Grafik der WocheNun wird der Zinsanstieg realWährend die kurzfristigen Inflationserwartungen kollabieren, nehmen die realen US-Bondrenditen kontinuierlich zu. Was das mit dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh zu tun hat.Peter Rohner06.08.2026, 03.19 UhrDie langfristigen Marktzinsen sind in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. In den USA erreichten die Renditen auf zehnjährige Staatsanleihen dabei das höchste Niveau seit Januar 2025, in Deutschland wurde gar der höchste Zehnjahreszins seit 2011 registriert. Die Renditen steigen, wenn die Kurse fallen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In den letzten Tagen hat sich die Lage an den Bondmärkten etwas entspannt. Logisch, so scheint es. Schliesslich wollen die USA nun doch wieder mit Teheran verhandeln, nachdem der Krieg im Juli neu eskaliert war. Der Ölpreis fällt, geringere Energiekosten dämmen die Inflationsgefahr, und die Inflation weist den Zinsen gemäss dem Fisher-Effekt den Weg. Doch so logisch, wie es klingt, ist die Sache nicht:Anders als zu Beginn des Irankriegs hängt der Renditeanstieg nun nicht mehr mit der Inflation oder den Erwartungen dazu zusammen, sondern mit dem Realzins.Der reale Zins ist das, was Investoren und Gläubiger als Kompensation dafür verlangen, das Geld nicht anderweitig verwenden zu können, unabhängig von der Inflation.Inflationserwartungen unter VorkriegsniveauAblesen lässt sich der Realzins am einfachsten an den Renditen der Treasury Inflation-Protected Securities (Tips), so werden in den USA die inflationsgeschützten Staatsanleihen genannt, die automatisch an den Index der Konsumentenpreise geknüpft sind.Bei den zehnjährigen sind diese realen Bondrenditen seit Anfang Mai von 1,9% auf 2,4% gestiegen (vgl. blaue Kurve), doppelt so stark wie die vergleichbaren Nominalzinsen. Das heisst: Die Differenz hat von 2,5 auf 2,2 Prozentpunkte abgenommen (vgl. gelbe Kurve). Und diese Differenz ist ein Mass des Marktes für die Inflationserwartungen. Würden die Marktteilnehmer über zehn Jahre mehr Inflation erwarten als die rund 2,2%, würden sie inflationsgeschützte Bonds kaufen statt normale, wodurch sich die Renditedifferenz ausweiten würde.Noch extremer ist der Rückgang bei den kurzfristigeren Inflationserwartungen. Über zwei Jahre sind in den USA in den sogenannten Inflation-Swaps zur Absicherung gegen künftige Inflation 2,16% Teuerung eingepreist. Über ein Jahr noch weniger. Dies bei einer aktuellen Konsumentenpreisteuerung von 3,5%.Es muss also einen anderen Grund geben als der Irankrieg und Inflationssorgen, weshalb Anleger Bonds abgestossen haben.Die Spur führt zur US-Notenbank Fed. Auffällig ist, dass die Realzinsen vor allem seit Mai steigen, just also seit Kevin Warsh neuer Fed-Chef ist.Warsh will vieles anders machen als seine Vorgänger. Er hat zwecks Reformvorschlägen fünf Expertenkommissionen einberufen. Vor allem aber hält er nichts von der Praxis, die Finanzmärkte verbal auf künftige Fed-Schritte vorzubereiten.Der Verzicht auf diese «Forward Guidance» kommt an den Märkten nicht gut an. Ebenso wenig seine verwirrende Kommunikation zur Inflation, bei der er wie ein geldpolitischer Hardliner spricht, aber die Leitzinsen nicht erhöht, stattdessen darauf hofft, dass es der Markt für ihn richtet. Auch sein Vergleich des Fed mit dem Schiedsrichter hinkt, da das Fed ebenfalls ein wesentlicher Player am Markt ist.Die steigenden Realzinsen könnten also Ausdruck davon sein, dass Warsh ein Glaubwürdigkeitsproblem hat. Oder dass die Märkte davon ausgehen, dass er früher oder später doch die Leitzinsen erhöht, und deswegen die Inflation unter Kontrolle bleibt.