Ebnen die USA Saudiarabien den Weg zur Atombombe? Und zu welchem Preis?Saudiarabien will schon lange ein Atomprogramm betreiben. Donald Trump reicht nun dem Kronprinzen im Königreich die Hand. Die nächsten zwei Jahre werden entscheidend sein.Petra Ramsauer26.07.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenDer saudische Kronprinz Mohammed bin Salman bei einem Besuch im Weissen Haus bei US-Präsident Donald Trump.Daniel Torok / Avalon / ImagoDie offene Frage war am Ende nicht, ob Saudiarabien ein Atomprogramm betreiben wird – sondern wie beziehungsweise mit wem. Russland und China standen bereit, aber die USA kamen zum Zug. Am Mittwoch unterzeichneten die Energieminister beider Staaten einen für dreissig Jahre anberaumten Pakt mit dem Ziel, dass amerikanische Atomfachleute auf dem Territorium des saudischen Königreiches die Voraussetzungen für die zivile Nutzung von Nuklearenergie schaffen sollten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Monatelang wurde über die Details des Abkommens gefeilscht, das viele der Forderungen der saudischen Seite erfüllt. Aber auch der US-Präsident Donald Trump hat einen für ihn mutmasslich zentralen Punkt durchgesetzt. «Dieses Abkommen verpflichtet Saudiarabien dazu, die Technologie von keinem anderen Partner ausser amerikanischen Firmen zu beziehen», sagt Jennifer Gordon, Expertin für Nuklearenergie beim Think-Tank Atlantic Council. Mit der Aussicht auf Urananreicherung auf dem eigenen Boden dürfte Kronprinz Mohammed bin Salman seinem Ziel näherkommen, die Vorherrschaft in der Region zu sichern.Der Zeitpunkt ist heikel. Die USA und Israel haben Ende Februar ihren Krieg gegen die Islamische Republik Iran mit dem Argument begonnen, sie wollten verhindern, dass Iran eine Atombombe baue. Exakt diese Möglichkeit könnte nun aber Saudiarabiens unberechenbarem Königssohn offenstehen. Sämtliche Partnerabkommen, die die USA mit anderen Staaten im Atombereich abgeschlossen haben, etwa mit der Türkei oder den Vereinigten Arabischen Emiraten, sehen eine Einschränkung vor: Angereichertes Uran wird importiert, und die Internationale Atomenergieagentur (IAEA) überwacht die Programme.Diese Bedingungen sollen für die mächtige Golfmonarchie hingegen nicht gelten. Fachleute befürchten, dass der Deal, so wie er nun formuliert ist, den Saudi offenlässt, wie viel Uran sie in einigen Jahren anreichern. Im Extremfall ausreichend für den Bau einer Nuklearwaffe. Es handelt sich dabei um einen brisanten Präzedenzfall, befürchtet Olli Heinonen, der früher als stellvertretender Direktor und Leiter der Sicherheitsabteilung der IAEA tätig war. «Das Abkommen zur Nichtverbreitung von Atomwaffen ist damit vorerst ausgesetzt.»Vor allem Israels Regierung fürchtet ein Wettrüsten in der Region. Der US-Präsident Donald Trump schränkte nur 24 Stunden nach der Unterzeichnung des Deals ein: «Nichts wird passieren, solange Saudiarabien die Abraham-Abkommen nicht unterzeichnet.» Die Normalisierung der Beziehung zu Israel wurde von der saudischen Führung bisher aber kategorisch abgelehnt, solange es keine Zusage für einen Palästinenserstaat gibt.Nun muss der US-Kongress dem Abkommen zustimmen, und dazu ist in dem Deal ein zwei Jahre dauernder Probelauf vorgesehen. In diesem Zeitraum sollen saudische und amerikanische Fachleute eine Studie erstellen, mit der die Machbarkeit des Unterfangens analysiert wird. Damit hätte Trump nicht nur die Kontrolle über das Atomprogramm, sondern auch über den saudischen Kronprinzen: Denn in diesem Zeitraum kann er sich keine anderen Atomverbündeten suchen.Trump wiederum könnte just am Ende seiner regulären Amtszeit den grossen Deal verkünden: Frieden zwischen Saudiarabien und Israel.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel