Nach dem schweren Erdbeben in Kolumbien beginnt sich das ganze Ausmaß der Katastrophe erst langsam zu zeigen. Behörden meldeten mindestens 111 Tote, doch das sind womöglich bei Weitem nicht alle. Hunderte Menschen werden noch vermisst.Allein in der Millionenstadt Cali würden 188 Menschen vermisst, sagte der erst vor wenigen Tagen vereidigte Präsident Abelardo de la Espriella Otero auf einer Pressekonferenz. Die Regierung des südamerikanischen Landes rief den Notstand aus. Rettungskräfte suchen in eingestürzten Gebäuden nach Überlebenden.Anwohner und Rettungskräfte durchsuchen die Trümmer eines eingestürzten Gebäudes in der kolumbianischen Stadt Cali. Santiago Saldarriaga/AP via dpaIn Cali seien mindestens 35 Menschen ums Leben gekommen und etwa 700 verletzt worden, sagte de la Espriella. Drei Krankenhäuser und etwa 40 Gebäude seien völlig eingestürzt. Auch der Flughafen der Stadt am Rande des großen Kaffeeanbaugebietes Eje Cafetero sei nur noch eingeschränkt betriebsbereit. Landesweit waren sechs Flughäfen für den kommerziellen Luftverkehr zumindest zeitweise außer Betrieb.Patienten aus einem Krankenhaus in Cali werden nach dem Erdbeben in Sicherheit gebracht. Santiago Saldarriaga/AP via dpaIn Pereira kamen nach Angaben der Stadtverwaltung 60 Menschen ums Leben, wie es in einem Post auf der Plattform X hieß. Elf weitere würden vermisst. 58 Gebäude seien komplett eingestürzt. Tausende Wohnhäuser wurden offiziellen Angaben zufolge in mehreren Städten im Umkreis des Epizentrums schwer beschädigt. Auch die Stromversorgung, Telefon- und andere Kommunikationsverbindungen in Kolumbien waren beeinträchtigt.Die Erde hatte am Montagmorgen um 7.34 Uhr Ortszeit im Westen des Landes in einer Tiefe von rund 103 Kilometern gebebt, wie der Geologische Dienst Kolumbiens (SGC) mitteilte. Es soll das stärkste Beben im Land seit Jahrzehnten gewesen sein. Im Anschluss wurden zahlreiche Nachbeben registriert. Die Erschütterungen waren auch in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá sowie in den Städten Medellín, Popayán und Armenia zu spüren. Auch in Ecuador, Venezuela und Panama wurde das Beben Berichten zufolge wahrgenommen.Die Kathedrale von Manizales wurde bei dem Erdbeben beschädigt. Andres Valencia/AP via dpaDas Beben in Kolumbien erinnerte an die schweren Erdstöße im Nachbarland Venezuela vor wenigen Wochen. Dort erschütterten am 24. Juni innerhalb von wenigen Sekunden zwei Beben der Stärke 7,2 und 7,5 den Norden des Landes. Tausende Menschen kamen ums Leben.Einen Zusammenhang besteht laut SGC indes nicht. Die beiden Beben wurden demnach durch Bewegungen unterschiedlicher Erdplatten ausgelöst: In Venezuela war die Karibische Platte beteiligt, in Kolumbien die vor der Pazifikküste liegende Nazca-Platte.