Ein BMW bei der Beijing International Automotive Exhibition 2024. Foto: REUTERS„BMW: China-Krise lässt Gewinn einbrechen.“ So oder so ähnlich titeln gerade viele Medien. Im Bereich Automobile kollabierte das operative Ergebnis der Münchner im zurückliegenden Quartal förmlich, um mehr als 60 Prozent. Der Hauptgrund ist der chinesische Markt. Dort brach der Absatz um rund ein Drittel ein.Man muss in diesen Tagen aufpassen, dass man bei den Quartalszahlen der deutschen Autobauer und den mitgelieferten Begründungen nicht durcheinanderkommt. Denn: Sie ähneln sich auf frappierende Weise. Ein Drittel Gewinnrückgang, ein Drittel weniger Absatz in China – Volkswagen, Mercedes und BMW kommunizierten wie im Gleichschritt. Als hätten sie sich im Vorfeld abgesprochen.Das haben sie natürlich nicht. Aber umso schlimmer ist es: Keinem gelingt es, in China endlich wieder Tritt zu fassen – trotz unterschiedlicher Modelle und Methoden. China heißt die Krankheit und die deutschen Autobauer finden einfach kein Heilmittel. Ihre Autos werden in China immer weniger gebraucht, ihre Marken sind dort immer weniger begehrt. Deshalb müssen sie endlich der grausamen Wahrheit ins Gesicht sehen: China könnte verloren sein.China-Abhängigkeit war bekannt – seit JahrenDas Schlimmste daran ist, dass die Autobauer es wissen konnten. Sie hätten die hohe Abhängigkeit von China schon vor Jahren verringern können. „China ist verloren! Gewöhnt euch dran, liebe Autobauer“, titelte die WirtschaftsWoche am 22. September 2024.Monate zuvor hatte die Redaktion der Wirtschaftswoche zum ersten Mal ein bedrohliches Gefühl beschlichen: Was, wenn die deutschen Autohersteller den chinesischen Markt komplett verlieren? Sorgen gab es schon lange, aber kaum jemand in der Branche wagte, die ganz große Katastrophe zu denken. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Jedoch verdichteten sich bei Recherchen die Anzeichen, dass Volkswagen, BMW und Mercedes fast komplett aus dem Markt fliegen könnten.„Game over in China?“Die WirtschaftsWoche hielt damit nicht hinterm Berg, auch wenn sie dafür aus der Branche mitunter hart angegangen wurde. „Schon bald könnte es für VW heißen: Game over auf dem größten und wichtigsten Fahrzeugmarkt der Welt“, hieß es in einem WirtschaftsWoche-Kommentar im September 2024. Und drei Monate später: „Ist das noch eine Delle, ein Zwischentief? Oder schon: Game over in China?“Auch die Dimensionen des Problems waren bekannt. Schon vor viereinhalb Jahren war in der WirtschaftsWoche zu lesen: „Volkswagen setzt mehr als jedes dritte Auto in China ab; allein die drei Joint Ventures zwischen VW und chinesischen Autobauern erwirtschaften mehr als ein Drittel des Konzerngewinns. Anders gesagt: Bricht die Säule des Chinageschäfts weg, ist VW einsturzgefährdet.“ Nicht weniger groß war und ist die Abhängigkeit von China bei BMW und Mercedes.BMW kämpft in China „Am Ende stellt sich die Frage: Was ist in China überhaupt Premium?“ Zu spät und zu langsam: Der deutsche Autobauer BMW kann beim China-Speed nicht mithalten. Warum der chinesische Markt immer mehr zur Sackgasse wird. Und schon 2015 listete die WirtschaftsWoche auf, was der damalige VW-Chef dringend ändern müsste. Ein Punkt, natürlich, China: „Es rächen sich strategische Fehlentscheidungen. Die Abhängigkeit von China ist zu groß, Südostasien wurde vernachlässigt.“Was die Mitarbeiter bei den Autokonzernen und den Zulieferern heute ausbaden müssen, sind nicht etwa schicksalhafte Turbulenzen im chinesischen Markt. Es ist das Versagen einer ganzen Manager-Generation, die kurzfristige, einfache Gewinnmitnahmen den eigentlich nötigen, harten Strategieänderungen vorzog. Und die Gewerkschafter machten mit, weil man nur mit den China-Gewinnen die hohen Gehälter in Deutschland finanzieren konnte.Alle hofften, es werde einfach alles irgendwie gut gehen. Ging es nicht.China ist keine wirklich tragende Säule mehr für die deutschen Hersteller und das wird wohl so bleiben. Deshalb muss aber nicht alles verloren sein. Die neue Haltung bei Porsche scheint angemessen: In Zuffenhausen gehen sie nicht mehr davon aus, dass China noch mal eine große Sache für Porsche wird. Man hat sich mit der Rolle als Nischenanbieter abgefunden, ist aber bereit für mehr – falls sich das Blatt wider Erwarten doch noch mal wenden sollte.
BMW, VW, Mercedes: Das Versagen einer ganzen Manager-Generation
VW, BMW und Mercedes verlieren dramatisch in China. Ein Kommentar über strategische Fehlentscheidungen, die seit Jahren vorhersehbar waren – und wie Manager-Versagen Tausende Jobs kostet.











