«The Odyssey»: Spektakulär pathetisches HeldenkinoJetzt, wo die sehnlich erwartete Verfilmung von Homers «Odyssee» endlich in die Kinos kommt, stellt sich heraus: Zeus würde den Regisseur Christopher Nolan dafür bestrafen.19.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenDer neue Odysseus (Matt Damon) ist kein listiger Schlawiner, sondern ein grübelnder Held mit Schuldgefühlen.PDEndlich ist es da, das so lange angekündigte Spektakel. Und es bietet, was erwartbar war, wenn Christopher Nolan sich Homers «Odyssee» annimmt: ein episches Spektakel. Fetter Sound, der das Kino erbeben lässt. Monumentale Bilder, gefilmt im Imax-Format, worauf die Werbekampagne ja schon seit Monaten hinweist. Möglichst wenig Computertechnik. Aber Gewalt, das schon. Ein opulentes Set-Design, bevölkert mit Superstars in hübschen Kostümen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Stars und die Ausstattung hatten Online-Trolle schon vor Monaten in Wut versetzt. Phantasielose Besserwisser beklagten eine mangelnde Authentizität der Kostüme – für die Verfilmung einer fiktiven Geschichte? Elon Musk nannte Nolan sinngemäss einen Verräter, weil er Lupita Nyong’o als schöne Helena besetzt hat und den Transmann Elliot Page als Soldaten mitwirken lässt. Dass Matt Damon, der Odysseus spielt, nicht sehr griechisch aussieht, störte diese Nörgler nicht. Denn Damons Äusseres passt zur von Hollywood geformten Vorstellung eines Helden.An diese Vorstellung, wie ein Kinoheld zu sein hat, passt Nolan nun seine ganze Odyssee an. Das Ergebnis ist spektakulär und unterhaltsam. Aber am Ende bleibt trotzdem das Gefühl, die drei Jahrtausende alte Geschichte würde sich dagegen sperren, in Filmbilder übertragen zu werden.Das Problem sind die Göttinnen und Götter auf dem Olymp, die das Schicksal der Menschen lenken und sich ständig in deren Leben einmischen. Diese Symbiose ist das Einzigartige an der griechischen Mythologie. Aber wie stellt man diese Unsterblichen filmisch dar? Wie sehen die aus? Und was für Kleider trägt man auf dem Olymp?Nolan beschränkt sich darauf, seinem Odysseus ab und an Zeus’ Tochter Athene (Zendaya) erscheinen zu lassen; von Zeus und Poseidon spricht man nur. Sein eigentliches Interesse gilt dem Helden, der sich seine Heimkehr hart erkämpfen muss.So ist sein Odysseus mehr integrer Superheld, der gegen Fantasy-Monster kämpft, als ruchloser antiker Krieger. Er ist nicht vom Willen der Götter abhängig, sondern allein für sein Schicksal verantwortlich. Er ist kein Schlawiner, der sich mit List und Lügen durchschlägt, sondern leidet nach dem Gemetzel von Troja an Schuldgefühlen. Und er bleibt seiner Ehefrau, anders als bei Homer, während 20-jähriger Abwesenheit treu. Dass Nolan vor der Darstellung von Sexualität zurückschreckt, kommt dem ängstlichen Hollywood entgegen.Indem Nolan Odysseus zu einem Helden nach gegenwärtigem Geschmack umformt, zeigt «The Odyssey» exemplarisch, wie Hollywood heute mit IP, also «Intellectual Property», umgeht: An einer Vorlage interessiert das Potenzial für gute Unterhaltung.Damit ist nicht gemeint, dass Filmschaffende sich pingelig an Literaturvorlagen halten sollten. Denn wenn sie es machen, kommt selten etwas Gutes dabei raus. Emerald Fennell hat jüngst mit «Wuthering Heights» vorgemacht, wie es geht: Sie hat sich Emily Brontës Roman schamlos angeeignet und Bilder geschaffen, die man noch nie gesehen hat und nicht so schnell vergisst. Was Nolan aus der «Odyssee» macht, sieht zwar grossartig aus, bleibt aber pathetisches Heldenkino, wie man es kennt.Wollte der britische Perfektionist damit etwa sein Können vorzeigen? Wenn es Götter gäbe, würden sie ihn für solche Selbstgefälligkeit bestrafen.The Odyssey ★★★✩✩ UK/USA 2026, 172 Min. Im Kino.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
«The Odyssey» von Christopher Nolan: spektakulär generisches Heldenkino
Jetzt, wo die sehnlich erwartete Verfilmung von Homers «Odyssee» endlich in die Kinos kommt, stellt sich heraus: Zeus würde den Regisseur Christopher Nolan dafür bestrafen.











