Grafik der WocheDie Konjunkturentwicklung in den Vereinigten Staaten deutet auf anhaltenden Inflationsdruck hin. Der neue Notenbankchef Kevin Warsh steht damit schon bald vor einem folgenschweren Entscheid. Der Bondmarkt sendet ihm ein deutliches Signal.Beginnt an den Märkten eine neue Phase? Diese Frage stellt sich angesichts der zunehmenden Kursschwankungen an den US-Leitbörsen. Aktien aus dem heiss gelaufenen Technologiesektor kommen erstmals seit längerer Zeit nennenswert unter Druck. Das Branchenbarometer Nasdaq 100 hat seit dem Rekordhoch von Anfang Juni rund 7% verloren. Derweil zeigen abgeschlagene Sektoren wie Gesundheit und Basiskonsum Lebenszeichen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Damit ist natürlich nicht garantiert, dass es zu einer grösseren Rotation kommt. Der Nasdaq 100 notiert seit Anfang Jahr noch immer knapp 13% im Plus. Dennoch gibt es Hinweise darauf, dass sich die Grundstimmung an den Märkten möglicherweise verändert. Ein Grund dafür könnten die Konjunkturdaten in den USA sein. Ein erster Auslöser für die erhöhte Volatilität waren denn auch die überraschend robusten Zahlen zum Arbeitsmarkt am vergangenen Freitag.Ein weiterer wichtiger Datenpunkt ist am Mittwoch hinzugekommen. Der Index der Konsumentenpreise (Consumer Price Index, CPI) ist im Mai gegenüber dem Vorjahr um 4,2% gestiegen, womit sich die Inflation in den USA zum ersten Mal seit drei Jahren über 4% bewegt.Die Zunahme hat in erster Linie mit dem Krieg im Nahen Osten und höheren Energiepreisen zu tun. Doch auch bei der Kernrate, bei der die Kosten für Energie und Nahrungsmittel ausgeklammert werden, zeigt der Trend in die falsche Richtung. Sie stieg im Mai auf 2,9%, nachdem sie Anfang Jahr auf 2,4% gesunken war. Inzwischen bewegt sie sich seit mehr als fünf Jahren über dem langfristigen Ziel der US-Notenbank von 2%.Der Druck auf das Fed steigtFür Kevin Warsh, den neuen Chef des Federal Reserve, sind das keine guten Nachrichten. Auch wenn sich die CPI-Zahlen im Rahmen der Erwartungen bewegt haben, steht er gleich zu Beginn seiner Amtszeit vor einem folgenschweren Entscheid. US-Präsident Donald Trump fordert von ihm niedrigere Zinsen, wogegen die Konjunkturdaten schon relativ bald eine Straffung der Geldpolitik erforderlich machen könnten.Ein deutliches Signal sendet in diesem Zusammenhang der Bondmarkt. Die Rendite zweijähriger Treasury Notes ist auf mehr als 4,1% gestiegen und entfernt sich immer weiter vom Zielband für den US-Leitzins, das derzeit bei 3,5 bis 3,75% liegt. Das ist deshalb wichtig, weil sie der Geldpolitik des Fed meist mit hoher Zuverlässigkeit vorausläuft.Wie die Grafik der Woche illustriert, hat sich dieses historische Muster auch seit dem letzten grossen Inflationsschub im Umfeld der Covid-Pandemie bestätigt. Der Bondmarkt signalisiert heute klar: Der Leitzins in den USA ist zu niedrig, das Fed muss die Geldpolitik straffen.Terminmärkte preisen Zinserhöhungen einUmso mehr Aufmerksamkeit wird sich auf Warsh richten, wenn er nächsten Mittwoch erstmals als Chairman über einen Zinsentscheid des Fed öffentlich informiert. Bisher hat die Notenbank kommuniziert, dass sie mit einer Änderung der Geldpolitik abwarten will, bis sich die Aussichten zur Konjunktur besser herauskristallisieren. Doch diesen Luxus können sich Warsh und die Mitglieder im Offenmarktausschuss wohl nicht mehr lange leisten.Ebenfalls dieser Ansicht sind die Terminmärkte. Händler an der Futures-Börse CME gehen bereits von zwei Zinserhöhungen von jeweils 25 Basispunkten in den nächsten zwölf Monaten aus. Ein erster Schritt soll an der Fed-Sitzung Ende Oktober erfolgen, ein weiterer Ende April 2027. Zur Erinnerung: Anfang Jahr ging der Konsens noch von mehreren Zinssenkungen aus.Wie immer an den Märkten kann es auch anders kommen. Die Erwartungen hinsichtlich der Geldpolitik verändern sich ständig. Je länger sich Investoren aber auf eine straffere Geldpolitik einstellen, desto schwieriger dürfte es für Technologieaktien aufgrund ihrer hohen Sensibilität bezüglich der Zinsen werden, den anderen Sektoren weiterhin vorauszueilen.