Es gehört zu den Eigenheiten von Gianni Infantino, dass jedes Turnier das vorherige übertreffen muss. Die Klub-WM ist historisch, die Nations League revolutionär, die nächste Weltmeisterschaft ohnehin die größte aller Zeiten. Nun hat sich der Präsident der Fifa allerdings selbst in eine Sackgasse gelobt. Die WM in den USA, Kanada und Mexiko sei nicht nur die beste der Geschichte gewesen, sondern gleich „das größte menschliche, soziale und kulturelle Ereignis“, das die Menschheit je erlebt habe.Spätestens jetzt stellt sich eine Frage: Warum überhaupt noch eine weitere Weltmeisterschaft veranstalten? Denn mehr geht eigentlich nicht. Wer seine eigene Veranstaltung bereits zum Höhepunkt der Menschheitsgeschichte erklärt, lässt sich kaum noch Steigerungsmöglichkeiten. Wäre also nicht genau jetzt, wo es angeblich am schönsten ist, der perfekte Moment, um aufzuhören? Keine weitere Weltmeisterschaft mehr auszurichten. Der Gipfel ist schließlich erreicht.
Fifa macht 15 statt elf Milliarden Dollar Umsatz
Doch genau das ist für die Fifa keine Option. Schließlich geht es bei einer Weltmeisterschaft längst nicht mehr nur um Fußball. Das zeigen ausgerechnet die Zahlen, die fast zeitgleich mit Infantinos Lobeshymne bekannt wurden. Statt der ursprünglich kalkulierten elf Milliarden Dollar soll das Turnier nach Informationen des „Guardian“ rund 15 Milliarden Dollar einbringen. Hospitality boomt, der Ticketverkauf ebenfalls. Und weil die Fifa auf ihrem offiziellen Zweitmarkt sowohl vom Verkäufer als auch vom Käufer jeweils 15 Prozent kassiert, verdient der Weltverband an jedem Weiterverkauf gleich doppelt.Plötzlich wirken auch Infantinos Superlative in einem anderen Licht. Vielleicht sollte seine Rede gar nicht in erster Linie erklären, warum diese Weltmeisterschaft so besonders war. Sondern warum sie künftig noch größer werden muss. Denn wer mit einem Turnier vier Milliarden Dollar mehr einnimmt als geplant, entwickelt naturgemäß wenig Interesse daran, Grenzen einzuziehen. Im Gegenteil: Mehr Teilnehmer, mehr Spiele, mehr Tickets, mehr Hospitality – das bedeutet vor allem eines: mehr Umsatz.














