Auch Kevin Warsh lässt Trump warten: Das Fed belässt den Leitzins unverändertDie hohe Inflation und der starke Arbeitsmarkt in den USA lassen Zinssenkungen in weite Ferne rücken. Die Prognosen der Zentralbanker lassen sogar den Schluss zu, dass 2026 noch eine Zinserhöhung anstehen könnte.17.06.2026, 20.10 Uhr4 LeseminutenDer Notenbankchef Kevin Warsh, hier zu sehen bei seiner Vereidigung am 22. Mai, wird den Leitzins auf absehbare Zeit nicht senken können.Bloomberg / BloombergKevin Warshs Amtszeit als Fed-Chef beginnt, wie diejenige von Jerome Powell geendet hat: mit Stillhalten und Warten. Die amerikanische Notenbank hat am Mittwoch einmal mehr beschlossen, den Leitzins unverändert im Band zwischen 3,5 und 3,75 Prozent zu belassen. Während die EZB vergangene Woche die erste Zinserhöhung seit fast drei Jahren beschlossen hat, rührt das Fed sein mächtigstes Instrument weiterhin nicht an.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Ruf nach Zinserhöhungen wird lauterDie Börse hat, wie Daten aus den Terminmärkten zeigen, mit nichts anderem gerechnet. Investoren interessierten sich vor allem dafür, ob das zinssetzende Gremium des Fed unter der Leitung Kevin Warshs sogar Hinweise gibt, dass es bald zu einer Zinserhöhung kommt. Die Aussagen mehrerer Fed-Führungskräfte in den vergangenen Wochen deuteten nämlich auf ein Umdenken an der Spitze der Notenbank. Zudem musste der enthusiastischste Befürworter von tiefen Zinsen, Stephen Miran, seinen Sitz als Fed-Gouverneur räumen, um Warsh Platz zu machen.Das Fed hat seine Kommunikation – wohl auf Betreiben von Warsh – auf diese Sitzung hin grundlegend umgestellt und gekürzt. Erwartet wurden, wie üblich, weitere Retuschen. Etwa, dass die Notenbank einen Satz aus ihrem Communiqué entfernen könnte, wonach sie Ausmass und Zeitpunkt von «zusätzlichen Anpassungen» am Leitzins von der Risikobalance, dem Wirtschaftsausblick und der Datenlage abhängig macht. Da die jüngsten Anpassungen allesamt Zinssenkungen waren, monierten Kritiker, dass der Verweis auf «zusätzliche» Anpassungen die Möglichkeit einer Zinserhöhung ausschliesse.Dieser Satz fiel nun tatsächlich weg, daneben aber auch weitere Kommentare zur Entwicklung der Wirtschaftslage, die in der Medienmitteilung unter dem Fed-Chef Jerome Powell jeweils enthalten waren.Die Medienmitteilung gibt der Börse also weniger «Material», um ihre Erwartungen ans Fed zu justieren. Die Fed-Spitze hat allerdings zeitgleich ihre vierteljährliche Wirtschaftsprognose veröffentlicht, die vom Markt ebenfalls gern als Hinweis interpretiert wird, ob die Notenbank eher zu Zinserhöhungen oder -senkungen neigt. Und wie zu erwarten war, rechnen die Mitglieder des Zinsausschusses gegenüber ihrer März-Prognose mit einer mittelfristig höheren Inflation – und mit einem etwas höheren Leitzins.Warsh selbst will ein weniger «geschwätziges» Fed und sieht diese Prognosen daher kritisch. In seiner ersten Sitzung verzichtete er darauf, das Instrument gleich abzuschaffen. Allerdings hat er sich selbst nicht an den Prognosen beteiligt. Das Dokument enthält somit nur 18 statt wie bisher 19 anonymisierte Schätzungen.Immerhin hat sich der Offenmarktausschuss des Fed, der die Zinspolitik festlegt, für einmal wieder auf eine einheitliche Position einigen können: Alle zwölf stimmberechtigten Mitglieder stimmten zu, den Leitzins vorerst im Band zwischen 3,5 und 3,75 Prozent zu halten. Bei der letzten Sitzung Ende April waren nicht weniger als vier Mitglieder von der Mehrheitsmeinung abgewichen; drei von ihnen, weil ihnen die Sprachregelung in der Medienmitteilung nicht passte. Sie wollten die Öffentlichkeit damals schon darauf vorbereiten, dass der nächste Zinsschritt eine Erhöhung sein könnte.Die Finanzmärkte interpretieren das knappe Communiqué und die Wirtschaftsprognosen als klaren Hinweis, dass das Fed bald eine restriktivere Politik anstrebt: Die Aktienkurse gaben leicht nach, amerikanische Staatsanleihen ebenfalls.Der Präsident muss wartenFür den neuen Notenbankchef ist die Ausgangslage delikat. US-Präsident Donald Trump hat Warsh auch deshalb ausgewählt und vor Monatsfrist vereidigt, weil sich dieser 2025 für tiefere Leitzinsen aussprach. Aber der Notenbankchef wird auf absehbare Zeit nicht liefern können. Die wirtschaftliche Grosswetterlage hat sich seit Anfang Jahr stark verändert, so dass an Zinssenkungen nicht zu denken ist. Der Krieg gegen Iran spielte eine wichtige Rolle, weil er Benzin, Diesel oder Flugreisen verteuert und dafür gesorgt hat, dass die Inflation in den USA auf über 4 Prozent anstieg.Ein dauerhafter Friedensschluss und vor allem die uneingeschränkte Öffnung der Strasse von Hormuz für den Warenverkehr kämen dem Fed sehr entgegen; sinkende Energiepreise würden die Inflation dann wieder in Richtung des 2-Prozent-Ziels drücken. Selbst im besten Fall braucht der globale Ölhandel aber einige Monate, bis er sich von der Hormuz-Sperre erholt hat. Zudem bleibt noch unklar, wie stabil der Frieden tatsächlich ist. Viele Meinungsverschiedenheiten zwischen Iran und den USA bleiben bestehen.Gleichzeitig hat sich der amerikanische Arbeitsmarkt in den vergangenen Monaten enorm widerstandsfähig gezeigt. In den USA wurden Hunderttausende neue Jobs geschaffen, und die Arbeitslosenquote bleibt mit 4,3 Prozent ziemlich niedrig. Einer Kombination aus hoher Inflation und wenig Arbeitslosigkeit begegnen Zentralbanken oft mit Zinserhöhungen, um ein Überhitzen der Wirtschaft zu verhindern. Die Finanzmärkte rechnen daher bis Ende Jahr noch mit mindestens einer Zinserhöhung.Passend zum Artikel
Auch Kevin Warsh lässt Donald Trump warten: Fed belässt Leitzins bei 3,5 bis 3,75 Prozent
Die hohe Inflation und der starke Arbeitsmarkt in den USA lassen Zinssenkungen in weite Ferne rücken. Die Prognosen der Zentralbanker lassen sogar den Schluss zu, dass 2026 noch eine Zinserhöhung anstehen könnte.











