KommentarWenn es Fed-Chef Kevin Warsh ernst meint mit der Nulltoleranz gegenüber der Inflation, kann er jetzt ein starkes Zeichen setzenIn den USA liegt die Inflationsrate seit mehr als fünf Jahren deutlich über dem Ziel des Federal Reserve Board von 2 Prozent. Jetzt kann der neue Notenbankchef im Kampf gegen die Teuerung ein Zeichen setzen.29.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenDer neue Fed-Chef Kevin Warsh: Fokus auf die Preisstabilität.Eric Lee / ReutersBei der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) hat aller Voraussicht nach mit dem Amtsantritt von Kevin Warsh eine neue Ära begonnen. Bereits bei seinem ersten Auftritt als neuer Fed-Chef im Juni machte der 56-Jährige klar, dass sich einiges ändern wird. Die «Weiterentwicklung der Geldpolitik» soll Kommunikation, Bilanz, Daten, Produktivität und Arbeitsplätze sowie den Inflationsrahmen betreffen. Für diese Themen hat er jeweils eine Arbeitsgruppe zur Analyse eingesetzt. Zudem machte Warsh glasklar, dass er den Kampf gegen die hohe Inflation in den USA als seine Hauptaufgabe sieht.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Schaden für geldpolitische GlaubwürdigkeitDas ist sehr verständlich, denn die Teuerung liegt seit mehr als fünf Jahren deutlich über dem 2-Prozent-Ziel des Fed. In der Spitze war die Inflationsrate nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs und des folgenden Anstiegs der Energiepreise auf 9,1 Prozent gestiegen. Das lag auch daran, dass das Fed die Gefahr zu spät erkannte und zu spät reagierte. Doch auch nach dem Abklingen dieses Schocks notierte die Teuerung in den letzten drei Jahren zwischen rund 2,5 und 4 Prozent. Das hat viele Bürger ärmer gemacht – und der Glaubwürdigkeit der Behörde geschadet.Dass das Fed künftig wirklich «keine Toleranz» gegenüber der Inflation hat, kann Warsh diese Woche Mittwoch auf der zweiten Sitzung des Offenmarktausschusses unter seiner Führung beweisen. Zwar ist die Inflationsrate im Juni überraschend stark von 4,2 auf 3,5 Prozent zurückgegangen. Der Haupttreiber dafür waren die sinkenden Erdölpreise aufgrund der zeitweisen Entspannung des Konflikts am Persischen Golf. Doch inzwischen ist der Krieg wieder eskaliert und hat die Ölpreise erneut um in der Spitze 35 Prozent nach oben getrieben.Derzeit gibt es vier Faktoren, die gegen eine baldige Rückkehr der Teuerung auf 2 Prozent sprechen. Erstens scheint sich der Golf-Krieg weiter zu verschärfen. Die für den Transport von Erdöl und Erdgas wichtige Strasse von Hormuz ist weiterhin geschlossen, eine Öffnung nicht absehbar. Zudem ist nun auch die freie Passage der Strasse von Bab al-Mandab gefährdet. Diese Meerenge zwischen Jemen und Djibouti verbindet den Golf von Aden mit dem Roten Meer, das wiederum in den Suezkanal mündet. Die in Jemen aktiven Huthi-Rebellen, Handlanger des iranischen Regimes, bedrohen saudiarabische Tanker. Im schlimmsten Fall könnte auch diese Meerenge unpassierbar werden.Zweitens sorgt der Boom der künstlichen Intelligenz (KI) weiterhin für eine hohe Nachfrage in Teilbereichen der amerikanischen Wirtschaft. Der Preisschub betrifft vor allem den Bereich elektronische Komponenten und Zubehör, wie sich in den vergangenen Monaten gezeigt hat. Dazu gehören Halbleiter ebenso wie Handys, Tablets, PC und andere elektronische Produkte. Drittens gibt es an der Zollfront keine Entspannung, sondern sogar Zeichen einer neuerlichen Eskalation. US-Präsident Donald Trump drohte Kanada mit einem neuen Zollsatz von 50 Prozent und warnte die EU, dass sie für die gegen Google verhängte Strafe von 890 Millionen Euro einen «sehr hohen Preis zahlen werde».Viertens erweisen sich Konjunktur und Arbeitsmarkt in den USA als sehr robust. Die Wirtschaft könnte dieses Jahr – getragen von stabilen Konsumausgaben und weiterhin hohen Investitionen in die KI – real um knapp zweieinhalb Prozent wachsen, und die Arbeitslosenanträge sind jüngst auf ein sehr tiefes Niveau gefallen. Eine sinkende Inflation aufgrund einer stotternden Konjunktur zeichnet sich nicht ab.Marktteilnehmer tappen im DunkelnDiese Rahmenbedingungen sind auch den Marktteilnehmern bekannt. Doch weil es zur neuen Strategie von Warsh gehört, die geldpolitischen Absichten nicht mehr zu kommunizieren, sich also von der sogenannten Forward Guidance zu verabschieden, tappen die Marktteilnehmer derzeit im Hinblick auf den Zinsentscheid am Mittwoch im Dunkeln. Sie rechnen mit einer Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent mit einer Zinserhöhung, wie sich aus Finanzderivaten ablesen lässt.Zwar erwartet eine Mehrheit erst einen Zinsschritt auf der übernächsten Sitzung Mitte September, weil dann mehr Konjunkturdaten sowie neue hauseigene Prognosen des Fed vorliegen. Doch wenn Kevin Warsh seinen Worten Taten folgen lassen will, hat er jetzt die Chance, mit einem Zinsschritt um 0,25 Prozentpunkte ein Zeichen zu setzen.Sie können Michael Rasch auf den Plattformen X, Linkedin und Xing folgen.Passend zum Artikel
Nulltoleranz gegenüber Inflation,: Jetzt kann der neue Fed-Chef Warsh ein Zeichen setzen
In den USA liegt die Inflationsrate seit mehr als fünf Jahren deutlich über dem Ziel des Federal Reserve Board von 2 Prozent. Jetzt kann der neue Notenbankchef im Kampf gegen die Teuerung ein Zeichen setzen.















