Trump schliesst einen Atompakt mit Saudiarabien – ebnet er dem Königreich den Weg zur Nuklearmacht?Riad gibt vor, ein ziviles Atomprogramm aufbauen zu wollen. Doch Kronprinz Mohammed bin Salman dürfte letztlich auf die Atombombe abzielen. Der Mittlere Osten könnte vor einem nuklearen Wettrüsten stehen.23.07.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenDie Atombombe im Blick? Dem saudischen De-facto-Herrscher Mohammed bin Salman scheint mit dem Nuklearabkommen ein Coup gelungen zu sein.Win McNamee / GettyDonald Trump hat ein Nuklearabkommen mit Saudiarabien ausgehandelt. Dem Königreich soll der Aufbau eines rein zivilen Atomprogramms ermöglicht werden. Wie das «Wall Street Journal» berichtet, fehlen in der Vereinbarung allerdings Klauseln, die Riad die Entwicklung von Atomwaffen verunmöglichen würden.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Kronprinz Mohammed bin Salman verweigerte offenbar seine Zustimmung zum sogenannten «gold standard», der ihm die Urananreicherung auf eigenem Boden verboten hätte. Dem Land, so argumentiert das Königshaus seit längerem, müsse es möglich sein, unerschlossene Uranvorkommen in der saudischen Wüste für die Energiegewinnung zu nutzen. Die Trump-Regierung, die sich Milliardenaufträge für amerikanische Unternehmen erhofft, gab anscheinend nicht nur bei diesem Anliegen nach.Während es bereits unter Joe Biden Bestrebungen gegeben hatte, das Königreich beim Aufbau eines zivilen Atomprogramms zu unterstützen, waren diese an eine Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zu Israel geknüpft. Davon ist keine Rede mehr. Riad will sich nicht mit der Palästinafrage herumschlagen, sondern hat die eigenen Interessen im Blick – und Trump suchte wohl einen unkomplizierten, schnellen Abschluss.Auch werden der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) laut Medienberichten keine unangemeldeten Kontrollen erlaubt sein. Stattdessen soll die Überwachung bilateral zwischen den Vereinigten Staaten und Saudiarabien geregelt werden. Um sicherzugehen, dass kein Missbrauch betrieben wird, reicht es nach Auffassung von Trumps Regierung offenbar, amerikanischen Unternehmen die Schlüsselrolle beim Aufbau des Atomprogramms zu sichern.Aber der Mechanismus scheint lax. Das Abkommen, das für dreissig Jahre gilt und am Mittwoch von den jeweiligen Energieministern Chris Wright und Abdulaziz bin Salman Al Saud unterzeichnet wurde, könnte Saudiarabien in nicht allzu ferner Zukunft die Produktion von waffenfähigem Uran ermöglichen. In einem Interview mit CBS erklärte Mohammed bin Salman schon 2018, dass sein Land zwar nicht die Absicht hege, Atombomben herzustellen – «aber ohne Zweifel ziehen wir sofort nach, falls Iran eine Nuklearwaffe entwickelt.»Spannungen zwischen Trump und bin SalmanNun hat der amerikanisch-israelische Krieg gegen Iran eine neue Dynamik im Mittleren Osten entfacht. Während die amerikanische Regierung dafür sorgen will, dass dem islamistischen Regime Nuklearwaffen verwehrt bleiben, sieht sich Saudiarabien genötigt, in die Abschreckung zu investieren.Denn der Kronprinz versucht zwar, sich aus den direkten Kämpfen herauszuhalten. Doch Teheran flog auch Angriffe auf saudisches Territorium, wobei nicht zuletzt die von den USA genutzte Prince Sultan Air Base unter Beschuss geraten war. Wie die «New York Times» berichtet hat, kam es deshalb zu Spannungen zwischen bin Salman und Trump. Bis dahin waren sie sich stets äusserst wohlgesinnt gewesen. Im vergangenen November hatte der amerikanische Präsident dem saudischen De-facto-Herrscher einen opulenten Empfang im Weissen Haus bereitet.Doch inzwischen soll Saudiarabien sein Vertrauen in die amerikanische Schutzmacht ein Stück weit verloren haben. Bei dem amerikanischen Vorhaben, Schiffe durch die Strasse von Hormuz zu geleiten, untersagte der Kronprinz offenbar zeitweise die Nutzung des saudischen Luftraums. Er fürchtete eine Eskalation des Krieges. Dass sich Saudiarabien angesichts der Spannungen in der Region zunehmend verletzlich fühlt, war aber schon länger evident.Pakistan ist keine HilfeNach dem Zwölftagekrieg zwischen Israel und Iran im vergangenen Jahr hatte der Kronprinz die Nähe zu Pakistan gesucht, um weniger von den USA abhängig zu sein. Stattdessen wollte er vom Nuklearschirm der muslimischen Atommacht profitieren. Dann kam der Februar 2026. Im Bestreben, sich für die amerikanisch-israelischen Angriffe zu revanchieren, schoss Teheran um sich, Raketen und Drohnen landeten in weiten Teilen des Königreichs. Riad rief Islamabad zu Hilfe.Dort liess man ein Geschwader von Kampfflugzeugen zu einem saudischen Luftwaffenstützpunkt fliegen. Aber die Partnerschaft mit Pakistan, die eine griffige psychologische Abschreckung hätte bieten sollen, hatte sich gegenüber dem Iran als nicht allzu wirksam erwiesen. Für Mohammed bin Salman wird spätestens dann klar gewesen sein, dass er ein eigenes Nuklearprogramm vorantreiben muss, das sich im Bedarfsfall auch auf militärische Zwecke ausweiten liesse.Nun gelang es ihm offenbar, Trump zu überzeugen. Für den Vierzigjährigen ist das Abkommen ein Coup. Gleichzeitig kann der amerikanische Präsident für sich in Anspruch nehmen, nicht nur die belasteten Beziehungen zu Saudiarabien wieder eingerenkt zu haben, sondern auch Russland und China zuvorgekommen zu sein. Denn die rivalisierenden Grossmächte sollen sich Saudiarabien bereits angedient haben.Das Abkommen könne dazu beitragen, die Beziehungen zwischen den USA und Saudiarabien zu stärken und Russland und China «eine strategisch wichtige Rolle im saudischen Atomprogramm zu verweigern», sagte denn auch der Experte Robert Einhorn, der mehrere amerikanische Regierungen zur Nichtverbreitung von Kernwaffen beriet, gegenüber dem «Wall Street Journal».«Aber es könnte auch die Risiken der nuklearen Verbreitung im Nahen Osten und darüber hinaus erhöhen.» Nicht nur in Israel, wo man von der amerikanisch-saudischen Vereinbarung laut der «New York Times» überrascht wurde, werden die Befürchtungen eines atomaren Wettrüstens in der Region zunehmen.Passend zum Artikel
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Riad gibt vor, ein ziviles Atomprogramm aufbauen zu wollen. Doch Kronprinz Mohammed bin Salman dürfte letztlich auf die Atombombe abzielen. Der Mittlere Osten könnte vor einem nuklearen Wettrüsten stehen.










