Die amerikanische Regierung steht bereit, sich an weiteren Devisen-Interventionen zur Stützung des japanischen Yens zu beteiligen. Das hat US-Finanzminister Scott Bessent mitgeteilt. Er bestätigte Interventionen zugunsten des Yens vom Freitag in enger Abstimmung mit dem japanischen Finanzministerium und der Notenbank des Landes. Japans Finanzministerin Satsuki Katayama sagte, die gemeinsame Aktion habe der übermäßigen Volatilität und den ungeordneten Bewegungen des japanischen Yens in den vergangenen Monaten entgegengewirkt. „Wir werden nicht zögern, weitere gemeinsame Interventionen vorzunehmen.“Der Yen war auf ein 40-Jahres-Tief gegenüber dem Dollar abgerutscht, eine Intervention vom Mai, die Japan aus eigenen Mitteln unternahm, hatte keine nachhaltige Wirkung. Im asiatischen Nachmittagshandel am Montag hatte sich der Yen auf rund 156 Yen je Dollar erholt. Vor dem Eingriff war er zeitweise auf fast 164 Yen je Dollar gefallen.Es ist die erste große abgestimmte Intervention seit 2011, als G-7-Länder nach dem Erdbeben in Japan den Yen stützten. Seit damals hat sich der Wert der japanischen Währung gegenüber dem Dollar halbiert. Eine massive Abwertung setzte von 2022 an ein, als die Federal Reserve ihre Leitzinsen kräftig anhob, während die Bank of Japan lange an Null- und Negativzinsen festhielt. Der Dollar stieg 2022 erstmals bis nahe 150 Yen und erreichte 2024 sowie 2026 neue Höchststände.Finanzminister Bessent legt die FährteDie „Financial Times“ hatte Freitag von umfangreichen Deviseninterventionen berichtet, bei denen die US-Regierung Euro verkauft hat, um Yen zu kaufen. Bessent selbst hatte die Fährte gelegt, als er Fotografen bei einer Kabinettssitzung erlaubte, seine handschriftliche To-do-Liste zu fotografieren. Darauf stand „Buy Japanese Yen (JPY) $5-10 bil.“Das Zinsgefälle zwischen Ländern beeinflusst die Währungen. Die Bank von Japan hatte im Juni ihren Leitzins auf 1 Prozent angehoben – den höchsten Stand seit den Neunzigerjahren. Er liegt damit aber deutlich unter den US-Leitzinsen, die zwischen 3,5 bis 3,75 Prozent liegen und eher nach oben weisen. Mit diesem Zinsgefälle wird Kapital aus Japan in die Vereinigten Staaten gelenkt, weil Anleger dort höhere Renditen finden. Das stärkt den Dollar und setzt den Yen unter Druck.Jüngste geopolitische Entwicklungen treffen die japanische Wirtschaft besonders stark. Sie ist auf die Einfuhr von Öl und Flüssiggas aus dem Mittleren Osten angewiesen, deren Preise stiegen und stark schwankten.Die USA verfolgen mit der raren Intervention auch eigene Interessen. Eine Sorge der US-Regierung ist, dass Japan zur Stützung seiner Währung einen Teil seiner umfangreichen Bestände an US-Staatsanleihen verkaufen könnte, um mit den Dollarerlösen Yen zu kaufen. Das könnte den Aufwärtsdruck auf amerikanische Staatsanleihen und auf die Zinsen verstärken und damit den amerikanischen Staatshaushalt belasten. Kein anderes Land außer den USA selbst hält mehr amerikanische Staatsanleihen als Japan.Die Fed hilft Japan bei der Finanzierung der InterventionJapans Finanzministerin Satsuki Katayama kündigte allerdings an, Japan werde sich für künftige Interventionen Dollar über eine noch aus der Pandemiezeit stammende Kreditfazilität der Federal Reserve beschaffen. Die sogenannte FIMA-Repo-Fazilität ermöglicht es ausländischen Zentralbanken, sich vorübergehend Dollar zu beschaffen. Dazu verkaufen sie US-Staatsanleihen an das für Offenmarktgeschäfte zuständige Konto der Federal Reserve und verpflichten sich, die Papiere bei Fälligkeit des Rückkaufgeschäfts wieder zu erwerben. Die Laufzeit beträgt entweder einen Tag oder sieben Kalendertage. Bessent teilte auf der Plattform X mit, er werde die Fed ermuntern, die bislang wenig genutzte Repo-Fazilität auszuweiten.Ein schwacher Yen steht auch Präsident Donald Trumps Ziel entgegen, den Dollar zu schwächen, um Exporte zu beflügeln, und erschwert für Japan die Finanzierung von Investitionsprojekten in den USA, die die japanische Regierung zur Lockerung von Handelshemmnissen versprochen hatte.Vor Journalisten an Bord der Air Force One sagte Präsident Donald Trump am Wochenende, Japan habe um Hilfe gebeten, und die Vereinigten Staaten seien dem Wunsch gerne nachgekommen. „Sie brauchten ein wenig Hilfe, und wir stehen Japan immer zur Seite. Japan ist stets sehr gut zu uns gewesen“, sagte er, „mit Ausnahme natürlich von Pearl Harbor.“
Warum ein schwacher Yen auch für die USA gefährlich wird
Die USA helfen Japan erstmals seit dem Jahr 2011 mit einer großen Devisenintervention. Aus Bündnistreue – und aus Eigennutz.











