Von «Ben-Hur» bis «Troy»: fünf Monumentalfilme, die das Kino geprägt habenChristopher Nolans «The Odyssey» setzt eine Tradition fort. Seit Jahrzehnten erzählen aufwendige Produktionen von Kaisern, Helden und Göttern.17.07.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenSo eigenwillig Christopher Nolans gerade im Kino angelaufener Blockbuster «The Odyssey» auch ist – in einem Punkt steht er in der Tradition sämtlicher Spielfilme über die Antike: Er ist vom Geist der Grösse durchdrungen. Üblicherweise bekriegen sich darin strahlende Helden, gottgleiche Herrscher und wahnsinnige Usurpatoren; allenfalls rebellieren Sklaven; angeführt von Ausnahmefiguren wie Spartakus. Der Alltag eines römischen Barbiers oder griechischen Steinmetzen ist kein verbreitetes Sujet.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nicht zufällig spricht man vom Monumentalfilm. Die günstigere, meist in Italien produzierte Variante wird dagegen spöttisch als Sandalenfilm bezeichnet. Die Blütezeit des Monumentalfilms fiel allerdings nicht mit jener von Hollywood zusammen. Als in den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren Filme wie «Ben-Hur» oder «Cleopatra» entstanden, hatte sich das innovative Zentrum des Kinos nach Europa und Asien verschoben. Zudem versuchten die amerikanischen Studios, mit immer pompöseren Epen dem Aufstieg des neuen Massenmediums Fernsehen etwas entgegenzusetzen.Die Jahrzehnte später erfolgte Wiederbelebung durch «Gladiator» (2000) löste eine kurze Renaissance mit Filmen wie «Troy» oder «Alexander» aus. Zack Snyders «300» öffnete das Genre für eine vom Comic geprägte Bildsprache und eine stilisierte, ins Ironische übersteigerte Ästhetik. Die folgenden fünf Filme markieren entscheidende Wegmarken des Monumentalfilms:Ben-Hur (1959)Eine der spektakulärsten Szenen der Filmgeschichte: das Wagenrennen, bei dem Judah Ben-Hur auf den Verräter Messala trifft.Everett / Imago«Ben-Hur» gilt bis heute als die Mutter aller Monumentalfilme, ein breit angelegtes Epos, an dem sich sämtliche Epigonen messen lassen müssen. William Wylers Spektakel vereinte alles, was das Genre fortan auszeichnen sollte: prächtige Kulissen, gewaltige Massenszenen, messianisches Pathos und eine persönlich-emotionale Geschichte, die zugleich in einen grösseren Weltenlauf eingebunden ist.Charlton Heston spielt den jüdischen Fürstensohn Judah Ben-Hur, der durch den Verrat seines Freundes Messala zum Galeerensträfling degradiert wird – und sich als gefeierter Wagenlenker wieder nach oben kämpft. Das Wagenrennen im Circus entstand ohne Computertricks und gilt noch heute als Massstab des Actionkinos. Mit elf Oscars stellte «Ben-Hur» einen jahrzehntelang bestehenden Rekord auf.«Jason and the Argonauts» (1963)Jason (Todd Armstrong) muss sich einer Gruppe von bewaffneten Skeletten erwehren.United / Hulton / GettyFantasy und Monumentalkino sind nahe Verwandte. Beide erzählen von Welten, in denen Menschen mit Monstern kämpfen, Götter in das Schicksal eingreifen und moralische Konflikte kosmische Dimensionen annehmen. Historische Genauigkeit ist dabei oft zweitrangig, entscheidend ist die Überwältigungskraft der Effekte.Berühmt wurde diese Argonauten-Adaption vor allem durch die Stop-Motion-Effekte von Ray Harryhausen. Ob die kämpfenden Skelette, der gewaltige Bronzegigant Talos oder die vielköpfige Hydra: Die von Hand animierten Kreaturen wirken aus heutiger Sicht charmant künstlich, setzten aber Massstäbe für Generationen von Trickkünstlern.«Cleopatra» (1963)Ein stürmisches Liebespaar im Film und dann im echten Leben: Richard Burton und Elizabeth Taylor.Hulton / GettyDiese Produktion schien beinahe so verflucht wie die Grabkammer Tutanchamuns: Regisseure und Hauptdarsteller wechselten, Termine wurden nicht eingehalten, Krankheiten verzögerten die Dreharbeiten. Am Set begann zudem die in der Presse skandalisierte Liebesaffäre zwischen Elizabeth Taylor (Cleopatra) und Richard Burton (Marcus Antonius), die beide zu dem Zeitpunkt noch anderweitig verheiratet waren.Sehenswert ist das politische Melodram noch immer wegen seiner extravaganten Ausstattung, der opulenten Kostüme und gigantischen Bauten. Inflationsbereinigt zählt es zu den teuersten Filmen aller Zeiten. Obwohl an den Kinokassen kein völliger Flop, reichten die Einnahmen kaum aus, um die Produktionskosten zu decken. Zusammen mit dem Scheitern von «The Fall of the Roman Empire» (1964) besiegelte «Cleopatra» für Jahrzehnte das Ende des klassischen Monumentalfilms.«Gladiator» (2000)Unter dem Namen «Der Spanier» steigt der ehemalige Feldherr Maximus (Russell Crowe) zum umjubelten Gladiator auf.Universal Pictures via Imago«Mein Name ist Maximus Decimus Meridius, Kommandeur der Truppen des Nordens, Tribun der spanischen Legionen, treuer Diener des wahren Imperators Marcus Aurelius . . .» Mit diesem Satz schrieb sich Russell Crowe in die Filmgeschichte ein. Ridley Scotts mit fünf Oscars prämierter «Gladiator» beendete 2000 die jahrzehntelange Durststrecke des Monumentalfilms und bewies, dass das Römische Reich auch im Zeitalter digitaler Effekte ein Millionenpublikum begeistern konnte.Die Geschichte von dem verratenen Feldherrn, der als versklavter Arenakämpfer nach Rom zurückkehrt, um Rache an Kaiser Commodus (Joaquin Phoenix) zu nehmen, erweiterte die bekannte Heldentragödie um eine brutale Körperlichkeit. Beeindruckend sind vor allem die Schlacht im germanischen Wald und Hans Zimmers pathetischer Soundtrack. Die späte Fortsetzung enttäuschte 2024 auf ganzer Linie.«Troy» (2004)Zuerst ist er trotzig, nach dem Tod seines Gefährten Patroklos wird er wütend: die Kampfmaschine Achilles (Brad Pitt).Warner Bros via ImagoLange bevor Christopher Nolan Troja in einem flammenden Inferno untergehen lässt, brachte Wolfgang Petersen den Kampf um die berühmteste verlorene Stadt der Antike 2004 auf die Leinwand. Seine Version vom Zorn des Achilles ist glatter, klassischer und dem reinen Pathos des klassischen Hollywoodkinos verpflichtet. Der um 30 Minuten längere Director’s Cut ist die bessere Fassung.Wo Nolan den Krieg als moralischen Sündenfall begreift, interessiert sich Petersen vor allem für den Konflikt zwischen Ruhm, Liebe und Ehre. Auf das Eingreifen der Götter verzichten beide weitgehend. Dafür versammelt auch der deutsche Regisseur ein Starensemble, wie es zu einem ordentlichen Monumentalfilm gehört: Brad Pitt als Achilles, Eric Bana als Hektor, Orlando Bloom als Paris, Diane Kruger als Helena und Peter O’Toole als König Priamos.Passend zum Artikel
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