Vergewaltiger-Foren im Internet bekämpfen: Petitionäre fordern, dass sich die Schweiz am Projekt Medusa von Europol beteiligtDas Thema «chemische Unterwerfung» kommt erneut auf die politische Agenda. Auslöser ist der Fall des Aargauer Ex-Grossrats, der Frauen betäubt, sexuell missbraucht und gefilmt haben soll.23.07.2026, 16.53 Uhr3 LeseminutenIllustration Ida Götz / NZZDer Fall um den Ex-Grossrat aus dem Aargau, der Frauen betäubt, sexuell missbraucht und gefilmt haben soll, zieht erste politische Forderungen nach sich. Am Mittwoch hat Milena Keiser, Studentin und Mitglied des Projektteams Jugendsession, die Petition «Projekt Medusa Schweiz – Für eine nationale Taskforce gegen DFSA und Täternetzwerke gestartet» auf Campax gestartet. Innert Kürze kamen Hunderte von Unterschriften zusammen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Petition richtet sich an Bundesrat Beat Jans und das Justiz- und Polizeidepartement. Die Petitionärin verlangt, dass sich die Schweiz am Projekt Medusa von Europol beteiligt. Die Ermittler gehen dabei gegen Online-Foren und Messenger-Chats vor, auf denen sich Männer treffen, die Frauen betäuben, vergewaltigen, die Tat filmen und die Videos hochladen. Die Schweiz ist bisher nicht beteiligt.Telegram-Chatgruppen spielen eine grosse RolleDerzeit deutet nichts darauf hin, dass der Ex-Grossrat die Videos seiner Taten weiterverbreitet hat. Laut dem Kriminologen Dirk Baier spielt die Community von Gleichgesinnten auf Online-Netzwerken aber eine grosse Rolle. Das zeigte sich auch bei einer Investigativ-Recherche des deutschen Fernsehsenders NDR. Zwei Journalistinnen recherchierten über längere Zeit verdeckt in einem solchen Forum. In einer Telegram-Gruppe befanden sich 70 000 Mitglieder.Manche Mitglieder schauen sich auf diesen Plattformen die Videos oder Livestreams an, andere schreiten regelmässig selbst zur Tat. Auf den Foren tauschen sie sich auch über die Medikamente und Drogen aus, die sie für die Betäubung der Frauen benutzen und bestärken sich gegenseitig in ihren Handlungen.Die Petitionärin Milena Keiser sagt gegenüber der NZZ: «Die Behörden müssen untersuchen, ob auf solchen Netzwerken auch Männer aus der Schweiz aktiv sind.» Aufgrund der grossen Anzahl Mitglieder in solchen Foren sei es naheliegend, dass sich in solchen Gruppen auch Männer aus der Schweiz befänden.Mit dem Projekt Medusa zeigten andere Länder, dass entschlossenes Vorgehen möglich sei, steht im Petitionstext. Der Schweiz fehle weder die technische, finanzielle oder rechtliche Möglichkeit, sondern die Struktur und der politische Wille dazu. Das müsse sich ändern.Es gibt keine Statistik zu sexuellen Delikten unter BetäubungDie Projekt-Gruppe Medusa besteht seit dem 1. April 2026 und wird von der deutschen und der britischen Polizei geleitet. Weitere beteiligte Länder sind Brasilien, Kanada, Frankreich, Ungarn, die Niederlande, Spanien und die USA. Bereits Anfang Juli hat Europol erste Erfolge der Gruppe bekanntgegeben: Die Ermittler haben 57 Täter verhaftet und 274 neue Hinweise entdeckt.Die Verübung von sexuellen Delikten unter Betäubung ist in der Schweiz bereits vor zwei Jahren zum grossen politischen Thema geworden, als in Frankreich der Fall Pelicot bekannt wurde. Dominique Pelicot betäubte seine Frau über Jahre hinweg und bot sie anderen Männern auf einem Internetforum zur Vergewaltigung an. Er filmte die Taten und bewahrte die Videos auf.Die Waadtländer Nationalrätin Jessica Jaccoud (SP) wollte damals vom Bundesrat wissen, ob solche Fälle statistisch erfasst würden und was die Schweiz unternehme, um solche Verbrechen möglichst zu verhindern. Sie verlangte unter anderem, dass das Personal im Gesundheitswesen bei der Polizei und bei der Justiz in Bezug auf chemische Unterwerfung sensibilisiert und geschult werde.Tatsächlich ist nicht bekannt, wie viele solche Fälle in der Schweiz vorkommen. In der Polizeilichen Kriminalstatistik würden bei Straftaten im Bereich der sexuellen und sexualisierten Gewalt keine Tatmittel im Sinne der chemischen Unterwerfung erfasst, erklärte der Bundesrat damals. In Bezug auf Ausbildung und Sensibilisierung blieb er vage: Im Gesundheitsbereich fliesse dieses Thema bereits heute in die Schulung ein – für Polizei und Justiz seien die Kantone zuständig.Passend zum Artikel
Kampf gegen Vergewaltiger-Foren: Schweizer soll sich an Projekt Medusa bei Europol beteiligen
Das Thema «chemische Unterwerfung» kommt erneut auf die politische Agenda. Auslöser ist der Fall des Aargauer Ex-Grossrats, der Frauen betäubt, sexuell missbraucht und gefilmt haben soll.











