Soll auch in China die Nachfrageflaute dämpfen: Der elektrische 3er-BMW der „Neuen Klasse“ Foto: IMAGO/AFLOVielleicht wollte BMW einfach kein Partycrasher sein.Auf der jährlichen Aktionärsversammlung, zum letzten Arbeitstag des langjährigen CEOs Oliver Zipse, sollte es schließlich nett zugehen. BMW stellte unter Beweis, wie anders es mit den aktuellen Krisen im Geschäft umgeht. Die Lage in China? Sei im ersten Quartal „stabilisiert“ worden, sagte Zipse. Die Folgen des Nahostkrieges? Nicht der Rede wert. Die Prognose: „Moderat“. Die Auslieferungen der Neuen Klasse sollten Investorenfantasien wecken. Von einer langjährigen Gewinnmarge von 8 bis 10 Prozent war die Rede.Gerade einmal vier Wochen ist das her.BMW und die GewinnwarnungAm Dienstagabend folgte der Realitätscheck, da verschickten die Bayern nun die Gewinnwarnung. Absatz und Gewinn würden doch niedriger ausfallen als geplant, teilte BMW mit. Und spricht jetzt von einem „deutlichen Rückgang“ beim Ergebnis, von einer minimalen Marge von 1 bis 3 Prozent. Plötzlich klingt es ganz und gar nicht mehr nach dem bayerischen Überflieger.Autobauer BMW-Chef Nedeljković schlägt vor Topmanagern Alarm von Artur Lebedew und Martin SeiwertÜberraschen dürfte die neue Selbsterkenntnis trotzdem kaum einen. Der schwache Absatz im schrumpfenden Automarkt China und die steigenden Produktionskosten in Europa und den USA sind größere Probleme, als sie manch einer im Konzern lange gesehen hat.In der Mitteilung vom Dienstag kündigt BMW nun diese Veränderungen an, die Botschaft dürfte nun auch beim letzten Aktionär angekommen sein. Es gehe um „weitere Struktur- und Effizienzmaßnahmen“, die die laufenden Einsparungen „intensivieren und beschleunigen“ sollen, zitiert der Autobauer seinen neuen Chef. Damit verbunden seien auch Belastungen, die „einmalig im zweiten Halbjahr 2026“ das Ergebnis mindern würden.Gewöhnlich planen die Autobauer solche „einmaligen Belastungen“, um Rückstellungen für Abfindungen und Stellenstreichungen vorzubereiten. Bei BMW dürften sie zustande kommen, weil das Unternehmen einen wesentlichen Teil seiner in China produzierten Verbrenner zum Schleuderpreis auf den Markt wirft.Einen Stellenabbau aber plant BMW derzeit nicht. Zumindest beim Umgang mit dem Stammpersonal unterscheiden sich die Bayern damit von ihren europäischen Wettbewerbern. Bei ziemlich allem anderen aber ist BMW wieder der normale Konzern, mit den sehr irdischen Problemen, die auch Volkswagen und Mercedes plagen.
Kommentar: BMW wird vom bayerischen Überflieger zum normalen Autokonzern
BMW wird deutlich weniger Autos verkaufen als prognostiziert. Die Absatzkrise in China und die steigenden Kosten in Europa und den USA fordern ihren Tribut. Das dürfte jetzt auch beim letzten Gläubiger angekommen sein.











