KommentarTrumps Hilfe im Kampf gegen den schwachen Yen ist kein Zeichen der Freundschaft, sondern SelbstschutzDie USA greifen Japan bei der Stützung der Währung unter die Arme. Denn das asiatische Land besitzt ein billionenschweres Druckmittel, das die amerikanische Regierung nervös macht.03.08.2026, 17.03 Uhr3 LeseminutenAuf der To-do-Liste von US-Finanzminister Scott Bessent stand beim Ministertreffen vom Freitag ein einziger Eintrag: «Buy Japanese Yen».Daniel Heuer / REUTERSDie amerikanische Regierung ist nicht dafür bekannt, in wirtschafts- oder geopolitischen Fragen enge Partnerschaften mit anderen Staaten zu pflegen. Unter Donald Trump dominiert vielmehr eine strikt interessengeleitete Politik des «America first». Umso irritierender wirkt es zunächst, dass die USA der japanischen Regierung beim Stützen des Yen zu Hilfe eilen. Gemeinsam haben die beiden Staaten am Devisenmarkt interveniert, um den Sinkflug der Währung zu beenden. Trump bezeichnete den Einsatz als «Signal der Freundschaft».Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Japan mit hohen Beständen an US-StaatsanleihenSolche Aktionen sind aussergewöhnlich. Eine vergleichbare bilaterale Zusammenarbeit gab es letztmals Ende der 1990er Jahre. Auch nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima intervenierten die G-7-Staaten vor rund 15 Jahren gemeinsam am Devisenmarkt, um den Yen zu stützen. Ungewöhnlich an der jüngsten Massnahme ist zudem, dass Japan und die USA ihre Interventionen offensiv kommunizieren, wobei sie offenlassen, ob sie den Yen in naher Zukunft erneut mit Devisenverkäufen stützen werden. All dies zeugt von einem erhöhten Krisenbewusstsein.Ein blosses «Signal der Freundschaft» ist es aber kaum, wenn die USA nicht länger zusehen, wie der Yen zuletzt gegenüber dem Dollar auf den schwächsten Wert seit rund 40 Jahren absackte. Denn ein schwächerer Yen beschert den japanischen Unternehmen im globalen Wettbewerb einen Preisvorteil auch gegenüber den amerikanischen Konkurrenten. Den Wert des Yen künstlich in die Höhe zu treiben und japanischen Firmen das Geschäften im Ausland zu verteuern, liegt daher durchaus im Interesse der amerikanischen Wirtschaft.Dies allein erklärt Trumps Schützenhilfe aber nicht. Ein noch wichtigerer Grund dürfte sein, dass kein anderes Land so viele amerikanische Staatsanleihen besitzt wie Japan; der Wert der Bestände liegt bei über einer Billion Dollar. Gehen Japan die Devisen aus, um gegen den schwachen Yen zu intervenieren, könnte das Land versucht sein, die fehlenden Mittel durch den Verkauf von US-Schuldpapieren zu beschaffen. Um für diese Papiere neue Käufer zu finden, müssten die Zinsen dann steigen. Das Schuldenmachen würde für die USA also teurer. Das will Washington unter allen Umständen vermeiden.Strukturelle Ursachen bleiben unangetastetJapan hält als grösster ausländischer Gläubiger der Vereinigten Staaten einen bedeutenden Trumpf in der Hand. Für Scott Bessent, den US-Finanzminister und ehemaligen Hedge-Funds-Manager, gibt es wohl kein bedrohlicheres Szenario als einen massiven Abverkauf von amerikanischen Staatsanleihen durch Japan. Gemessen am potenziellen Schaden, den ein solcher Verkauf am Markt für US-Staatsanleihen und somit beim amerikanischen Staat anrichten könnte, wirkt Amerikas Hilfe bei Japans Devisenmarktinterventionen fast schon marginal.Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass die konzertierte Aktion den Yen dauerhaft stärken wird. Denn die Schwäche des Yen ist weniger auf Spekulation als auf strukturelle Faktoren zurückzuführen: So verfolgt die Regierungschefin Sanae Takaichi eine sehr expansive Finanzpolitik. Um die Lebenshaltungskosten zu senken, soll etwa die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel ab kommendem April für zwei Jahre von 8 auf 1 Prozent gesenkt werden. Wie das hochverschuldete Japan dies finanzieren will, bleibt offen.Hinzu kommt, dass der schwache Yen über höhere Importpreise auch so schon den Inflationsdruck erhöht und an den Finanzmärkten zugleich Zweifel weckt, wie entschlossen Japans Notenbank eine ausufernde Teuerung im Ernstfall bekämpfen würde. Statt Devisen auf den Markt zu werfen, würde Japan zur Stärkung des Yen besser den momentan bei 1 Prozent liegenden Leitzins erhöhen und eine massvollere Finanzpolitik einleiten. Eine solche Politik wäre nachhaltiger, glaubwürdiger – und würde auch ohne das Hinzutun der US-Regierung funktionieren.Passend zum Artikel
Trumps Hilfe für den schwachen Yen: Freundschaft oder blosser Selbstschutz?
Die USA greifen Japan bei der Stützung der Währung unter die Arme. Denn das asiatische Land besitzt ein billionenschweres Druckmittel, das die amerikanische Regierung nervös macht.











