Die Sperrklausel für die Parlamente abzusenken, ist eine gute Idee. Dann wären endlich mehr Wäh­le­r:in­nen in den Parlamenten repräsentiert.

Stimmauszählung bei der Bundestagswahl 2025 in einem Berliner Wahllokal

K.M. Krause/snapshot-photography/imago

E ine Chance hat der Vorschlag, die Fünf-Prozent-Hürde abzusenken, zumindest derzeit nicht. Trotzdem wäre es verkehrt, den Vorstoß von Hans-Jürgen Papier, dem früheren Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, einfach abzutun. Denn in der Sache hat er recht. Mit der von ihm favorisierten Drei-Prozent-Sperrklausel wären mehr Bür­ge­r:in­nen im Parlament repräsentiert – und das Vertrauen in die Demokratie würde gestärkt.

Eine Sperrklausel stellt generell den Grundsatz der Gleichheit der Wahl infrage. Je höher sie ist, desto mehr Wäh­le­r:in­nen­stim­men gehen für die demokratische Willensbildung verloren, sind also weniger wert als andere. Bei der vergangenen Bundestagswahl sind knapp 14 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen nicht im Parlament repräsentiert. Bei den Landtagswahlen im März dieses Jahres waren es 14 in Baden-Württemberg und knapp 15 Prozent in Rheinland-Pfalz. Hätte es bei diesen drei Wahlen eine Drei-Prozent-Hürde gegeben, wäre nicht so eine große Anzahl an Wäh­le­r:in­nen­vo­ten unberücksichtigt geblieben, weil dann jeweils zwei Parteien mehr im Parlament sitzen würden.