Geldsegen für Jäger bei Fehlschuss: Die Schwyzer SVP plant eine «Wolfskasse»Der Wolf polarisiert im Kanton Schwyz. Ein Streit um drohende Bussen für Jäger bei Fehlschüssen sorgt nun für Unruhe zwischen der kantonalen Jagdverwaltung und der SVP.20.07.2026, 16.58 Uhr4 LeseminutenDer Wolf hat es im Kanton Schwyz nicht leicht.Bernd Weissbrod / DPADie SVP des Kantons Schwyz hat den Wolf ins Visier genommen. Dies geschieht sowohl mit politischen Vorstössen als auch mit einer entsprechenden Illustration auf ihrem sogenannten Wolf-Ticker. Seit Juni 2025 können betroffene Tierhalter, Wanderer und andere Interessierte auf diesem von der Partei eingerichteten Whatsapp-Kanal Wolfsichtungen und Risse von Nutztieren melden.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Anlässlich der Lancierung erklärte der kantonale SVP-Präsident und Nationalrat Roman Bürgi, es gelte, Missstände anzuprangern und die Informationspolitik zu verbessern. «Die Bevölkerung, insbesondere in den ländlichen Gebieten, fühlt sich im Stich gelassen. Ihre Ängste werden ignoriert.» Gegenwärtig hat der Wolf-Ticker über tausend Follower.Jäger sollen Wölfe regulierenNationalrat Roman Bürgi hat den Wolf-Ticker lanciert.KeystoneAm Wochenende herrschte wieder einmal Aufregung auf dem Kanal. Auslöser war aber keine neue Wolfsichtung, sondern ein Artikel des «Boten der Urschweiz». Darin war zu lesen, dass sich rund zweihundert Jägerinnen und Jäger aus dem Kanton an Schulungen für die Regulierung beteiligt hätten. Nach Absolvierung dieser Ausbildung können sie sich an der Jagd auf einen von den Behörden zum Abschuss freigegebenen Wolf beteiligen.Erschiesst ein Jäger dabei jedoch statt eines zum Abschuss freigegebenen Tiers einen anderen Wolf, muss er dafür bis zu 5000 Franken Busse bezahlen. Rinze Zgraggen, der Leiter des Fachbereichs Jagd und Wildtiere des Kantons Schwyz, bestätigte auf Anfrage der NZZ, dass laut der Jagdverordnung und den Jagdbetriebsvorschriften Bussgelder in dieser Höhe verhängt werden können.Für Samuel Lütolf, den kantonalen SVP-Sekretär und Betreiber des Wolf-Tickers, ist diese Bestimmung vollkommen unverständlich. «Es ist unglaublich, welch enormes Risiko Jäger eingehen, die sich freiwillig für solche Aktionen melden. Es ist nämlich sehr schwierig, bei solchen Regulierungsaktionen das richtige Tier zu erwischen.» Die Jäger würden für ihr wertvolles Engagement bloss mit 50 Franken pro Tag entschädigt und müssten jederzeit mit einer empfindlichen Strafe rechnen.Samuel Lütolf, kantonaler SVP-Sekretär und Betreiber des Wolf-Tickers.PDLütolf startete daraufhin eine Umfrage. Er wollte wissen, wer von den Abonnenten des Wolf-Tickers grundsätzlich bereit wäre, sich an einer Spendenaktion zu beteiligen, sollte ein Jäger einmal zu einer Geldbusse verurteilt werden. «Das Echo war überwältigend», freut sich Lütolf. Innerhalb weniger Stunden erklärten sich über 230 Teilnehmer bereit, sich mit 50 Franken an einer möglichen Busse zu beteiligen. Weitere rund hundert Teilnehmer sagten zu, im Rahmen eines Crowdfundings 10 oder 20 Franken beizusteuern. Laut Lütolf zeigen diese Reaktionen, dass die kantonalen Behörden weiterhin zu wenig für den Schutz der Bevölkerung vor dem Grossraubtier tun. «Die SVP wird sich daher weiterhin dafür einsetzen, dass diese Missstände behoben werden.»«Ich bin erstaunt darüber, dass ein solcher Aufruf über einen öffentlichen Kanal lanciert wird», sagt Rinze Zgraggen. Gemäss der geltenden Rechtslage sei der Kanton verpflichtet, solche Geldbussen auszusprechen. Ausserdem würden die Jäger in den Kursen der Jagdverwaltung lernen, dass sie beim Ansprechen, wie es in der Jägersprache heisst, sehr genau sein müssten. Das heisst, sie würden lernen, das zum Abschuss freigegebene Tier richtig zu identifizieren.«Rechtlich kann man jedoch wohl nichts gegen eine solche Spendenaktion unternehmen», sagt Zgraggen. Tatsächlich gibt es in der Schweiz kein Gesetz, das es explizit verbietet, eine rechtskräftig verhängte Geldbusse für eine andere Person zu bezahlen. Egal, ob das Geld von Freunden, der Familie oder aus einem öffentlichen Crowdfunding stammt.Ein neues Wolfspaar in Schwyz?In diesem Zusammenhang sorgte vor kurzem das Kollektiv «Freiheitsfonds Schweiz» für Schlagzeilen. Die Organisation nutzt ein Crowdfunding, um gezielt Bussen von Menschen zu bezahlen. Seit dem 1. Juli rief die Organisation auf ihrer Website dazu auf, die offenen Bussen von Menschen zu übernehmen, die im öffentlichen Verkehr ohne Ticket erwischt wurden und deswegen ins Gefängnis müssen. Der Aufruf war erfolgreich, wie der «Freiheitsfonds Schweiz» mitteilt. Das offiziell abgeschlossene Crowdfunding sammelte bisher über 91 000 Franken. «Damit könnten wir mehr als 250 Bussen übernehmen und rund 250 Menschen aus dem Gefängnis holen», heisst es auf der Website.Bis es in Schwyz eine Spendenaktion gibt, dürfte es noch eine Weile dauern. Immerhin hat man im Kanton bereits Erfahrung mit der Regulierung von Wölfen. Im Sommer 2025 wurden nach der entsprechenden Freigabe durch den Bund drei von fünf Welpen des sogenannten Chöpfenberg-Rudels erlegt. Damals lief alles korrekt ab, wurden doch gemäss Zgraggen keine Bussgelder verhängt. Bis heute ist das Chöpfenberg-Rudel im Grenzgebiet zum Kanton Glarus das erste und einzige offiziell bestätigte Wolfsrudel im Kanton Schwyz. Es wurde im Sommer 2025 durch Aufnahmen von Fotofallen entdeckt.Dem Wolf-Ticker dürften auch in Zukunft die Aufreger nicht ausgehen. Am 17. Juli gab die Schwyzer Wildhut bekannt, dass eine Fotofalle in der Gemeinde Alpthal im Bezirk Einsiedeln zwei Wölfe erfasst habe. Die Experten gehen davon aus, dass es sich um ein Wolfspaar handelt. Um abschliessend beurteilen zu können, ob es sich tatsächlich um ein Paar handelt, das ein neues Rudel gründet, sind innerhalb der nächsten Monate weitere eindeutige Hinweise notwendig. Dies könnte zum Beispiel die Sichtung von Welpen sein.Passend zum Artikel