ErklärtKommt es auf die Grösse an? Weshalb Minitomaten besonders gesund sindWie sich kleine von grossen Tomaten unterscheiden und warum bei Peperoni die Grösse nicht entscheidend ist.Kathrin Burger05.08.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenIllustration Simon Tanner / NZZLeserfrage: Es gibt grosse Tomaten und kleine Cherrytomaten. Es gibt grosse und kleine Peperoni. Welche enthalten mehr wertvolle Stoffe für den Körper?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Sommerzeit ist Tomatenzeit. Auch Peperoni, Zucchini oder Auberginen haben momentan Hochsaison. Auf Märkten oder in Supermärkten finden sich immer häufiger Gemüsesorten, die kleine Früchte liefern. Vor allem Tomaten schrumpfen. Und die Miniaturexemplare sind beliebt: Im März dieses Jahres berichtete die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI), dass kleine Roma-Cherrytomaten im Trend lägen, während zum Beispiel grosse Rispentomaten in der Gunst der Verbraucher gesunken seien. Und das, obwohl kleine Tomatensorten praktisch immer hochpreisiger sind – sie kosten teilweise das Doppelte bis das Dreifache von Salat- oder Fleischtomaten.Wohl & Sein antwortetIn der Rubrik «Wohl & Sein antwortet» greifen wir Fragen aus der Leserschaft rund um Gesundheit und Ernährung auf. Schreiben Sie uns an [email protected].Warum sind die Verbraucher hier schmerzfrei, was den Preis anbelangt? Ein Grund ist, dass Snacktomaten unkompliziert, auch nebenbei, verzehrt werden können. Ausserdem schmecken sie häufig intensiver. Denn sie enthalten mehr Zucker und Aromen.Darüber hinaus finden sich in Cherry- oder Cocktailtomaten mehr gesundheitsförderliche Substanzen als in grossfruchtigen Tomaten. Dazu zählt Vitamin C, vor allem aber enthalten sie mehr sekundäre Pflanzenstoffe wie Lycopin, Polyphenole oder Flavonoide. Lycopin ist eine der am besten untersuchten bioaktiven Substanzen und wirkt antioxidativ. Es gibt Hinweise, dass eine Lycopin-reiche Ernährung das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einige Krebsarten verringert. In einer italienischen Vergleichsstudie aus dem Jahr 2023 mit sechs Tomatentypen konnten die Forschenden in Cherrytomaten mehr als doppelt so viel Lycopin nachweisen wie in Salattomaten.Muss es eine Minitomate sein?Dennoch gilt: «Jede Tomate ist gesund», sagt Gabriele Kaufmann vom Bundeszentrum für Ernährung (BZfE). «Niemand muss einen Mangel fürchten, wenn er grosse statt kleine Tomaten isst.» Umgekehrt garantierten Snacktomaten keinen automatischen Schutz vor Herzkrankheiten oder anderen Leiden.Der wichtigste Grund für die etwas höhere Nährstoffdichte in kleinen Tomaten ist ihre genetische Ausstattung. Kleinfruchtige Sorten unterscheiden sich in ihren Erbanlagen von Fleisch- und Salattomaten. Hinzu kommt, dass kleine Tomaten im Verhältnis mehr Schale und weniger Fruchtfleisch haben. Da sich viele gesunde sekundäre Pflanzenstoffe besonders in oder direkt unter der Schale befinden, steigt ihre Konzentration bei sinkender Grösse pro 100 Gramm gerechnet.Neben der Genetik beeinflussen weitere Faktoren wie Reifegrad, Farbe, Anbaubedingungen und Sonneneinstrahlung den Gehalt an Gesundstoffen in Tomaten. Eine sonnengereifte grosse Tomate könnte darum zum Beispiel mehr sekundäre Pflanzenstoffe liefern als eine unreif geerntete Cherrytomate. Auch sollte man bedenken: «Aus gegarten Tomaten kann zum Beispiel Lycopin viel besser aufgenommen werden», sagt Kaufmann. Das liegt daran, dass durch Hitze Zellwände geschwächt und dadurch für vormals eingeschlossene Substanzen durchlässig werden. Da kleine Tomaten meist roh gesnackt werden, bleibt hier ein Teil des Lycopins für den Körper ungenutzt.Bei Peperoni gibt es kaum Unterschiede zwischen Klein und GrossBei Peperoni (auf dem deutschen Markt: Paprika) gibt es keinen Zusammenhang zwischen Fruchtgrösse und Gesundheitswert, weil sich kleine und grosse Sorten kaum in ihren Erbanlagen unterscheiden. Hier ist die Farbe wichtiger. Rote Peperoni, gelbe und orange Sorten enthalten verschiedene Carotinoide. Grüne sind unreifer und liefern dafür teilweise mehr bestimmte bioaktive Phenolverbindungen. Auch das sind Pflanzenstoffe, die als gesundheitsförderlich gelten.Übrigens arbeiten grosse Züchtungsunternehmen schon lange auch am Gesundheitswert ihrer Produkte, anstatt nur auf Ertrag und Haltbarkeit zu achten – Nutritional Breeding heisst das im Fachjargon. Im Handel findet man bereits eine solch optimierte, dunkelviolette Tomatensorte, die klassisch gezüchtet wurde: Sie heisst Yoom und wurde vom amerikanischen Unternehmen Syngenta entwickelt. Ihre Besonderheit: ein hoher Gehalt an Anthocyanen sowie mehr Lycopin und Vitamin C. Kostenpunkt: 19 Franken 80 pro Kilogramm bei Coop und damit mehr als das Vierfache von normalen Salattomaten.Kaufmanns Fazit: «Insgesamt wäre es wichtiger, auf die bunte, abwechslungsreiche Auswahl bei Obst und Gemüse zu achten, als den Bedarf durch eine eher einseitige Auswahl von kleinen Sorten vermeintlich besser zu decken.» Wer bunt und vielfältig isst, nimmt mehr gesunde und verschiedene Nährstoffe auf – und wird wahrscheinlich genussvoller speisen. Essen darf und soll Freude bereiten.Sie haben auch eine Frage rund um Ernährung und Gesundheit? Schreiben Sie uns an [email protected].Passend zum Artikel
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