Jugendliche Offenheit am Theaterspektakel, experimentelle Prosa und doppelt magisches Schimmern: Die Kulturtipps der «NZZ am Sonntag»Was muss man gelesen, gesehen oder gehört haben?Kultur-Redaktion NZZ am Sonntag02.08.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenRücken an Rücken an Rücken: «Teenage Songbook of Love and Sex».PD / Laimonas PuysisErste Liebe unplugged: Was die Jungen wirklich denken. Am Theaterspektakel kommen Jugendliche aus Reykjavik und Zürich zu Wort und singen über ihre Gefühle. Schonungslos offen und dabei so eingängig, dass man mitsummen muss. Lesen Sie hier die Rezension von Anna Kardos.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Bilderbuch: Magische DämmerungMagische Dämmerung Zunehmende Helligkeit – Guten Morgen. Abnehmendes Licht – Gute Nacht. Johanna Schaible erzählt von dieser elementaren Erfahrung in atmosphärisch dichten Bildtafeln und mit lyrischen Zeilen, die Kinder einbeziehen. Weil alle den Zauber des sich ändernden Himmelslichts kennen, können die Motive zwischen Kontinenten, ­zwischen Menschen und Tieren und unterschiedlichen Milieus wechseln. Gesteigert wird der zuversichtliche Blick durch die Buchgestalt: Die Schweizer Künstlerin hat eine Form entwickelt, die von zwei Seiten her zu lesen ist. So formt sie ein Ganzes und öffnet einen gelassenen Blick auf das Schöne in der Welt. Hans ten Doornkaat★★★★★ Johanna Schaible: Guten Morgen – Gute Nacht. Hanser 2026.Das Buch ist erhältlich bei Ex Libris.Klassik: Schönheit und TrauerAls die amerikanische Opernsängerin Lorraine Hunt Lieberson 2006 mit 52 Jahren an Krebs starb, verlor die Musikwelt eine ihrer anmutigsten Stimmen. Die Mezzosopranistin verfügte über ein wunderbar schimmerndes Timbre und eine makellose Intonation. Vor allem aber verstand sie es, tragende Rollen in Barockopern überzeugend zu gestalten: mit Sinn für die grosse Geste und doch unaffektiert, mit Leidenschaft, aber ohne Allüre. Besonders sinnfällig zeigte sich das in ihrer Zusammenarbeit mit dem Regisseur Peter Sellars.Zum zwanzigsten Todestag von Lorraine Hunt Lieberson ist eine Doppel-CD erschienen, die sie vor allem als Händel-Sängerin würdigt. Hier ist sie mit Arien aus «Ariodante», «Theodora», «Susanna» und natürlich dem Oratorium «Messiah» vertreten. Aus «Ottone», «Giulio Cesare», «Radamisto» und «Arianna» kommen Arien hinzu, die Händel für die Sängerin Margherita Durastanti schrieb. Exzellent begleitet wird Hunt Lieberson vom Philharmonia Baroque Orchestra sowie dem Freiburger Barockorchester unter der Leitung von Nicholas McGegan. (pap.)★★★★★ Lorraine Hunt Lieberson: A Tribute. Harmonia Mundi.Literatur: Katja Brunner durchleuchtet die GegenwartAutorin Katja Brunner auf der Frankfurter Buchmesse 2025Jan Moch / CC BY 4.0Haben Sie sich schon einmal wie eine fleischfressende Pflanze gefühlt? Bei Katja Brunner sind die Grenzen zwischen ­Menschen, Pflanzen und Dingen nicht so klar. Ein Fels kommt bei ihr ebenso zu Wort wie Männerchöre oder Eltern – und die Worte klatschen und tratschen und tanzen: Aus dem Muss wird das Mus wird das Apfelmus. Und woraus ist eigentlich ein Staat gemacht? Die Theaterautorin bleibt auch in ihrem Prosaband experimentell. Brunners poetisch-politische Texte durchleuchten die Gegenwart und das Wesen der Schweiz leichtfüssig und komisch. Martina Läubli★★★★★ Katja Brunner: Die Kunst der Wunde. Der gesunde Menschenversand 2026, 142 Seiten.Kunst: Schleudernde MittelstreifenStanden Sie schon einmal vor einem riesigen Schiffsbug, der sich vor Ihnen in die Höhe wölbte? Wenn nicht, dann vermittelt Ihnen das Gemälde «Verolme Rozenburg» von Robert Zandvliet ein Gefühl von der Masse, die einen zu zermalmen droht.Der niederländische Maler erkundet den Bereich zwischen Dinglichem und Abstraktion. Da geraten die Mittelstreifen einer Strasse im nächtlichen Dunkel ins Schleudern. Hellrote Dachziegel sind eigentlich nur in Reihen organisierte rote Flächen. Oder zwei Baumstämme trocken aufgetragene Spachtel­spuren von schwarzer Farbe.Im Museum Franz Gertsch präsentiert Zandvliet neben einem Rückblick auf wichtige Werkgruppen einen Raum mit sieben dunkeltonigen Darstellungen von ins Riesige vergrösserten Steinen, denen am Ende des Parcours Werke aus einer neuen Paradies-Serie antworten: leuchtend hell im Sonnenlicht, magisch schimmernd in der Nacht, vielleicht ein wenig sehr esoterisch. Energiefelder wolle er zeigen, sagt der Maler. Die können einen packen. (gm.)★★★★★ Robert Zandvliet: The Painting is a Door. Museum Franz Gertsch, Burgdorf, bis 30. 8.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel