Beim Berliner Christopher Street Day wurde am Samstag eine Frau getötet, 29 Menschen wurden verletzt. Der mutmaßliche Täter war Islamist. Schaut unsere Gesellschaft weg vor einem riesigen Problem? Aus Angst, als rassistisch zu gelten? Wir haben mit Tugay Sarac gesprochen. Er kennt zwei Perspektiven sehr gut: die als in Berlin geborener Muslim und die als queerer Mensch, der attackiert wird.Herr Sarac, waren Sie denn selbst am Freitag oder am Samstag auf dem Berliner Christopher Street Day?Ja, am Freitag war ich nach dem Pride-Gottesdienst in der Marienkirche beim CSD und habe auf der Bühne gesprochen, unter anderem auch über Islamismus. Am Samstag war ich privat unterwegs, bin aber Vereinsmitglied des CSD. Als es passiert ist, waren wir im Mitgliederbereich und haben zunächst nichts mitbekommen. Ich war mit meiner Schwester und mit meinem Mann dort.

Sophia Emmerich für die Berliner Zeitung

Zur Person

Tugay Sarac wurde am 14. Oktober 1997 in Berlin geboren. Er studierte Islamwissenschaften und Geschichts- und Kulturwissenschaften des vorderen Orients (Turkologie). Er ist Leiter der von ihm 2017 gegründeten Queer-Gruppe an der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin-Moabit. Seyran Ates, Anwältin und Gründerin dieser progressiven Moschee, ist Tugay Saracs Tante.