Eine Frau ist tot, 29 weitere Menschen wurden teil lebensgefährlich verletzt. Am Samstagabend, dem 25. Juli, gegen 22 Uhr raste am Rand des Berliner CSD ein Fahrzeug in eine Menschenmenge im Tiergarten.

Der mutmaßliche Täter, Abdul Ballout, war den Sicherheitsbehörden als islamistischer Gefährder bekannt; nach Angaben des Bundesinnenministers soll er anschließend weitere Menschen mit einer Machete verletzt haben.

Es ist ein Affront

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland mit Sitz in Köln veröffentlichte seine Erklärung nach eigener Datierung am Sonntag. Darin heißt es: „Wo Menschen aufgrund ihrer Identität oder ihrer Lebensweise zur Zielscheibe von Gewalt werden, werden die Grundwerte unseres Zusammenlebens angegriffen.“

Das ist richtig. Nur bemisst sich eine Distanzierung nicht allein am Wortlaut. Sie misst sich vor allen Dingen auch an dem Moment, in dem sie erfolgt. Und dieser Moment kam hier eindeutig zu spät. Natürlich kann man einwenden, ein Tag sei kein langer Zeitraum. Gefühl stimmt das sicherlich, aber in einer solchen Lage stimmt es nicht. Es ist ein Affront. Wenn ein mutmaßlich islamistischer Anschlag den CSD trifft, wenn eine Frau stirbt und viele Menschen verletzt werden, dann zählt die erste hörbare Reaktion und nciht wohlwollende Floskeln. Denn die prompte Reaktion zeigt, was als moralischer Notfall begriffen wird – und was offenbar erst noch über Nacht in die Form einer schnöden Pressemitteilung gebracht werden muss. Nicht, dass andere ohen Floskelna usgekommen wären, vom Bundeskanzler bis zu den Verbänden. Aber sie haben so schnell reagiert, dass man ihnen die Bestürzung abnimmt.