Die Idee ist immer noch gut. Obwohl sich die Begeisterung für das Zukunftsprojekt, Mainz zu einem Vorzeigestandort für Forschung in Sachen Biotechnologie und Lebenswissenschaften zu machen, inzwischen doch deutlich gelegt hat. Weil nach Corona der Alltag wieder eingekehrt ist. Und selbst das in der Stadt ansässige Pharmaunternehmen Biontech SE, das als Impfstoffhersteller 2021 und 2022 für unvorstellbar hohe Gewerbesteuerzahlungen von mehr als zwei Milliarden Euro gesorgt hatte, irgendwann wieder kleinere Brötchen backen und kürzlich sogar erstmals Produktionsschließungen in Deutschland ankündigen musste. Und die Mitgründer der Firma, Özlem Türeci und Uğur Şahin, überraschten die bis dahin von ihren beiden Ehrenbürgern so begeisterten Mainzer im Frühjahr dann noch mit der Ankündigung, den eigenen Betrieb zu verlassen, um wieder mehr Zeit für die Grundlagenforschung zu haben.Forschungsfelder statt AckerbödenSo nachvollziehbar das alles ist, hat es bei den Bürgern durchaus für Irritationen gesorgt. Ist es also immer noch richtig, dass die Universitätsstadt ihr Profil als exzellenter Forschungsstandort schärfen und genau auf diesem Feld viel Geld investieren möchte? Und apropos Feld: Wie viele Ackerböden dürfen für das Vorhaben letztlich denn umgepflügt werden, um zwischen Europakreisel, Hochschule und Fußballstadion einen Biotech- und Life-Sciences-Campus aus dem Boden zu stampfen?Das eine zu tun, anderes deshalb aber nicht zu lassen: Das dürfte in dieser Situation wohl ein passender Ratschlag sein. Denn sich allein von erhofften Erfolgen der Pharmabranche und der Innovationskraft der Forschenden abhängig zu machen, sollte zumindest dem Mainzer Kämmerer, derzeit also Daniel Köbler (Die Grünen), auf Dauer zu risikobehaftet sein.Ein ausgewogener Branchenmix, also möglichst breit aufgestellt zu sein, bietet in weltweit herausfordernden Zeiten wie diesen zwar auch keine absolute Sicherheit, ist für die Stadtkasse aber doch besser als die Abhängigkeit von einem Weltunternehmen respektive wenigen Global-Playern, die, wenn’s denn schlecht läuft, erst einmal sich selbst retten müssen.