Christian Matzdorf, Professor für Kriminalistik, analysiert die Hintergründe des islamistischen Anschlags auf den Berliner CSD und kritisiert Defizite bei Prävention, Informationsaustausch und Deradikalisierung: „Da besteht noch erheblicher Nachholbedarf.“Eine Recherche deckt neue Details auf, wie Behörden Abdul Ballout vor der Bluttat beim CSD überwachten. Die Berliner Justiz äußert sich zur Aufhebung des Haftbefehls. Polen ist entsetzt über den Tod einer Staatsbürgerin. Mehr im Liveticker.Der Tatverdächtige des Anschlags auf den Berliner Christopher Street Day, Abdul Ballout, ist tot. Bei dem Angriff am Samstag war eine Frau getötet worden. 29 Menschen wurden teils schwer verletzt. Nach Angaben von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) gehen die Ermittler von einem „islamistischen Terroranschlag“ aus. Lesen Sie auch18:01 Uhr – Montag, 27. JuliBericht: Sicherheitsbehörden filmten Abdul Ballout eine Stunde vor dem AnschlagEine Stunde vor dem Anschlag wurde der mutmaßliche Attentäter Abdul Ballout von einer Kamera des LKA Berlin gefilmt. Darüber berichten die „Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR in einer gemeinsamen Recherche. Sicherheitsbehörden hatten die Kamera demnach heimlich vor seinem Hauseingang installiert. Diese filmte, als der 21-Jährige um 20:58 Uhr das Haus verließ.Den Recherchen zufolge wurde Ballout wenige Wochen vor dem Attentat auf den Berliner CSD von einem BKA-Analysetool als „Hochrisikoperson“ eingestuft. Mehrfach sei im Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ), wo Behörden aus Bund und Ländern zusammenkommen, über seinen Fall gesprochen worden. Noch in der ersten Maihälfte habe es dem Bericht zufolge eine kurzfristig einberufene GTAZ-Sitzung gegeben.Dort sollen die Fachleute der Sicherheitsbehörden zu dem Schluss gekommen sein, dass ein erhebliches Risiko bestehe, dass Abdul Ballout erneut ausreisen oder einen Anschlag begehen könnte. Trotzdem kam er auf freien Fuß. Das LKA begann danach, den mutmaßlichen Islamisten engmaschig zu überwachen. So seien sein Handy und seine Social-Media-Aktivitäten überwacht worden und Observationsteams folgten dem Extremisten regelmäßig, schildert es der Bericht. Die Aufnahmen der Kamera vor seinem Haus wurden demnach jeweils nach 24 Stunden ausgewertet.12:46 Uhr – Montag, 27. JuliWegner: Todesopfer stammt aus PolenDie beim Anschlag getötete Frau stammt aus Polen. Das sagte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner am Vormittag bei der Eröffnung einer Ausstellung zum Warschauer Aufstand 1944 im Roten Rathaus. Bei dem Todesopfer handele es sich um eine polnische Staatsangehörige, die mit ihrer Tochter in Berlin gewesen und Opfer des Terroranschlags geworden sei. Wegner sprach dem Geschäftsträger der Republik Polen, Jan Tombinski, seine Anteilnahme aus. „Es bewegt mich sehr, was am Samstag passiert ist, und meine Gedanken sind bei Ihnen und vor allen Dingen bei der Tochter, der Familie der Ermordeten“, sagte Wegner.12:11 Uhr – Montag, 27. JuliCSD-Anschlag: Berliner Justiz verteidigt Aufhebung von HaftbefehlDie Berliner Justiz verteidigt die Aufhebung des Haftbefehls gegen den mutmaßlichen CSD-Attentäter Abdul Ballout nach dessen Verurteilung im Mai. Da das Gericht eine Strafe von einem Jahr und zehn Monaten für tat- und schuldangemessen erachtet habe und die Untersuchungshaft anzurechnen sei, sei dies nicht ungewöhnlich, teilte eine Sprecherin des Berliner Strafgerichts mit.