Unter dem früheren Vorstandsvorsitzenden Oliver Zipse gefiel sich BMW lange in der Rolle des krisenresistenten Musterschülers. Und das durchaus zu Recht, denn die weiß-blaue Premiummarke hatte viel richtig gemacht: Sie hielt ihre Fabriken flexibel und setzte in der Antriebstechnik auf Offenheit, während Rivalen wie der Volkswagen-Konzern alles auf Batterieantrieb setzten und dann teure Kurskorrekturen vornehmen mussten.Doch spätestens, seit der neue Konzernchef Milan Nedeljković im Juni eine drastische Gewinnwarnung herausgab, war klar: Auch BMW kann sich der Abwärtsspirale nicht entziehen.Wie bei Mercedes und Audi kommen die stärksten Belastungen aus dem Chinageschäft. Dort stehen die deutschen Premiumhersteller inzwischen unter ähnlich großem Druck wie VW im Volumensegment. Jetzt drängen chinesische Hersteller auch nach Europa – und es wäre naiv zu glauben, dass sie sich hier mit dem unteren Preissegment begnügen werden.Noch mehr auf Technik aus China zurückgreifenMercedes hat schon reagiert. Und auch der neue Porsche-Chef Michael Leiters hat gerade ein weiteres Sparprogramm mit der IG Metall vereinbart. Als letzter großer deutscher Autohersteller legt nun auch BMW ein umfassendes Stellenabbauprogramm auf, dem rund um die Welt etwa 8000 Arbeitsplätze zum Opfer fallen.Die Frage ist, ob all das reicht, um Deutschlands einstige Vorzeigebranche wieder wettbewerbsfähig zu machen. So schmerzhaft es für das Selbstverständnis des Ingenieurstandorts Deutschland ist: Neben niedrigeren Kosten wird sich auch die Arbeitsweise der Industrie grundlegend ändern müssen. In Schlüsseltechnologien wie dem autonomen Fahren und den Batterien haben chinesische Hersteller inzwischen einen deutlichen Vorsprung. Die deutschen Hersteller werden deshalb künftig noch stärker auf Technik aus der Volksrepublik zurückgreifen müssen.Die gute Nachricht ist, dass sie dafür nicht schlecht aufgestellt sind. Das Entwicklungszentrum von VW in Hefei zeigt, wie sich chinesische Geschwindigkeit und Entwicklungsprozesse mit der eigenen Arbeit verbinden lassen. Im Idealfall ergeben sich daraus auch Lerneffekte für die anderen großen Märkte der Welt. Ausgerechnet VW wird so zum Vorreiter, an dem sich auch andere Hersteller orientieren können.
Auch BMW schaltet in den Krisenmodus
Auch BMW hat nun als letzter deutscher Hersteller einen Stellenabbau eingeleitet. Deutschlands Paradebranche muss technisch Schritt halten. An noch stärkerer Kooperation mit China führt wohl kein Weg vorbei.













