Der amerikanische Präsident Donald Trump hat Medienberichten zufolge ein Nuklearabkommen mit Saudi-Arabien genehmigt. Die Vereinbarung werde dem Königreich beim Aufbau eines zivilen Atomprogramms helfen und möglicherweise den Weg für die Urananreicherung auf saudischem Gebiet ebnen, schrieb das „Wall Street Journal“. Laut den Berichten könnte die Vereinbarung noch am Mittwoch unterzeichnet werden.Die milliardenschwere Vereinbarung solle eine Laufzeit von 30 Jahren haben, amerikanischen Unternehmen eine Schlüsselrolle beim Aufbau der saudischen Atominfrastruktur sichern und andere ausländische Konkurrenten ausschließen, heißt es weiter. Eine zentrale Regelung sieht demnach vor, dass amerikanische Unternehmen eine Urananreicherungsanlage in Saudi-Arabien bauen, sofern eine gemeinsame amerikanisch-saudische Studie zu dem Schluss kommt, dass ein solcher Schritt gerechtfertigt ist.Nach Auffassung der Trump-Regierung würde diese Bestimmung den Vereinigten Staaten Einfluss auf das saudische Atomprogramm verschaffen und zugleich sicherstellen, dass es nicht für militärische Zwecke missbraucht werden kann. Dennoch könnte die Vereinbarung, die in den kommenden Tagen dem Kongress in Washington zur Prüfung vorgelegt werden solle, auf Widerstand stoßen. Viele Abgeordnete lehnten eine Ausweitung atomarer Technologie im politisch instabilen Nahen Osten ab. Allerdings hätten die Kritiker wohl kaum eine Chance, das Abkommen zu stoppen, denn sie verfügen wahrscheinlich nicht über eine ausreichend große Mehrheit, um ein Veto Trumps gegen ihr Vorhaben zu überstimmen.Saudis wollen Atomwaffen – wenn Iran welche hatDie „New York Times“ berichtete unter Berufung auf Regierungsbeamte, Trump habe Kompromisse machen müssen, um die Vereinbarung zu erreichen. Den Insidern zufolge fehlt in dem Abkommen der sogenannte „Goldstandard“. Dieser würde dem Königreich die Anreicherung von Uran und die Wiederaufbereitung von ⁠abgebrannten Brennelementen untersagen – beides sind mögliche Wege zur Entwicklung von Atomwaffen. Zudem sei das „Zusatzprotokoll“ nicht enthalten, das der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) weitreichende und unangemeldete Inspektionen ermöglicht.Die Vereinigten Arabischen ⁠Emirate hatten dem „Goldstandard“ ‌in einem ähnlichen Abkommen mit den Vereinigten Staaten im Jahr 2009 zugestimmt. Das war unter den Präsidenten George W. Bush und Barack Obama ausgehandelt worden.Schon in Trumps erster Amtszeit hatte es Gespräche über einen Atom-Deal mit Saudi-Arabien gegeben. Die führten allerdings zu nichts, da die Saudis amerikanische Bedingungen zur Nichtverbreitung nicht akzeptieren wollten. Unter Joe Biden wurden die Gespräche über ein ziviles Atomabkommen weitergeführt. Damals war als Gegenleistung eine Anerkennung Israels durch Riad angedacht. Die Verhandlungen wurden nach Beginn des Gazakriegs Ende 2023 ausgesetzt. Saudi-Arabiens Kronprinz und faktischer Herrscher, Muhammad Bin Salman, hat aber weiter ein „großes Interesse“ seines Landes daran geäußert.Nach Trumps zweitem Amtsantritt hatte Energieminister Chris Wright bei einer Reise in die Region im April 2025 über einen solchen Deal Gespräche geführt. Schon damals hieß es, denkbar sei ein neues Energieabkommen beider Länder, das den Weg für ein Atomprogramm in dem Wüstenstaat ebnen könnte.In einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender CBS hatte der Kronprinz 2018 gesagt, dass Riad „so schnell wie möglich“ Atomwaffen anstreben würde, wenn Iran dies tun sollte. Saudi-Arabien und Iran ringen seit langem um die Vorherrschaft in der Region. Beide Staaten näherten sich 2023 unter Vermittlung Chinas an. Das Misstrauen bleibt aber groß nach einer jahrelangen Rivalität, die auch vom konfessionellen Konflikt zwischen dem sunnitischen Islam in Saudi-Arabien und dem schiitischen Islam in Iran geprägt wird.