Kalifornien war auch schon in den 1980er-Jahren ein besonderer US-Bundesstaat. Vor allem Hippies, Surfer, Künstler, Tech-Freaks und die LGBTQ-Community ließen sich bevorzugt in dem Staat an der amerikanischen Westküste nieder, dessen Spitzname „Golden State“ im Titel von Vikram Seths Erstling ein poetisches Echo findet. Das ist aber eher ein Zufall, denn der 1986 erschienene Roman spielt in weiten Teilen in der San Francisco Bay Area. Und damit zwischen Silicon Valley und Golden Gate Bridge, die sich über die gleichnamige Meerenge streckt.

Illustre Figuren

In „Golden Gate“ folgen wir einer Handvoll illustrer Figuren, die in der gleichen Nachbarschaft leben, befreundet oder anders miteinander verbunden sind. Die Künstlerin Janet Hayakawa sorgt mit ihren Skulpturen – sehr zum Gefallen ihres Galeristen – weit über San Francisco hinaus für Furore. Ihr Ex-Freund John verdient sein Geld als emsiger Programmierer beim Militär, während er mit der Rechtsanwältin Liz Dorati anbandelt. Sie macht sich wiederum für Fragen der Umwelt und Menschenrechte stark.

Johns bester Freund Phil hat sich von seiner Frau Claire getrennt und muss sich selbst neu (er-)finden. Phil versucht, sich bestmöglich um seinen Sohn Paul zu kümmern, der bei Claire aufwächst. Das gestaltet sich aber nicht ganz einfach, weil Phil sich in Liz’ Bruder Ed verknallt und Elternschaft in einer homosexuellen Beziehung selbst im liberalen Kalifornien der 80er-Jahre nicht einfach zu leben ist.