Wer erzählt den Osten? Zu lange waren es nicht die Ostdeutschen selbst. Seit 1990 wurde der Osten zerlegt, etikettiert, einsortiert – von westdeutschen Deutungsagenturen, die genau zu wissen glaubten, was hier eigentlich passiert war. Der Osten kam vor, aber meist als Problem: als Störung, als Defizit, als pädagogischer Sonderfall. Er war Objekt der Betrachtung, selten Subjekt der eigenen Erzählung.

Daran hat sich weniger geändert, als viele glauben. Nur die Akteure sind vielfältiger geworden. Inzwischen treten auch ostdeutsche Erinnerungsunternehmer auf den Plan und bedienen sich erstaunlich routiniert genau jener Mechanismen, die sie vorgeblich kritisieren.

Ein aktuelles Beispiel: Uwe Steimle, ein abgehalfterter sächsischer Kabarettist, der als Honecker-Imitator über Provinzbühnen und Querdenkerdemos tingelte, hat offenbar die Distanz zur eigenen Kunstfigur gänzlich aufgegeben und kürzlich auf einer AfD-Veranstaltung die DDR-Hymne intoniert. Kalkulierte Provokation, garantierte Empörung, maximale Aufmerksamkeit. Ein Stück politisches Schmierentheater. Und doch bezeichnend.

Wenn sich mit der deutschen Vergangenheit Geld verdienen lässt: zwischen Ostalgie, politischen und wirtschaftlichen Interessen.