Set-Jetter, aufgepasst! Christopher Nolans gerade angelaufener Blockbuster «The Odyssey» spielt in einer Region, die mit Mythen, Burgen und Meer punktet. Es ist ein Griechenland, das noch nicht jeder kennt.Die Verbindung zwischen Homers märchenhaft-phantastischem Werk und der Region Messenien ist sowohl historisch als auch popkulturell eng. In dem wohl ältesten und wichtigsten Werk der europäischen Literaturgeschichte ist Messenien die Heimat von König Nestor, der sein Volk und seinen Waffenbruder Odysseus in den Trojanischen Krieg sandte.Auch heute prägt die Story die Wahrnehmung der Region: Der Starregisseur Christopher Nolan wählte sie als Kulisse für seinen gerade weltweit angelaufenen 250-Millionen-Dollar-Blockbuster «The Odyssey». Das vollständig mit analogen Imax-Filmkameras aufgenommene Spektakel zeigt die Geschichte des griechischen Helden Odysseus (gespielt von Matt Damon), der nach dem zehnjährigen Krieg gegen Troja weitere zehn Jahre umherirrt, bevor er den Weg in seine Heimat und zu seiner Frau Penelope (Anne Hathaway) wiederfindet. Matt Damon, Christopher Nolan, Emma Thomas und Anne Hathaway an der Weltpremiere des neuen Blockbusters «The Odyssey» am 14. Juli in New York. Imago Teile von «The Odyssey» wurden auch in Sizilien, Marokko und Schottland gedreht. Doch eine so zutiefst griechische Heldengeschichte kommt nicht ohne Griechenland aus. Die grandiosen Landschaften rund um Pylos und das alte Messene – eine der am besten erhaltenen und weitläufigsten Ausgrabungsstätten Griechenlands – dienten als Drehort für das antike Ithaka.Gefilmt wurde auch in der im frühen 13. Jahrhundert von den Venezianern errichteten Burg von Methoni, die malerisch auf einer schmalen Landzunge vor dem verschlafenen gleichnamigen Badeort steht und im Film als mit Kerzen beleuchteter Palast von Odysseus, Penelope und ihrem Sohn Telemachos dient. Die Akropolis der antiken Felsenfestung von Akrokorinth ist ebenso als Schauplatz im Einsatz wie Nestors Höhle über dem Voidokilia-Strand, in der Odysseus’ furchterregende Begegnung mit dem einäugigen Zyklopen nachgestellt wurde. Die Burg von Methoni steht vor dem gleichnamigen Badeort auf einer Landzunge. PD Dass man sich für Messenien entschied, ist ein Glück für den Film, denn spektakulärere Landschaften dürften anderswo kaum zu finden sein. Auch für die Destination selbst ist es ein Glück, denn dieser Teil Griechenlands erhielt bislang nicht die Aufmerksamkeit, die ihm gebührt. Er mag rauer, wilder und weniger malerisch sein als die vielen Inseln mit ihren blau-weissen Häuschen. Aber mit seinen befestigten Häfen, Gräbern aus der Bronzezeit und von Tamarisken beschatteten Kieselstränden fühlt er sich wahrhaft homerisch an. Wie ein Ort, der von der Zeit vergessen wurde. Der Voidokilia-Strand war ebenfalls Drehort von «The Odyssey». Von der Armenregion zur touristischen DestinationMit der Premiere des heiss ersehnten Kinofilms ist davon auszugehen, dass die Set-Jetter nicht lange auf sich warten lassen werden. «The Odyssey» lockt nicht nur Reisende, die gezielt Drehorte berühmter Filme besuchen, sondern bedient auch das wachsende Interesse an Destinationen mit historischem und mythologischem Hintergrund.«Inspiriert von Homers zeitlosem Epos, haben wir eine Reihe von Erlebnissen für unsere Gäste zusammengestellt», erzählt Jirayr Kececian, Area Director der luxuriösen Hotelanlage Costa Navarino, in der das Filmteam während der Dreharbeiten im Frühjahr letzten Jahres logierte. «Sie können einige der bekanntesten Orte Messeniens, die mit der Reise des Odysseus in Verbindung stehen, erkunden – darunter der Strand von Voidokilia und die Höhle des Nestor – und gleichzeitig die reiche Geschichte, die Kultur und die natürliche Schönheit der Region entdecken.» Im Hotel Costa Navarino logierte die Filmcrew während der Dreharbeiten von «The Odyssey». PD Es gibt einen interaktiven Parcours zu den wichtigsten historischen Sehenswürdigkeiten der Region sowie einen von einem Professor für altgriechische Literatur geleiteten Philosophie-Spaziergang, bei dem die Themen Krieg, Heldentum und das Konzept des «nostos» (Heimkehr) beleuchtet und mit dem modernen Leben in Verbindung gebracht werden. Das Anazoe Spa bietet zudem ein neues «Odysseus Oleotherapy Trilogy Treatment» an, das beruhigen und entspannen soll und das sicher auch Odysseus gutgetan hätte.Costa Navarino hat das Interesse am einst armen und rückständigen Messenien schon lange vor Christopher Nolans Film geweckt. Zu verdanken ist das dessen Gründer Vassilis Constantakopoulos, der als 13-Jähriger aus dem Bergkaff Diavolitsi nach Athen zog, um Arbeit zu finden. Es folgt eine grossartige griechische Erfolgsgeschichte: Vassilis Constantakopoulos geht zur See und arbeitet sich zum Kapitän hoch. 1974 kauft er sein erstes Schiff und gründet Costamare. Heute besitzt Costamare eine der weltweit grössten Containerschiffflotten, das Unternehmen ist an der New Yorker Börse gelistet. PD Das edle Hotel trug massgeblich zur Entwicklung Messeniens als immer beliebteres touristisches Reiseziel bei. Captain Vassilis wird reich. Und er hat einen Plan: Er will aus seiner Heimat eine hochwertige touristische Destination machen, von der Bewohner und Besucher profitieren. Mit Costa Navarino eröffnete im Jahr 2010 Griechenlands erste nachhaltig errichtete Hotelanlage dieser Grössenordnung. Mit einer Investition von über 500 Millionen Euro ist sie auch eine der teuersten. Doch die Rechnung scheint aufzugehen: Im Schlepptau von Costa Navarino entstanden in den winzigen Dörfern der Umgebung erste Boutiquehotels sowie nette Lokale und Läden.Die einst kaum bekannte Region wurde nach und nach zu einer Destination auf der touristischen Landkarte. Allein das Passagieraufkommen am internationalen Flughafen von Kalamata spricht Bände: Seit der Eröffnung von Costa Navarino ist es von etwa 60 000 Fluggästen auf über 360 000 gestiegen, die Pläne für eine Vergrösserung der Infrastruktur liegen parat.(Noch) kein MassentourismusNoch geht es in Messenien aber entspannt und beschaulich zu. Besucher dürfen sich auf Dörfer freuen, in denen erstklassiges Olivenöl gepresst wird, auf eine wilde, ursprüngliche Umgebung, auf geschichtsträchtige Ruinen und auf eine Küste, die keine Spur von Übertourismus zeigt. Die Regionshauptstadt Kalamata ist ein quirliges 60 000-Einwohner-Städtchen mit einem phantastischen Markt, hübschen Geschäften, vielen netten Lokalen und einem Strand vor der Haustür. Der Hafen der Regionshauptstadt Kalamata. PD In Pylos lockt die traditionelle Konditorei Bouloulis mit einem köstlichen Orangen-Cake und einem Dorfplatz mit gut besuchten Cafés, und im postkartenhübschen Kardamili stehen trutzige alte Steinhäuser mit von Bougainvilleen umwucherten Terrassen an kopfsteingepflasterten Gassen, die zum kleinen Hafen und zum romantischen Terrassenlokal Lela’s Taverna führen. Auf dem Dorfplatz in Pylos treffen sich die Einheimischen. PD Die Küche Messeniens ist tief in der mediterranen Tradition verwurzelt. PD Entspannen lässt es sich am Steinstrand von Kardamili. PD Das Hinterland eröffnet eine andere, eher nach innen gerichtete Reise. Es lockt mit verwunschenen Pfaden, stillen Dörfern und schlanken Steintürmen, die wie Szenenbilder aus einem alten Schwarz-Weiss-Film wirken. Es gibt Mythen, Helden und seit Jahrhunderten überlieferte Erzählungen. Und eine eigenwillige Landschaft, die nicht krampfhaft versucht, schön zu sein. Sie ist einfach da, seit je, und muss niemandem etwas beweisen.Hotel-Tipps in MessenienCosta Navarino: Zur weitläufigen, im Stil griechischer Dörfer errichteten Anlage gehören die Luxushotels The Romanos, The Westin Resort, W Costa Navarino und Mandarin Oriental Costa Navarino. Dazu kommen vier Golfplätze, über vierzig Bars und Restaurants, schicke Boutiquen und zwei phantastische Strände. Das «Costa Navarino» umfasst eine grosszügige Hotelanlage direkt am Strand. PD Informationen: costanavarino.com, DZ ab 288 Euro.Zoe Seaside Resort: Strandhotel inmitten eines Obstgartens in Gialova mit 22 stilvoll möblierten Zimmern sowie 20 mit Kitchenette ausgestatteten Apartments. Gäste haben die Wahl zwischen Pool und Strand, es gibt ein gutes Frühstück und ein Restaurant mit Mittelmeerküche.Informationen: zoeresort.com, DZ ab 180 Euro.Karalis Beach Hotel: Ruhiges, charmantes Boutiquehotel direkt am Wasser in Pylos mit 14 hellen und maritim eingerichteten Zimmern. Die Dachterrasse lockt mit Drinks und Aussicht auf die Navarino-Bucht, es gibt auch eine Sonnenterrasse mit Direktzugang zum Meer.Informationen: karalisbeach.gr, DZ ab 120 Euro.Grecotels Filoxenia: Am Stadtrand von Kalamata gelegenes Strandhotel mit exotischem Garten und Kieselstrand direkt vor der Tür. Die 162 Zimmer und Suiten sind mit Naturtönen, kühlen Fliesenböden und Möbeln aus Korbgeflecht gestaltet. Dazu: mehrere Pools, Spa und Gourmetküche.Informationen: grecotel.com, DZ ab 297 Euro.Zen Rocks Mani: Das Yoga-Retreat thront hoch über Kardamili in einem Olivenhain und kann auch ohne Yoga gebucht werden. Zur Verfügung stehen zwölf Zimmer/Studios in schönen Natursteinhäusern, ein Pool und ein Restaurant mit vegetarischer Küche. Das Retreat thront hoch über Kardamili mit Blick auf das Meer. PD Informationen: zenrocksmaniretreat.com, DZ ab 220 Euro.Ulysses Hotel: Familiengeführtes Hotel in Methoni, unweit von der berühmten Burg und vom Strand. Die neun schlicht-schönen Zimmer sind in einem typischen Herrenhaus der Region untergebracht. Dazu gehört ein grosser Garten, in dem auch gefrühstückt wird.Informationen: ulysseshotel.com, DZ ab 80 Euro. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.