Frankfurt. Investoren und Analysten stellen sich auf steigende Zinsen in den USA ein. Die Erwartungen werden sowohl am Anleihemarkt deutlich als auch in veränderten Prognosen von Ökonomen zum Zinskurs der US-Notenbank Federal Reserve (Fed).Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen ist diese Woche auf knapp 4,2 Prozent gestiegen. Das ist der höchste Stand seit mehr als einem Jahr. Die Leitzinsspanne in den USA, mit der die Fed die Höhe der Kurzfristzinsen steuert, liegt mit 3,5 bis 3,75 Prozent deutlich darunter.Als Auslöser für den Renditeanstieg bei Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit gilt der US-Arbeitsmarktbericht von Freitag. Er zeigte ein unerwartet starkes Stellenwachstum in den USA an. Die Arbeitslosenquote verharrte bei niedrigen 4,3 Prozent.Experten zufolge dürften die Notenbanker deshalb kaum Anlass haben, die Leitzinsspanne zu senken. Das wäre nur bei schwacher Lage am Arbeitsmarkt der Fall. Vielmehr könnte der Preisschub im Zuge des Irankriegs die Fed sogar zu Zinserhöhungen zwingen.Die Experten des Analysehauses Capital Economics erwarten infolge des US-Arbeitsmarktberichts zwei Zinserhöhungen in der zweiten Jahreshälfte. Das werde die Anleiherenditen noch ein Stück weiter nach oben treiben. Dem Fed-Watch-Tool der Terminbörse CME zufolge ist eine Zinserhöhung bis Jahresende zu knapp 70 Prozent eingepreist.Die Ökonomen der US-Bank Goldman Sachs sind von ihrer Prognose einer Zinssenkung bis Ende des Jahres abgerückt. „Der Arbeitsmarkt hat sich als robuster erwiesen als erwartet“, schreibt Goldman-Sachs-Experte David Mericle. Nun sei davon auszugehen, dass die Arbeitslosenquote nur noch leicht auf 4,4 Prozent steigen werde – „nicht genug, um ein Gefühl der Dringlichkeit für eine Zinssenkung zu erzeugen“.3,8Prozentbeträgt der Preisindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE) im Mai 2026.Bis zum Frühjahr waren Investoren und Analysten noch überwiegend davon ausgegangen, dass die Leitzinsspanne in den USA sinken würde. Der Ölpreisschock im Zuge des Irankriegs sorgt allerdings auch in den USA für höhere Energiepreise. Das verschärft das seit Jahren ungelöste Problem zu hoher Inflationsraten über dem Fed-Ziel von zwei Prozent. Verwandte Themen FedUSAGoldman SachsDer nächste Zinsentscheid der Fed steht nächste Woche Mittwoch an. Es ist der erste unter Fed-Chef Kevin Warsh.