Seit Monaten blickt ganz Deutschland in den Osten. Auf Ulrich Siegmund, der auf einem alten DDR-Moped durch Sachsen-Anhalt fährt und gemeinsam mit Tino Chrupalla die DDR-Hymne singt. Auf Wahlkampfveranstaltungen, bei denen Politiker und Anhänger „Ost-, Ost-, Ostdeutschland!“ skandieren. Auf Björn Höcke, der sagt, nur im Osten seien „die Menschen noch Deutsche“.Im Westen der Republik warf das Fragen auf: Wollen die da drüben überhaupt dazugehören? Darf, wer betont, Ostdeutscher zu sein, die Spaltung zwischen Ost und West eigentlich beklagen? Und schließlich: Können die mal aufhören zu jammern?Ausgelöst hatte die Debatte auch ein Leitartikel in der F.A.Z. vor zwei Wochen. Der Autor beklagte, dass gleich mehrere Parteien das ostdeutsche Sonderbewusstsein befeuerten. Nicht nur AfD, BSW und Linke, sondern auch CDU und SPD. Die Geduld im Westen stoße langsam jedenfalls, auch angesichts der hohen Zustimmungswerte für die AfD, an ihre Grenzen, bestätigten Journalisten anderer westdeutscher Medienhäuser.Wieder andere bezeichneten das, was dort passierte, als „Aufstand der Jammerwessis“, die nun alte Klischees aus der Kiste kramten, um ihrer angestauten Wut einmal Luft zu machen. Und Bildungsministerin Karin Prien meinte: „Darüber lohnt sich doch jetzt ein ernsthaftes Gespräch!“