Das Mittelmeer, um 1180 vor Christus. Drei Schiffe mit einstöckigen Rudern und roten Rahsegeln pflügen durch Nebel und Wellengang. Sie landen an einer öden Küste mit Fichtenwald und moosigem Boden. Die Mannschaft sucht in den Hügeln nach Nahrung, bis sie auf eine weiß gekleidete Gestalt trifft. Es ist ein Mädchen. Es schreit. Zwischen den Bäumen tauchen übermannsgroße Kämpfer in stählernen Rüstungen auf. Ein Gemetzel beginnt. Die Meeresreisenden, wiewohl bewaffnet, haben keine Chance, sie ziehen sich unter hohen Verlusten auf ihre Boote zurück. Zwei der Schiffe werden am Strand von den Angreifern versenkt, das dritte entkommt knapp. Sein Kommandant ist ein Mann namens Odysseus.Der britische Regisseur Christopher Nolan hat immer wieder betont, wie wichtig es für ihn ist, im Kino das ursprüngliche Filmerlebnis wiederherzustellen, mit authentischen Schauplätzen, echten Requisiten, wahrhaftigen Stunts und realen Darstellern. Das klingt seltsam für einen Filmemacher, der in „Inception“ von Traumwelten, in „Interstellar“ von Zeitreisen und in „Tenet“ von der Umkehrung des Raum-Zeit-Kontinuums erzählt hat, für einen Bild-Zauberer, bei dem sich ganze Stadtlandschaften wie trockene Blätter aufrollen und Wurmlöcher zu Passagen in ferne Welten werden.Aber andererseits hat Nolan eben auch „Dunkirk“ gedreht, die hyperreale, an Land, im Wasser und in der Luft durchgespielte Chronik der Schlacht von Dünkirchen im Mai 1940, und „Oppenheimer“, das dreistündige Epos vom Beginn des atomaren Zeitalters, verdichtet in der Person des Erfinders der Bombe.