PfadnavigationHomeRegionalesThüringenVerfassungsschützer: Herkunft kein Terror-GefahrenindikatorStand: 13:31 UhrLesedauer: 3 MinutenThüringens Verfassungschutzpräsident Stephan Kramer sieht mit Blick auf Terrorismus in der Herkunft eines Menschen keinen brauchbaren Gefahrenindikator. (Archivbild)Quelle: Martin Schutt/dpaDer Anschlag am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin hat eine Debatte über den Umgang mit Gefährdern entfacht. Thüringens Verfassungsschutzchef warnt vor einer einseitigen Diskussion.Nach dem Anschlag am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin warnt Thüringens Verfassungsschutzpräsident Stephan Kramer vor einer einseitigen Diskussion. «Die deutsche Staatsangehörigkeit relativiert die islamistische Gefahr nicht - der libanesische Hintergrund erklärt sie aber auch nicht. Unbeteiligte Muslime sind kein kollektives Sicherheitsrisiko», sagte Kramer der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt.Radikalisierung komplett in Deutschland möglichAm späten Samstagabend war ein Auto am Rande des Berliner CSD in eine Menschenmenge gefahren. Die Behörden hatten nach dem Angriff nach dem 21-jährigen Abdul B. gefahndet, der mehr als ein Dutzend Menschen mit dem Van angefahren haben soll. Eine Frau wurde so schwer verletzt, dass sie starb. Der Tatverdächtige, der den Angaben der Polizei zufolge polizeibekannt war und der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet wurde, wurde am Sonntag bei einem Polizeieinsatz in Berlin getötet.Verfassungsschützer Kramer gab zu bedenken, dass islamistische Radikalisierung längst ein innerdeutsches Phänomen sei. «Die Ideologie ist transnational, der Radikalisierungsprozess kann aber vollständig oder überwiegend in Deutschland stattfinden - Freundeskreise, soziale Medien, lokale Szenen, Gefängnisse oder Auslandsreisen.» Es handele sich um «homegrown terrorism». «Wir reden teilweise von Kindern ohne zunächst jeglichen Bezug zum Islam», sagte Kramer.Freiheitliche Gesellschaft als ZielDie Herkunft eines Menschen sei kein brauchbarer Gefahrenindikator. Vielmehr komme es auf Verhaltensindikatoren an. Kramer hält es für möglich, dass solche Anschläge von Dritten eingesetzt oder instrumentalisiert werden. «Ziel des Terrors sind weiche und symbolische Ziele. Alles, was die freiheitliche Gesellschaft verkörpert», sagte er. Den Terroristen gehe es darum, die Handlungsfähigkeit des Staates und das Sicherheitsversprechen des Staates in Frage zu stellen und Zweifel der Bürger am Staat und am Gesellschaftsmodell zu vertiefen.«Der Berliner Fall wirft legitime Fragen zum Gefährdermanagement auf, die sorgfältig geprüft und beantwortet werden müssen», sagte Kramer. Eine vorschnelle Schlussfolgerung, die Tat hätte durch einzelne zusätzliche Maßnahmen sicher verhindert werden können, sei aber unseriös.Debatte über Umgang mit GefährdernNach der Tat war eine Debatte darüber entbrannt, warum der Tatverdächtige überhaupt auf freiem Fuß war. Laut Generalstaatsanwaltschaft war der Deutsche mit libanesischen Wurzeln nach vergeblichen Versuchen, sich der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in Syrien anzuschließen, im November 2025 nach Verbüßen einer dreimonatigen Haftstrafe im Libanon bei seiner Rückkehr am Hauptstadtflughafen BER festgenommen worden.Nach längerer Untersuchungshaft wurde er am 12. Mai von einem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Tiergarten zu 22 Monaten Jugendstrafe verurteilt - unter anderem wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Die Entscheidung über eine Aussetzung dieser Jugendstrafe zur Bewährung wurde demnach für die Dauer von sechs Monaten zurückgestellt.dpa-infocom GmbH
Verfassungsschützer: Herkunft kein Terror-Gefahrenindikator - WELT
Der Anschlag am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin hat eine Debatte über den Umgang mit Gefährdern entfacht. Thüringens Verfassungsschutzchef warnt vor einer einseitigen Diskussion.












