Kaum rücken die Landtagswahlen näher, liegt der Osten wieder auf der Couch. In der FAZ wird vor dem Ende der westdeutschen Langmut gewarnt, andernorts hantiert man mit DDR-Erfahrung, autoritärer Prägung und natürlich der Kränkung. Irgendetwas muss schließlich erklären, warum im Osten so viele Menschen anders wählen, als man es in den meinungsprägenden Milieus der Republik für vernünftig hält.
All diese Erklärungen haben denselben Vorzug: Der Blick geht tief hinunter in die ostdeutsche Seele und weg von denen, die da hinunterschauen. Vielleicht steht die Frage auf dem Kopf und die Institutionen der Bundesrepublik haben längst ein Repräsentationsproblem im Osten.
Beigetreten, nicht neu gegründet
1990 entstand kein neuer gemeinsamer Staat. Die DDR trat nach Artikel 23 dem Geltungsbereich des Grundgesetzes bei; über eine neue Verfassung stimmten Ost- und Westdeutsche nicht ab. Für diesen schnellen Weg gab es gute Gründe, und die frei gewählte Volkskammer beschloss ihn mit großer Mehrheit. Trotzdem hatte die Entscheidung einen Preis: Der Westen blieb, was er war. Der Osten wurde zur Baustelle.
Beim Fernsehen lässt sich das fast protokollieren. Der Deutsche Fernsehfunk hatte sich nach 1989 vom Sprachrohr der SED zu einem deutlich pluraleren Sender gewandelt und die erste freie Volkskammerwahl begleitet. Der Einigungsvertrag verfügte dennoch sein Ende. An seine Stelle trat der neu gegründete MDR – mit einem Intendanten vom Bayerischen Rundfunk und sieben von acht Direktoren aus dem Westen.











