. Rettungskräfte suchten in eingestürzten Gebäuden nach Überlebenden. Allein in den Städten Pereira und Cali wurden den örtlichen Behörden zufolge 101 und 95 Todesfälle gemeldet.Die Behörden befürchten, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigen könnte. Zahlreiche Menschen wurden unter Trümmern vermutet. Die Regierung des südamerikanischen Landes rief nach dem Beben der Stärke 7,4 den Notstand aus.„An erster Stelle steht die Rettung der Menschen, die unter den Trümmern begraben sind“, sagte Präsident Abelardo de la Espriella. Die Regierung mobilisiere alle Ressourcen, sagte der erst seit wenigen Tagen amtierende Staatschef. Er besuchte die betroffenen Regionen und versprach den Opfern wirtschaftliche Unterstützung. Ausgangssperren und Maßnahmen gegen Plünderungen Asocapitales, eine Vereinigung zur Koordination von Maßnahmen in den wichtigsten Städten des südamerikanischen Landes, sprach am Dienstag zudem von mehr als 570 gemeldeten Verletzten.In den besonders betroffenen Städten Cali und Pereira wurden nächtliche Ausgangssperren verhängt. De la Espriella kündigte außerdem die Entsendung von 1000 Sicherheitskräften nach Cali an, nachdem Berichte über Plünderungen laut geworden waren.Mehr als 1500 Wohnhäuser wurden offiziellen Angaben zufolge in mehreren Städten schwer beschädigt, darunter in Pereira, Cali und Manizales.Das Beben ereignete sich um 7.34 Uhr Ortszeit. Das Epizentrum lag nahe San José del Palmar im Departamento Chocó in einer Tiefe von 103 Kilometern, wie der kolumbianische Geologische Dienst (SGC) mitteilte. Die Erschütterungen waren in mehreren Städten des Landes zu spüren – unter anderem in der Hauptstadt Bogotá, Medellín, Cali, Pereira und Manizales. Im Anschluss wurden zahlreiche Nachbeben registriert. Anwohner helfen bei der Suche nach Überlebenden Augenzeugen berichteten von alptraumhaften Szenen. Tausende Menschen sind obdachlos, da ihre Häuser eingestürzt oder durch tiefe Risse unbewohnbar geworden sind. Besonders in abgelegenen Gemeinden nahe dem Epizentrum gestaltet sich die Lage schwierig. Dort sind viele Menschen weiterhin ohne Strom und grundlegende Versorgung.„Wir haben hier ein vierstöckiges Gebäude, das vollständig eingestürzt ist. Wir haben bereits drei Personen lebend bergen können“, sagte in Cali der diensthabende Feuerwehrchef im Viertel La Alameda gegenüber dem Sender „Caracol“. Zahlreiche Anwohner helfen demnach bei der Suche nach Erdbebenopfern in den Trümmern. Eine ältere Bewohnerin von Cali wird von Hilfskräften in Sicherheit gebracht. © AFP/JOAQUIN SARMIENTO Beschädigt wurden laut dem Präsidenten ebenfalls 18 Krankenhäuser und 52 Schulen. Die Stromversorgung sowie Telefon- und andere Kommunikationsverbindungen sind beeinträchtigt. Sechs Flughäfen sind dem Präsidenten zufolge wegen Schäden an ihrer Infrastruktur derzeit für den kommerziellen Flugverkehr außer Betrieb. In Manizales wurde auch die Kathedrale schwer beschädigt.In der 2,2-Millionen-Metropole Cali stürzten Teile eines Krankenhauses ein. Rund 600 Patienten mussten auf der Straße behandelt werden, wie der Krankenhausdirektor Irne Torres Castro dem Fernsehsender Caracol erklärte. Viele Gebäude zerstört In den Straßen schwankten Autos, Fensterscheiben klirrten und Menschen verließen panisch ihre Häuser. „Zuerst dachte ich, es wäre etwas Leichtes. Aber als es dann immer stärker wurde und nicht aufhörte, dachte ich, wir würden sterben“, schilderte eine Frau aus Manizales dem Sender „La FM“ den Moment des Bebens.„Ein Teil meines Hausdachs ist eingestürzt und die Wände sind rissig“, sagte Juan Bernal aus der Stadt Armenia. Selbst im mehrere hundert Kilometer vom Epizentrum entfernten Bogotá war die Erschütterung noch deutlich zu spüren: „Die ganze Wohnung, das ganze Gebäude hat geschwankt. So ein Erdbeben habe ich hier noch nicht erlebt“, berichtete Kristin Wesemann von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS). Anwohner und Rettungskräfte durchsuchen die Trümmer eines eingestürzten Gebäudes, nachdem ein Erdbeben die kolumbianische Stadt Cali erschüttert hat. © dpa/Santiago Saldarriaga Besonders betroffen war auch die Provinzhauptstadt Quibdo. „Wir haben gerade ein schweres Erdbeben in der Provinz Choco erlebt“, erklärte Gouverneurin Nubia Carolina Cordoba-Curi auf der Plattform X. „Obwohl das Epizentrum in der Nähe von San Jose del Palmar lag, wurden in der Hauptstadt Quibdo Verletzte und erhebliche Gebäudeschäden gemeldet.“Präsident Abelardo de la Espriella ordnete die Einrichtung eines gemeinsamen Krisenstabs in San José del Palmar an. Dieser soll die Maßnahmen zur Bewältigung der Schäden und die Hilfe für Betroffene koordinieren. (dpa/Reuters/AFP)