Die Stromversorger in der Schweiz sind von der Energiewende zunehmend überfordert. Dagegen hilft nur mehr WettbewerbUngenaue Messdaten oder falsche Wetterprognosen bringen das Stromnetz ans Limit und treiben die Kosten. Darum braucht es Druck, damit die 600 Schweizer Versorger endlich effizienter arbeiten.05.08.2026, 05.36 Uhr3 LeseminutenDie Eingriffe ins Schweizer Stromnetz kommen die Konsumenten besonders teuer zu stehen.Pius Amrein / CH MediaEs ist eine beeindruckende Zahl: In der Schweiz gibt es rund 600 Stromversorger, ähnlich viele wie im ungleich grösseren Deutschland. Die Zersplitterung in Klein- und Kleinstbetriebe, die oftmals nur gerade ein einziges Dorf versorgen, schafft zunehmend Probleme.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Lange war es für diese Unternehmen eine einfache Sache, die Versorgung sicherzustellen. Der Strom aus grossen Kraftwerken floss durch ihre Verteilnetze zu den Verbrauchern. Ab und zu las man dort den Stromzähler ab.Heute gibt es den reinen Konsumenten immer seltener. Mehr und mehr Firmen und Private haben eine Solaranlage, die sie oft mit einer eigenen Batterie ergänzen. Sie sind nicht mehr nur Strombezüger, sondern vieles in einem: Verbraucher, Produzenten und gar Händler. Daraus entsteht ein System, das immer stärker von den Launen des Wetters abhängt und das für die Steuerung von Angebot und Nachfrage auf detaillierte Daten angewiesen ist.Überforderte VersorgerDie Schweizer Stromversorger zeigen sich von dieser Entwicklung zunehmend überfordert. Vor kurzem hat die Strommarktaufsicht des Bundes (Elcom) angekündigt, sie wolle die Qualität der Messdaten näher untersuchen, welche die Stromversorger erfassen. Die Aufsichtsbehörde hatte bemerkt, dass sie oft ungenau sind. Vielen Versorgern falle es nicht einmal auf, wenn die von ihnen erhobenen Messdaten völlig unplausibel seien. Dabei sind korrekte Daten eine zentrale Voraussetzung dafür, das Stromnetz sicher zu betreiben, wie die Elcom mahnt.Ein verheerendes Bild der Branche zeichnet auch ein neuer Bericht des Bundesamtes für Energie. Laut der Studie entrichtete die Schweiz 2024 aussergewöhnlich hohe Kosten für die Stabilisierung des Stromnetzes. Die Stromkunden, die diese übernehmen müssen, wurden im Durchschnitt mit sechsmal höheren Preisen belastet als jene in den Nachbarländern.Die Schweizer Versorger schieben die Schuld gerne auf den Solarboom und das unberechenbare Wetter. Doch die Studie entlarvt dies als Ausrede: Deutschland und Österreich weisen einen vergleichbaren oder gar höheren Anteil an Kleinsolaranlagen auf, benötigen aber viel weniger teure Energie für den Ausgleich des Stromnetzes.Zwar beteuert die Branche, sie habe ihre Prozesse jüngst verbessert. Und sie beklagt sich – nicht zu Unrecht – darüber, dass die gesetzlichen Vorgaben immer komplizierter und unübersichtlicher werden. Es ist aber zu bequem, die Schuld einfach auf die Regulierung zu schieben. Denn diese bildet ein System ab, das viel komplexer geworden ist.Gefangen im MonopolDarum bleibt die Frage: Warum strengen sich die Schweizer Versorger nicht mehr an, um solche Fehler auszumerzen? Der Grund ist simpel. In der Schweiz sind Kleinkunden im Monopol der Grundversorgung gefangen. Die lokalen Werke können ihnen die Kosten mühelos überwälzen.Darum braucht die Schweiz endlich die vollständige Marktöffnung. Nur im echten Wettbewerb werden die lokalen Elektrizitätswerke aufhören, die Kosten ihrer eigenen Bequemlichkeit dem Bürger auf die Rechnung zu schlagen. Naturgemäss haben viele in der Branche Angst vor diesem Schritt, weil sie als Folge der Marktöffnung eine Flurbereinigung befürchten. In der Bevölkerung und bei den Gemeinden geht die Sorge um, dass man plötzlich ohne lokalen Versorger dasteht.Doch das ist ein Schreckgespenst. Um im Wettbewerb zu bestehen, müssen kleine Werke nicht verschwinden – sie müssen sich lediglich professionalisieren. Sie können Kooperationen eingehen, etwa bei Einkauf und Nutzung der stetig komplexer werdenden Softwaresysteme. Längerfristig könnte die Branche die aufwendige Pflicht, das Stromnetz jederzeit in der Balance zu halten, auch an eine zentrale Stelle auslagern. Dass eine solche Bewirtschaftung funktioniert, beweisen Deutschland und Österreich längst.Klar ist, dass etwas geschehen muss. Sonst wird die in vielen Bereichen unserer Stromlandschaft vorherrschende Kleinteiligkeit und Ineffizienz zu einer Bedrohung für die Stabilität und Bezahlbarkeit unserer Stromversorgung.Passend zum Artikel
Schweizer Stromversorger sind zunehmend überfordert. Darum braucht es mehr Wettbewerb
Ungenaue Messdaten oder falsche Wetterprognosen bringen das Stromnetz ans Limit und treiben die Kosten. Darum braucht es Druck, damit die 600 Schweizer Versorger endlich effizienter arbeiten.







