Trauer, Bestürzung, Wut. Der Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin hat weit über die queere Gemeinschaft hinaus Entsetzen hervorgerufen. In Frankfurt, Darmstadt und Gießen kamen Menschen zusammen, um zusammenzustehen, um zu trauern, um an die getötete Frau und die Verletzten vom Berliner Tiergarten zu erinnern. Weitere Mahnwachen sind geplant.Die Tat, verübt von einem in Deutschland geborenen Islamisten mit libanesischen Wurzeln, zeigt die Verletzlichkeit einer Gemeinschaft, die lange dafür kämpfen musste, rechtlich nicht diskriminiert zu werden. Und sie stellt der Mehrheitsgesellschaft schmerzende Fragen: Vergessen wir zu oft, wie bedroht Minderheiten in unserem Land sind? Zeigen wir zu wenig Solidarität mit ihnen? Haben wir die Gefahr des Islamismus ignoriert?Es gab zahlreiche Angriffe auf CSD-Paraden in der jüngeren Vergangenheit. Die Amadeu-Antonio-Stiftung dokumentierte 112 Übergriffe für das Jahr 2025, bei beinahe jedem zweiten CSD kam es zu einem Zwischenfall. Die Angreifer waren in der Regel Rechtsextremisten. In Hessen etwa hat die Kleinpartei „Die Heimat“, die Nachfolgerin der NPD, regelmäßig zu Demonstrationen gegen die Paraden mobilisiert. In Wetzlar, Fulda, Friedberg und Bensheim stellten sie sich den queeren Umzügen entgegen. Den tödlichen Berliner Anschlag aber verübte nun ein Kleinkrimineller, der sich in islamistischen Kreisen radikalisierte und wohl mit dem IS sympathisierte.Der Gazakrieg hat die Islamisten gestärktDen Islamismus und den Rechtsextremismus verbindet einiges: die Faszination für das Autoritäre, die Ablehnung einer liberalen Gesellschaft, die Angst vor dem Anderen. Sexuelle Freiheit und der Ausbruch aus den Geschlechterklischees sind ihnen ein Dorn im Auge. Und beide Ideologien sind auf dem Vormarsch, werden salonfähiger.Die „neuen Rechten“ bestimmen längst maßgeblich die Politik der AfD, die Islamisten haben während der Proteste gegen den israelischen Gazakrieg Boden gutgemacht. Nicht wenige Linksradikale sehen sie mittlerweile als Verbündete. Dass das ein fataler Fehler ist, hat der Berliner Anschlag nun noch einmal eindringlich verdeutlicht.Es ist falsch, die Gefahren durch den Islamismus aus der Angst heraus, man könnte dafür von der „falschen Seite“ Applaus erhalten, kleinzureden. Das ist eine der bitteren Lehren des Berliner Attentats. Genauso falsch ist es aber auch, Muslime und Migranten nach dem Anschlag nun unter Generalverdacht zu stellen. Feinde der Freiheit gibt es in allen Lagern.
CSD-Anschlag: Islamisten und Rechtsextreme verbindet die Furcht vor der Freiheit
Die CSD-Paraden wurden zuletzt massiv von Rechtsextremen angegriffen, nun hat ein Islamist einen tödlichen Anschlag auf die Kundgebung in Berlin verübt. Die Ideologien verbindet die Furcht vor der Freiheit.











