Omer Messinger / GettyDer Anschlag am Christopher Street Day hat mutmasslich einen islamistischen Hintergrund. Damit wäre er einer von vielen Attacken, die sich in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren ereignet haben.27.07.2026, 14.04 Uhr5 LeseminutenJedes Jahr findet in Berlin der Christopher Street Day (CSD) statt. Ein Tag, an dem die queere Community Forderungen an Politik und Gesellschaft stellt und Vielfalt, Toleranz und Offenheit feiert. In diesem Jahr nimmt der Anlass ein gewaltsames Ende. Ein Minivan rast am Samstagabend gegen 22 Uhr in eine Menschenmasse im Tiergarten. Eine Frau stirbt, 16 Personen werden verletzt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Tat entsetzt Berlin und Deutschland. «Der Regenbogen hat heute einen Riss bekommen», schreibt der Verband Queere Vielfalt am Sonntag auf Instagram. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz nannte den Anschlag einen «Angriff auf unsere freiheitliche Gesellschaft».Nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day stehen die Anwesenden unter Schock.Noch ist vieles rund um den Anschlag am CSD unklar. Der mutmassliche Täter soll den Behörden jedoch bekannt gewesen und auch bereits verurteilt worden sein. Bei einem Polizeieinsatz am Sonntag wurde er getötet. Die Polizei rechnet den mutmasslichen Täter der islamistischen Szene zu.Passend zum ArtikelDer Anschlag am diesjährigen CSD ist nicht der einzige mit einem mutmasslich islamistischen Hintergrund. Seit Februar 2016 hat es laut dem deutschen Bundesamt für Verfassungsschutz 16 Anschläge mit islamistischem Bezug gegeben. Auf seiner Website führt das Amt die Messerattacken, Bomben und Anschläge mit Fahrzeugen als traurige Chronik auf:Februar 2016: In Hannover greift eine Frau einen Bundespolizisten an und verletzt ihn schwer. Der Mann überlebt. Die Täterin wird zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt und muss als erste Sympathisantin der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in Deutschland wegen eines Terroranschlags ins Gefängnis.April 2016: Bei einem Sprengstoffanschlag auf ein Sikh-Gebetshaus in Essen werden drei Personen verletzt. Die Täter werden zu mehrjährigen Jugendstrafen verurteilt.Der Nanaksar-Tempel in Essen nach dem Anschlag auf das Sikh-Gebetshaus in Essen im April 2016.Markus Matzel / Ullstein / GettyJuli 2016: In einem Zug in der Region Würzburg greift ein Mann mit einer Axt und einem Messer Passagiere an und verletzt fünf Personen. Als der Täter auf der Flucht die Polizei attackieren will, wird er erschossen. Der Islamische Staat beansprucht den Anschlag für sich.Juli 2016: Bei einem weiteren Anschlag in Ansbach bei Nürnberg wenige Tage später werden 16 Personen verletzt. In der Nähe eines Open-Air-Konzerts zündet der Täter eine Bombe. Der Syrer hat in Deutschland Asyl beantragt, wurde jedoch abgelehnt. Laut Ermittlern hat der 27-jährige Mann mit Rache an den Deutschen gedroht. Grund für diese Rache seien getötete Muslime. Zudem stellten sich die Deutschen gegen den Islam, behauptet er zuvor. Der Täter gilt als IS-Sympathisant. Er kommt beim Anschlag ums Leben.Die Polizei sichert in Ansbach die Strassen nach dem Bombenanschlag auf das Musikfestival 2016.Lennart Preiss / GettyDezember 2016: Ein Mann tötet bei einer Terrorattacke auf einem Weihnachtsmarkt in Berlin 12 Personen. 60 Menschen werden verletzt. Eine weitere Person stirbt an den Spätfolgen des Anschlags. Ein Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses kommt später zu dem Schluss: Verfassungsschutz und Polizei hätten zahlreiche Fehler gemacht. Der Täter sei ein abgelehnter Asylbewerber, der als gewaltbereit und möglicherweise hochgefährlicher Islamist bekannt gewesen sei. Nach der Terrorattacke wird er von der Polizei in Mailand erschossen. Der Islamische Staat bekennt sich zur Tat.Juli 2017: In einem Supermarkt in Hamburg sticht ein Mann auf Kunden ein, tötet eine Person und verletzt fünf weitere. Er soll «Allahu akbar – Gott ist gross» gerufen haben. Der Täter wird zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.In Hamburg liegen Blumen als Gedenken an die Opfer des Messerangriffs 2017.TheAmerikaner / Wikimedia; CC BY-SA 4.0April 2020: Bei einer Serie von Anschlägen auf türkische Läden in Bayern wird eine Person getötet, fünf weitere Personen werden verletzt. Der Täter wird später zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Laut der Anklage soll er ein Anhänger der Terrororganisation IS gewesen sein und Hass gegen Türken entwickelt haben.Oktober 2020: Ein schwules Paar wird in Dresden von einem 20-jährigen Mann attackiert. Ein Mann stirbt, der andere überlebt schwer verletzt. Gegenüber einem Gutachter legt der Täter später dar: Homosexualität sehe er als eine Sünde, die mit dem Tod bestraft werden müsse. Er wird zu lebenslanger Haft verurteilt.Der Täter, der ein homosexuelles Paar in Dresden attackierte, steht im Mai 2021 vor Gericht. Er erhält eine lebenslange Freiheitsstrafe.Filip Singer / EPANovember 2021: Bei einer Messerattacke in einem ICE in Bayern werden drei Personen schwer verletzt. Der Täter wird zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt.April 2023: Ein Mann tötet in Duisburg eine Person und verletzt einige Tage später mit einem Messer vier Menschen in einem Fitnessstudio. Der Täter wird zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und einer anschliessenden Verwahrung verurteilt.Ein Polizist steht im Fitnessstudio in der Duisburger Innenstadt, wo ein Mann 2023 mit einem Messer mehrere Personen schwer verletzt hat.Oliver Berg / DPAMai 2024: Bei einem Messerangriff in Mannheim wird ein Polizist getötet, und sechs Personen werden verletzt. Ziel des Angriffs waren Teilnehmer einer Kundgebung rund um den Islamkritiker Michael Stürzenberger. Der Täter wird zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.August 2024: Am «Fest der Vielfalt» werden in Solingen drei Menschen durch einen Messerangriff getötet und acht weitere teilweise lebensgefährlich verletzt. Der 27-jährige Täter ist zuvor nicht straffällig geworden. Nach dem Terrorangriff wird er zu lebenslanger Haft mit anschliessender Sicherheitsverwahrung verurteilt. Der Islamische Staat beansprucht die Tat für sich.Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Ehefrau gedenken 2024 der Opfer des Attentats in Solingen.Guido Schiefer / ImagoFebruar 2025: In der Münchner Innenstadt rast ein Mann mit dem Auto in eine Demonstration der Gewerkschaft Verdi. Zwei Personen werden getötet, 57 verletzt. Laut Bundesanwaltschaft hat der 25-Jährige aus einer «übersteigerten religiösen Motivation heraus» gehandelt.Februar 2025: Bei einem weiteren Angriff im selben Monat wird ein Tourist am Holocaust-Mahnmal in Berlin mit einem Messer verletzt. Der Täter erhält eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren.Polizisten stehen nach der Messerattacke auf einen Touristen am Holocaust-Mahnmal im Einsatz.Fabrizio Bensch / ReutersMai 2025: In einer Bar in Bielefeld sticht ein Mann auf mehrere Gäste ein. Fünf Personen werden verletzt, vier von ihnen schwer. Der Täter gilt als mutmasslicher IS-Sympathisant.September 2025: Ein Jugendlicher sticht auf eine Lehrerin in Essen ein und verletzt sie. Anschliessend attackiert er einen Mann auf offener Strasse und wird auf der Flucht von der Polizei lebensgefährlich verletzt. Das Motiv der Tat ist mutmasslich islamistisch.Bei einem Messerangriff an einem Berufskolleg in Essen wird eine Lehrerin verletzt. Nach der Tat kommt es zu einem Grosseinsatz der Polizei.Kerstin Kokoska / Funke / ImagoMitarbeit: Dario VerébPassend zum Artikel