Sponsored TopicDer SIP Main Campus: Die grosse Idee und das DetailIn Allschwil entsteht unter der Projektleitung von Senn eines der ambitioniertesten Life-Science-Areale Europas. Am SIP Main Campus wird neu gedacht, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler künftig arbeiten, forschen und sich begegnen.22.06.2026, 01.05 Uhr13 LeseminutenOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Wir versuchen in unseren Entwicklungen immer, die Visualisierungen mit der Realität zu überbieten», sagt Gaby Senn.Visualisierung: Herzog & de MeuronDie Landschaft zwischen dem Basler Quartier Iselin und der Gemeinde Allschwil vermittelt so etwas wie Aufbruchstimmung, der Himmel spannt sich hier weiter als anderswo in der Schweiz. In der Tat beginnt hier die Oberrheinische Tiefebene, die sich weit in den Norden zieht. Dass ausgerechnet an diesem Ort das innovativste Puzzleteil des Life-Sciences-Clusters Basel entsteht, ist glücklichen Umständen geschuldet – und scheint zugleich unausweichlich. Der Himmel in Allschwil ist gross, die Ideen sind es auch.Glücklich sind die Umstände deshalb, weil das Bürgerspital Basel hier vor einigen Jahren auf einer Landreserve den Masterplan für den heutigen SIP Main Campus entwickelte und Baurechtsparzellen anbot – unter anderem an das renommierte Schweizerische Tropen- und Public-Health-Institut, kurz Swiss TPH. Damit entstanden die Voraussetzungen für eine Erweiterung des Bachgrabengebiets als Life-Sciences-Standort.Gross wurde die Idee, weil der Immobilienentwickler Senn nach dem Erwerb von mehreren Parzellen im Baurecht den mutigen Beschluss fasste, erst einmal klein zu denken. Was auf den ersten Blick wie ein Paradox klingt, ist im Rückblick von einer bestechenden Stringenz.Julien LanooGaby Senn und Johannes Eisenhut stehen am Rand eines in Entstehung begriffenen Parks, der den Main Campus des Switzerland Innovation Park Basel Area dereinst als grüne Achse durchqueren wird. Der SIP Main Campus bezeichnet das gesamte Areal, während das Main Campus HQ eines der Gebäude darauf ist – der Hauptsitz des Innovationsparks und zugleich ein Labor- und Bürohaus. Von hier aus erfasst der Blick das Vollendete wie auch das noch Anstehende des Grossprojekts: da die Häuser, äusserlich so unterschiedlich, wie man es sich nur vorstellen kann, und dennoch Zwillinge im Geist; dort die Baustelle des Hauses All, dem nächsten Baustein des SIP Main Campus.Eisenhut, Geschäftsführer der Abteilung Entwicklung und Vermarktung bei Senn, gehört zu jenen Menschen, die grosse Worte nicht scheuen und dennoch stets um Genauigkeit bemüht sind. «Am Anfang dieses Projekts stand der Gedanke des Ökosystems», sagt er. «Wir wollten das Gebiet zu einem thematischen Cluster machen, einem Ort der Kooperation und Innovation. Zugleich wollten wir zusammen mit unseren Partnern von Herzog & de Meuron ein neues Level des nachhaltigen Bauens erreichen. Um beides zusammenzuführen – Innovation und Nachhaltigkeit –, stellten wir manche Standardprämisse der Immobilienentwicklung infrage. Wir wollten jene Details finden, die einen Unterschied machen können. Und sie neu denken.»«Wir wollten jene Details finden, die einen Unterschied machen können. Und sie neu denken», sagt Johannes Eisenhut.Wachstum und WandelEisenhut ist zufrieden mit dem bisher Erreichten, doch seine gedankliche Unruhe mindert das nicht. Denn das Projekt wächst und wächst, und damit auch die Anzahl der zu betätigenden Stellschrauben. Der SIP Main Campus ist ein hochkomplexes Ökosystem von sozialen, ökonomischen und städtebaulichen Dimensionen. «Damit dieses Ökosystem gedeihen kann, muss nicht nur die Architektur stimmen, es muss auch richtig kuratiert werden», sagt Eisenhut. «Das heisst, wir müssen den Ort überzeugend positionieren – und aktiv auf passende Kandidaten zugehen.»Dabei beginnt man am besten bei dem, was man schon hat: Welche Nachbarn wünschen sich die bisherigen Nutzer? Welche Weak Ties bestehen zu anderen Firmen? Wer kann wem Lust machen?1965 von Gallus und Iso Senn in St. Gallen gegründet, hat sich der Wirkungsradius der Firma Senn seit der Übernahme durch Sohn Johannes Senn in den frühen 2000er Jahren allmählich auf die ganze Deutschschweiz ausgedehnt. Man ist wählerisch. Eisenhut sagt: «Wir wollen uns in einen Ort verlieben, bevor wir Jahre unseres Lebens in ihn investieren. Neben der Kalkulation braucht es das Gefühl, ihn besser hinterlassen zu können, als wir ihn angetroffen haben. Das Gefühl, dass wir für den Ort eine überzeugende Idee entwickeln können, die über die Zahlen hinausgeht.»Passend zum ArtikelTatsächlich nehmen die Immobilienprojekte von Senn aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen auf und fördern neue Strukturen in der Lebens- und Arbeitswelt. Sie sollen gemäss eigenem Anspruch generationenübergreifend, zukunftsgerecht und nachhaltig sein. Der Cluster, der hier in Allschwil entsteht, stellt eine Art Summe der Erfahrungen dar, die man in den Jahrzehnten zuvor bei Senn gemacht hat. Stets geht es darum, Visionen und Detailarbeit zu fusionieren. Eisenhut, seit 2015 im 50-köpfigen Team, fungiert dabei als gedankliche Schaltstelle. Er stösst Suchprozesse an, vernetzt, führt lose Enden zusammen.Einer seiner Sparringspartner ist Alexander Franz, Architekt und Senior Associate bei Herzog & de Meuron. Gemeinsam haben sie in den letzten Jahren nicht nur in Allschwil, sondern auch an einem Wohnbau in Zürich-Altstetten gearbeitet. Die Detailversessenheit und die Neigung, Architektur ganzheitlich zu denken, eint sie.Filigraner RieseDas Main Campus HQ ist ein ringartig um einen Innenhof herumlaufendes Gebäude, dessen Aufbau auf einem Exoskelett aus Beton basiert. Die tragenden Elemente befinden sich mehrheitlich auf der Aussenseite. Dadurch konnte man die innere Statik entlasten und auf aussteifende Kerne verzichten. Dies wiederum ermöglicht es, die Grundrisse freizuspielen, was der Nachhaltigkeit hilft und Kosten mindert. Das Strukturprinzip ist ästhetisch stringent, doch die Entscheidung dafür gründet vor allem auf der Absicht, die Flexibilität in den Räumen zu maximieren.«Da wir auf ein unterirdisches Parkgeschoss verzichten, konnten wir mit einem sehr regelmässigen Stützenraster von 7 x 7 Metern arbeiten», sagt Franz. «Es ist sowohl für die Standardausstattung eines Labors wie auch für Büros ideal und wurde auch bei den weiteren Gebäuden des SIP Main Campus, die labor- und bürofähig sind, unser Goldstandard.»Möglichst ideale Schnittstellen zu den Arbeitsprozessen der Mieter sind der eine Punkt, um den es den Machern geht. Mindestens so wichtig ist das Atmosphärische. Bei aller Grösse soll der humane Massstab leitend sein. Deshalb wirkt das Gebäude trotz seiner 50000 Quadratmeter Nutzfläche überschaubar. Dies gilt auch für den knapp fussballfeldgrossen Innenhof. Lange Sitzbänke sowie Nischen und Wege vermitteln Parkatmosphäre. Rankhilfen an der Fassade werden bald auch diese begrünt haben. Zwar ist es an diesem frühjährlichen Vormittag hier eher kühl, schon bald aber gereicht der Schattenwurf von Haus und Bäumen den Nutzern zum Vorteil.Im strassenseitigen Teil des HQ ist seit 2022 Basilea Pharmaceutica als Ankermieter untergebracht. Das einst aus der Hoffmann-La Roche hervorgegangene biopharmazeutische Unternehmen beschäftigt hier an seinem Hauptsitz rund 200 Mitarbeitende. Wir machen eine Stippvisite bei CEO David Veitch. «Bei uns ist die enge Interaktion zwischen Labors und Büros substanziell. Deshalb wollte ich unbedingt alle Mitarbeitenden auf einem Stockwerk haben», erzählt der Brite, der die Geschäfte von Basilea seit 2018 leitet. «Unsere Firmenkultur basiert auf flachen Hierarchien und intensiver Kommunikation. Der Stockwerkgrundriss von HQ hat uns eine Raumgestaltung ermöglicht, die im Dienst des bestmöglichen Austauschs steht – zugleich ermöglichen Nischen, Sitzungsräume und Telefonboxen konzentriertes Arbeiten.»David Veitch, CEO von Basilea Pharmaceutica, auf dem Main Campus.David WalterZuvor war Basilea an der Grenzacherstrasse angesiedelt. «Die Platzverhältnisse und die Arbeitsatmosphäre hier sind nicht zu vergleichen mit dem alten Ort. Dunkel und eng war es dort», sagt Veitch und führt uns auf den rundherum führenden Laubengang auf der Hofseite von HQ. «Einer meiner Lieblingsorte. Man könnte hier lange Spaziergänge machen. Tun wir allerdings selten. Das Wissen darum hat dennoch etwas Grossartiges. Die Aussicht übrigens auch.»Als Ankermieter im Allschwiler Life-Sciences-Cluster hat Basilea neben Johnson & Johnson, dem Innovationspark und der Universität Basel eine gewisse Anziehungsfunktion. Veitch weiss, dass Symbiose auch unter ungleichen Playern auf Gegenseitigkeit beruht. «Das Ökosystem von Akteuren in unterschiedlicher Grösse ist für uns insofern interessant, als Startups in ständigem Fluss sind. Sie stehen und fallen mit der Finanzierung von aussen. Scheitert ein Startup, gründet dessen Personal ein neues Startup oder liebäugelt mit dem Wechsel in eine grössere Firma. Wir profitieren von diesem Fluss. Die Unmittelbarkeit auf dem Campus führt dazu, dass man sich kennt und weiss, wer was vorhat.»Dass diese Beziehungen funktionieren, ist Ergebnis der langjährigen Vorarbeit von Senn. Die Mieter wissen es zu schätzen.Innen und aussenWir steigen wieder hinab in die grüne Tiefe des Innenhofs. Die vier aussenliegenden Treppenhäuser, jeweils in den Ecken platziert, gewährleisten die vertikale Erschliessung von HQ. Mit ihrer elliptischen Doppelhelix kontrastieren sie elegant mit der gerasterten Rhythmik der Fassade. Kunst am Bau spielt mit den Formen und Volumen des Treppenhauses. «Wir konnten dafür die Basler Künstlerin Renée Levi engagieren», erläutert Gaby Senn. Sie ist in der Firma als Verkaufsleiterin tätig und lebt ihr Flair für die Kunst als Präsidentin des Kunstvereins St. Gallen aus. «Für den grossen Konferenzsaal hat Frau Levi ausserdem einen Wandteppich entworfen. Die Nutzer lieben ihn.»Julien LanooLebensqualität und Identifikation entstehen durch klug platzierte Details, aber auch durch die Lesbarkeit der Umgebung. Im Innenhof macht Alexander Franz auf die kleinen Moränen aus Kies und Findlingen aufmerksam. «Zusammen mit den Wegen und den Grünflächen bilden sie ein Muster, das die alte Flusslandschaft von einst imitiert.» In der Tat wollten die ausführenden Landschaftsarchitekten von Vogt aus Zürich damit an eine Zeit erinnern, als die Ebene von Neu-Allschwil Teil des wilden Rheins war. «An diese Binnenlandschaft schliessen zwei Gastrobetriebe und eine internationale Schule», fügt Gaby Senn hinzu. «Sie sorgen für eine angenehme Betriebsamkeit im Hof.»Der nächste SchrittAn den beiden Längsseiten von HQ ist das Erdgeschoss über mehrere Dutzend Meter ausgespart. Die zwei so entstandenen «Durchbrüche» werden am Schluss Teil einer den ganzen Campus querenden Fussgänger- und Veloschneise sein. Wir nehmen einen dieser Durchgänge und stehen vor der neuesten Baustelle des SIP Main Campus. Mit All entsteht hier ein Büro- und Laborgebäude von 20550 Quadratmetern Nutzfläche. Als Ankermieter wird ab Ende 2026 das Botnar Institute of Immune Engineering (BIIE) einziehen, eine Non-Profit-Organisation, die sich der Diagnose, Behandlung und Prävention von Krankheiten bei Kindern und Jugendlichen verschreibt.Das Ziel der Partner auch bei All: das Dreieck Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Raumflexibilität in der Balance zu halten. Johannes Eisenhut ist überzeugt, dass eine Mischung aus Geduld, Mut und pedantischem Kalkulieren Teil der Erfolgsformel ist. «Das Austarieren von Grosszügigkeit und Innovation auf der einen Seite und knallhartem Durchrechnen ist sehr filigran», sagt er. «Wir haben auf dem SIP Main Campus in dieser Hinsicht tatsächlich einiges zustande gebracht.»Akkurates Rechnen ist auch in puncto Nachhaltigkeit unverzichtbar: So wurde bei All jedes einzelne Bauteil auf seine statische Rolle hin optimiert. Bei weniger tragenden Teilen konnte man den Zementanteil reduzieren. Auf diese Weise wurden 650 Tonnen CO2 eingespart. Dazu kommt eine auf Effizienzsimulationen basierte Platzierung der Photovoltaikmodule. Das Main Campus HQ ist mit dem internationalen Nachhaltigkeitslabel LEED Gold zertifiziert; All soll LEED Platin sowie die Schweizer Zertifizierungen SNBS Platin und Minergie A erhalten. Generationengerechtigkeit ist hier keine leere Worthülse, sondern eine Verpflichtung.Gebaute Utopie: Hortus steht für House of Research, Technology, Utopia and Sustainability.Maris MezulisWir durchqueren HQ zum zweiten Mal und bewegen uns auf Hortus zu, das Meisterstück des nachhaltigen Bauens. Der Espresso in der Rose Coffee Bar ist ausgezeichnet. Zum Trinken steht man am Tresen oder verzieht sich in eine der nahen, schallgedämpften Kojen. Schritte, Stimmen, hier und dort ein Lachen. Das Erdgeschoss von Hortus ist ein Ort der Pause, des Austauschs, aber auch der Arbeit. Wir befinden uns zweifellos in einem Bürogebäude, doch der gut einsehbare und begrünte Innenhof erinnert eher an einen fernöstlichen Tempel. Und dann kommt da noch eine Wahrnehmung hinzu, die so gar nicht zu einem Bürogebäude passen will: Unter den Schuhen der hin- und herwuselnden Menschen knarrt der Holzbau leise.«Wir wollten weitestgehend auf Beton verzichten», erklärt Alexander Franz. «Hortus ist fast vollständig aus Holz gebaut. Einzig die Pfähle, auf denen das Haus steht, sind aus Beton, weil ein Holzbau wegen der Bodennässe nicht auf dem Grund aufliegen kann.» Ein schöner Nebeneffekt: Hortus scheint über dem Erdboden zu schweben. Die Ambition von Senn und Herzog & de Meuron war die Amortisierung sämtlicher im Bau steckenden grauen Energie innerhalb einer Generation. Der Verzicht auf Beton war ein Meilenstein auf diesem Weg. Dass man stattdessen konsequent auf Holz setzen konnte, ist dem Umstand zu verdanken, dass Hortus keine Labors beherbergt – und die statischen Anforderungen damit tiefer sind.Jedes Detail zählt (v. l.): Architekt Alexander Franz, Autor Jens Steiner, Projektentwickler Johannes Eisenhut.David Walter«Nun stellte uns diese Entscheidung aber vor eine neue Herausforderung», erzählt Alexander Franz, «denn Holz hat zu wenig thermische Masse für einen guten Ausgleich der Wärme-Kälte-Amplitude.» Da man mit einem Minimum an Heizung und Kühlung auskommen wollte, brauchte man eine überzeugende Lösung. Diese fand sich schliesslich im Erdboden, über dem Hortus schwebt: Der Grund von Allschwil hat einen hohen Lehmgehalt, und Lehm ist einer der besten Baustoffe, die es gibt. Zusammen mit dem Vorarlberger Lehmbauspezialisten Martin Rauch, den Ingenieuren vom Basler Büro ZPF und dem Holzbauunternehmen Blumer Lehmann aus Gossau entwickelte man Deckenmodule, die aus einem Holzrahmen und einer rund zwölf Zentimeter dicken Schicht aus Stampflehm bestehen. Die Platzverhältnisse rund um die Baustelle ermöglichten es, für die Produktion dieser Module eine temporäre Feldfabrik zu erstellen. Der Bonus: ein Minimum an Transport und damit auch eine substanzielle Reduzierung der grauen Energie.Die Lehm-Holz-Decke erweist sich als mehrfacher Gewinn. So sorgt sie auch für einen gesunden Feuchtigkeitshaushalt. «In diesem Gebäude herrscht dank der Decke eine ständige Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent – ideal für den menschlichen Organismus», sagt Alexander Franz. «Ausserdem vermehren sich ‹schlechte› Mikroben weniger gut in diesem Klima. Wir haben das Konzept während Corona entwickelt und waren entsprechend umsichtig. Ein beratender Arzt hat uns seine Leitplanken gegeben. Zu den Vorteilen dieser Decke kommt hinzu, dass sie auch als Brandschutz dient.»Das Holztragwerk prägt die Atmosphäre des Gebäudes Hortus bis ins Erdgeschoss.Maris MezulisZahlreiche weitere Details tragen zum idealen Klima und zur Absenkung des CO2-Pfads bei. Dazu gehören Lampen, die nicht nur den CO2-Gehalt in den Räumen, sondern auch Temperatur, Luftfeuchtigkeit und den Gehalt an VOC (Volatile Organic Compounds) messen – und, ausgehend von den Daten, die Lüftung regulieren. Alexander Franz: «Diese Daten werden für uns aber auch in Zukunft von grossem Wert sein. Dank ihnen werden wir herausfinden, wie sich dieses Haus über längere Zeit verhält.» Apropos Zeit: Innerhalb nur einer Generation – exakter: in 30 Jahren – wird die gesamte in Hortus investierte Energie amortisiert sein.Ein MeilensteinHortus wurde 2025 mit dem Hochparterre-Publikumspreis und dem Swiss Arc Award ausgezeichnet. «Die Fassade mit Photovoltaikpaneelen, der poetisch bepflanzte Innenhof, das ausgeglichene Raumklima dank der Lehmdecken – all dies schafft eine Arbeitsumgebung, die weit über das Rationale hinausgeht und neben der CO2-Bilanz den Menschen gleichermassen in den Mittelpunkt stellt», bilanzierte Swiss-Arc-Jurypräsident Roger Boltshauser.Viel Ruhm für viel Detailarbeit. Vielleicht noch interessanter ist aber, was das Projekt bei den Machern ausgelöst hat. Fragt man Alexander Franz nach der Rolle von Hortus innerhalb seiner Karriere, antwortet er in seiner gewohnt unprätentiös-bescheidenen Art, und doch spürt man in seinen Worten den Stolz und das Glück, dieses Projekt verwirklicht zu haben. «In der Regel erlebt ein Architekt am Anfang seiner Karriere einen enormen Wissenszuwachs. Danach flacht die Kurve ab. Ich hatte mit diesem Projekt die Chance, nochmals einen Sprung zu erleben. Ich denke, ich kann Hortus als Höhepunkt meiner bisherigen Laufbahn bezeichnen.»Die Protagonisten hinter dem 120 000 Quadratmeter grossen Ökosystem in Allschwil (v.l.): Stefan Marbach (Herzog & de Meuron), Johannes Eisenhut (Senn), Beat Ammann (eh. BSB), Marcel Tanner (eh. Swiss TPH), Johannes Senn (Senn), Christof Klöpper (Switzerland Innovation Park Basel Area), Hans-Florian Zeilhofer (Universität Basel) und Gaby Senn (Senn).David WalterSenn, Herzog & de Meuron und die weiteren Partner scheinen hier vieles richtig gemacht zu haben. Doch wie sieht es mit der Kostenseite von Hortus aus? «Ein solches Gebäude ist teurer als ein mit Standardmaterialien erbautes, das Portemonnaie der Mietenden wird für die Nachhaltigkeit aber nicht weiter aufgemacht. Das war uns von Anfang an bewusst», sagt Johannes Eisenhut, während wir durch das offene Treppenhaus ins erste Geschoss steigen. «Wir fragten uns, wie wir diesen Umstand zur Stärke machen können. Unser erster Gedanke war: Dieser Rohbau hat eine derart determinierende Ästhetik, dass Rohbau und Ausbau als das Gleiche betrachtet werden können. Die Mieter finden also einen Vollausbau vor, der in gewisser Weise einen modifizierten Rohbau darstellt. Sie können einziehen und gleich arbeiten beginnen.»Zwar erhöhe diese Voraussetzung den Quadratmeterpreis nochmals, die Ausbaukosten jedoch fielen weg, so Eisenhut. Damit nähere man sich bereits den Preisen von HQ, wo die Mieter sich in ihren Innenausbauten wohl individueller verwirklichen könnten, aber auch einen Preis dafür zahlten.Das Wohnzimmer der Mieter«Doch jetzt kommt erst der entscheidende Gedanke», fährt Eisenhut fort. «Wir beschlossen, grössere Gemeinschaftsflächen als üblich zu bauen. Hier beispielsweise haben wir eine Küche, die von vier Mieteinheiten geteilt werden kann. Es gibt auch kleine Sitzungszimmer, die geteilt werden. Ausserdem haben wir in Hortus sogenannte fliegende Arbeitsplätze. Dazu kommt das geteilte Erdgeschoss mit Kojen, die sowohl für Pausen wie auch zum Arbeiten geeignet sind. Ich habe in meinem Leben so viele Geschäftssitze gesehen, mit riesigen Empfangslobbys, die regelmässig abgestaubt und trotzdem kaum genutzt werden. Für Hortus wollten wir keine brachliegenden Flächen.»Das Erdgeschoss von Hortus stellt also einen gemeinsamen Arbeits-, Erholungs- und Empfangsraum aller Mieter dar – ihr Wohnzimmer. Eisenhut rechnet vor: «Einer der Mieter, Swiss Aviation Software, ist von 6400 Quadratmetern an seinem alten Ort auf brutto 5200 heruntergegangen, das heisst inklusive ihrer Quoten an den gemeinschaftlichen Flächen – netto sind es 4200. Dies macht den Preis pro Arbeitsplatz signifikant günstiger.» Man müsse sich vergegenwärtigen, dass seit Corona montags und freitags deutlich weniger Leute an ihrem Arbeitsplatz seien. Habe eine Firma fünfzig Mitarbeitende, brauche sie bei diesem Raumkonzept nicht zwingend fünfzig ständige Arbeitsplätze. Dienstags bis donnerstags könne man erfahrungsgemäss ein leichtes Overbooking betreiben. Seien für einmal 53 Leute da, könnten die Überzähligen problemlos auf die fliegenden Arbeitsplätze und in die Kojen ausweichen.Eisenhut weiss, dass dies für manche ein unvertrautes Konzept darstellt. Deshalb rechne er das seinen Interessenten vor. «Wir mussten das erst lernen. Wir dachten, das Konzept begeistere von sich aus, aber das war nicht so. Auch Investoren mussten wir überzeugen. Wir bei Senn sind der Puffer, wir leisten auf beiden Seiten – Investoren und Mieter – Überzeugungsarbeit.»Der Innenhof von Hortus bringt Licht, Grün und ein ausgeglichenes Klima ins Gebäude.Maris MezulisHortus funktioniert. Hortus ist schön. Hortus ist nachhaltig – und dies in vielerlei Hinsicht. Johannes Eisenhut sagt: «Ein Gebäude, das im Bau super ökologisch ist, wird unnachhaltig, wenn es keine Nutzer findet. Oder wenn die Menschen, die darin arbeiten, unglücklich oder krank werden. Umgekehrt ist es besonders nachhaltig, wenn Menschen und Firmen darin Identifikation finden, zusammenwachsen, sich austauschen. Und was die wirtschaftliche Komponente betrifft, ist es dann nachhaltig, wenn es Nutzenden ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet und Investoren eine angemessene Rendite.»HQ und Hortus stehen, 2027 soll All fertiggestellt sein. Danach folgen die Gebäude Hope und Scale. Sie werden das Ökosystem SIP Main Campus erweitern, vertiefen, verdichten. Das unablässige Feilen an den Details geht also weiter. Denn nur so werden Visionen Wirklichkeit – auch unter dem schier endlosen Himmel von Allschwil.Reportage: Jens SteinerPassend zum Artikel
Grossprojekte in Allschwil: Ein neuer Hub für Forschung und Austausch
In Allschwil entsteht unter der Projektleitung von Senn eines der ambitioniertesten Life-Science-Areale Europas. Am SIP Main Campus wird neu gedacht, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler künftig arbeiten, forschen und sich begegnen.










