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Japan: Darum muss Donald Trump Sanae Takaichi aus der Yen-Falle helfen Die USA stützen gemeinsam mit Japan den Yen. Die Frage ist: Warum? Klar ist: Japans Regierungschefin kann innen- und finanzpolitisch Hilfe derzeit gut gebrauchen. Die wichtigsten Antworten.

Im Oktober 2025 schlossen US-Präsident Donald Trump und Japans Regierungschefin Sanae Takaichi eine Politikerfreundschaft. Foto: AP Photo/Eugene HoshikoTokio. An Bord der Präsidentenmaschine Air Force One gibt Donald Trump gerne Interviews. Am Wochenende verriet er, warum seine Regierung zwei Tage zuvor Japan bei einer der größten Währungsinterventionen der Geschichte half: Die USA hätten „eine gute Beziehung zu Japan“ und seien finanziell stark genug. „Sie haben einen schwachen Yen und wollten etwas Unterstützung. Wir sind immer für Japan da“, sagte der Präsident.Japans Notenbank hatte zuvor Dollar-Reserven verkauft und für rund 59 Milliarden Dollar Yen gekauft, um die Landeswährung zu stützen. Einen Tag später schaltete sich erstmals seit der Erdbebenkatastrophe von 2011 auch die US-Notenbank ein und kaufte eine bislang unbekannte Summe Yen. Die womöglich konzertierte Maßnahme brachte Erfolg: Die japanische Währung erholte sich, der Dollar verbilligte sich binnen zwei Handelstagen von knapp 164 auf 155,31 Yen.Auslöser war die Wirtschaftspolitik von Japans Regierungschefin Sanae Takaichi: Mit ihrer Idee, trotz eines Schuldenstands von mehr als 200 Prozent der Wirtschaftskraft auf hohe Staatsausgaben zu setzen, hat sie das Land in eine Art Yen-Falle manövriert, die auch den US-Anleihemarkt zu belasten drohte.Fast wirkte Takaichi wie eine Liz Truss in Zeitlupe. Die frühere britische Premierministerin musste 2022 nach nur 49 Tagen im Amt zurücktreten, nachdem ihre Haushaltspläne die Anleiheinvestoren verschreckt hatten. Medien verglichen Takaichi daher gleich zu Beginn mit Truss.Doch ist ihre Glaubwürdigkeit langsamer geschwunden – über zehn Monate. Die globalen Folgen dürften dafür größer ausfallen, wenn Japans System in eine Krise gerät. Das Land zählt zu den wichtigsten Investoren und Geldquellen für Anlagen in aller Welt.Yen-Ausschläge können daher Aktien- und Anleihemärkte rund um den Globus bewegen. Warum das so ist, hat das Handelsblatt mit den Antworten auf die wichtigsten Fragen analysiert.Der Befund: Yen-Absturz und Renditenrausch bei AnleihenSeit Takaichis Amtsantritt Anfang Oktober 2025 rutschte die ohnehin schwache Währung von zuvor unter 150 auf fast 164 Yen je Dollar ab. Gleichzeitig schossen die Renditen zehnjähriger japanischer Staatsanleihen (JGB) von 1,66 auf 2,9 Prozent hoch – der höchste Stand seit dreißig Jahren.Mehr noch: Bislang trieb vor allem die wachsende Zinsdifferenz zwischen Japan und dem Ausland den Yen-Verfall an, weil die Bank of Japan (BoJ) bis 2024 an ihrer Nullzinspolitik festhielt. Das Kapital wanderte also entsprechend eher ins Ausland. Seit Mitte 2025 aber wirkt dieser Zusammenhang nicht mehr: Obwohl die Notenbank ihren Leitzins im Juni auf ein Prozent angehoben und damit die Zinsspanne verringert hat, fällt der Yen weiter.Was ist der Hauptfaktor für den Yen-Absturz?Für die Ökonomin Sayuri Shirai, früher Mitglied im geldpolitischen Ausschuss der BoJ, ist die Ursache klar: „Der Markt bringt die Abwertung des Yens mit fiskalpolitischen Sorgen in Verbindung.“ Takaichi habe schon vor ihrem Amtsantritt trotz hoher Schulden steigende Staatsausgaben und niedrige Zinsen befürwortet.Takaichi verkauft dies als „verantwortungsvolle, proaktive Fiskalpolitik“: Hohes Wachstum solle die Schuldenquote senken, obwohl die Schulden selbst weiter stiegen. „Als klar wurde, dass sie Premierministerin werden würde, begannen die Anleiherenditen zu steigen und der Yen zu fallen“, sagt Shirai.Warum verhallten die Signale des Bond-Marktes lange?Die Warnsignale ignorierte Takaichi lange. Nach teuren Subventionen für Benzinpreise kündigte sie im Juni an, dass Staat und Unternehmen bis 2040 rund zwei Billionen Euro in 17 strategische Wirtschaftsfelder investieren werde. Ende Juli folgte die Ankündigung, die Verbrauchsteuer auf Lebensmittel für zwei Jahre von acht auf ein Prozent zu senken. Kein Zeichen von Rücksicht auf Staatshaushalt und Anlegersorgen.Zudem habe die Regierung nicht mit einer Stimme gesprochen, kritisiert Shirai: Finanzministerin Satsuki Katayama habe wiederholt vor Inflationsrisiken durch den schwachen Yen gewarnt, während Takaichis Wirtschaftsberater dessen Einfluss heruntergespielt hätten. Auch habe Takaichi kaum verhohlen signalisiert, dass ihr starke Zinserhöhungen der Notenbank nicht recht seien. Fujitsu-Chefvolkswirt Martin Schulz spricht gar von einem „Verlust der Glaubwürdigkeit“ der Regierung.Warum jetzt die Intervention?Mit dem fallenden Yen importiert Japan Inflation, besonders bei Lebensmitteln: Die Supermarktpreise sind seit der Pandemie um etwa ein Viertel gestiegen, während die Kerninflation bei rund drei Prozent liegt. Das schürt Unmut in der Wählerschaft. Doch nun sinkt Takaichis Popularität in Umfragen deutlich, was ihre innerparteilichen Gegner stärkt. Gleichzeitig erhöhten Anleger den Druck.John Bromhead, Senior Economist bei Moody’s Analytics, verweist auf spekulative Wetten gegen den Yen nahe historischen Höchstständen sowie überzogene Carry-Trade-Positionen, die bislang den globalen Börsenboom antrieben.Bei Carry-Trades leihen sich Anleger Geld in Ländern mit schwacher Währung und niedrigen Zinsen, um es anderswo lukrativer anzulegen. Steigt der Yen deutlich, drohen Auflösungen dieser Positionen – mit Druck auf Aktienkurse und Anleiherenditen weltweit.Aber die Schwäche des Yens wird zum größeren Risiko.Warum bat Japan die USA um Hilfe?Die letzte Solo-Intervention Ende April wirkte nur kurz: Der Yen stieg von 160 auf 155 Yen, um danach wieder abzusacken. Matthew Ryan, Head of Market Strategy beim Zahlungsdienstleister Ebury, sieht in der US-Beteiligung deutlich mehr Schlagkraft – und ein Signal, dass auch Washington die Yen-Schwäche inzwischen für übertrieben hält.Warum halfen die USA mit?Der schwache Yen gilt in Washington längst als Problem, vor allem für Finanzminister Scott Bessent. Am Sonntag bezeichnete er die Währung in einem Post auf X als „deutlich unterbewertet“. Diese Einschätzung teilt der Markt, umstritten ist nur das Ausmaß.Ein weiterer Kursrutsch hätte auch für den US-Anleihemarkt Risiken bedeutet: Shigeto Nagai von Oxford Economics erklärt, ein ungeordneter Yen-Absturz, kombiniert mit steigenden Zinsen, könne japanische Großanleger dazu bewegen, Dollar-Anlagen zu verkaufen und stattdessen in Japan zu investieren, was die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen, schon nahe Mehrjahreshochs, weiter treiben werde. Dreißigjährige US-Treasuries rentierten zuletzt so hoch wie seit 19 Jahren nicht mehr.Kommentar Trumps rationaler Yen-Coups – und warum er trotzdem scheitern könnte Jens MünchrathWie geht es weiter?Es gibt zwei Lager. Die Analysten von Morgan Stanley sehen in der Intervention „einen vorübergehenden Kursschock, keine Trendwende“: Ohne sinkende US-Zinsen dürfte der Dollar mittelfristig wieder zulegen, da Sorgen um Japans Finanzpolitik bestehen blieben, denkt dieses Lager. Bis Dienstagabend sank der Yen zum Dollar wieder auf fast 158 Yen. Verwandte Themen YenJapanBank of JapanUSADonald TrumpLiz TrussShusuke Yamada von der BofA Securities hingegen erwartet zum Jahresende einen Yen-Kurs von 152 je Dollar. Die koordinierte Intervention wecke „die Erwartung eines politischen Rahmens zur Stabilisierung der Währung“ – entweder über eine veränderte Fiskalpolitik oder ein höheres Zinstempo der BoJ.Ökonom Schulz hält zwei weitere Zinserhöhungen in diesem Jahr für nötig, um die Marktstimmung zu drehen: „Japan braucht wieder einen glaubwürdigen Weg.“ Das ginge auch bei einer expansiven Fiskalpolitik, wenn gleichzeitig die Geldpolitik restriktiver wird und Takaichi dazu schweigt. „Dann könnte der Yen stärker werden.“ Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. 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