Mit seiner ersten Zinsentscheidung als Chef der US-Notenbank Federal Reserve hat Kevin Warsh (56) viele Beobachter überrascht – darunter aus US-Präsident Donald Trump (79). Der Zentralbankrat stimmte angesichts der erhöhten Inflation geschlossen für eine erneute Zinspause und ließ damit die Spanne zum vierten Mal in diesem Jahr bei 3,5 bis 3,75 Prozent.

Zwar versuchte Trump, sich mit Blick auf den stabilen Zins nichts anmerken zu lassen. Darauf angesprochen, dass die Geldpolitik womöglich im weiteren Jahresverlauf eher gestrafft statt wie von ihm gelockert werden dürfte, überkam es ihn dann doch: „Es ist kaum zu glauben. Das zieht das Land einfach nur runter, und es ist so, es ist so ungewöhnlich“, sagte er vor Journalisten.Kommt es sogar zu einer Zinserhöhung?Am Mittwoch hatten 9 der 18 befragten Fed-Mitglieder mindestens eine Erhöhung um einen Schritt (25 Basispunkte) in Aussicht gestellt. Unter diesen können sich sechs eine noch weitreichendere Straffung vorstellen. Acht weitere Mitglieder rechnen unterdessen mit einer Zinspause für 2026. Nur ein einziges Mitglied erwartet eine Senkung der Zinsen.

Warsh selbst machte nicht mit: Er hält nichts von den Prognosen. Grundsätzlich erwägt er, „neue Datenquellen“ aus dem Privatsektor heranzuziehen, da die bisherigen „aus altmodischen Umfragemethoden“ stammen.„Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung ist in Anbetracht der Projektionen und des Wortlauts während der Pressekonferenz wahrscheinlicher geworden, allerdings ist diese auch nicht in Stein gemeißelt“, sagte Thomas Gitzel, Chefökonom bei der VP Bank. Grundsätzlich sieht das der Commerzbank-Volkswirt Bernd Weidensteiner ähnlich, allerdings: „Wir halten einen solchen Schritt weiter für unwahrscheinlich.“