Angesichts monatelanger Trockenheit und wochenlanger Hitze hat die Stadt München per Allgemeinverfügung die Wassernutzung für bestimmte Zwecke verboten, vorerst bis zum 1. August. Hält sich auch wirklich jeder dran? So ist es unter anderem untersagt, private Rasen- und Hofflächen zu bewässern, private Schwimmbecken und Springbrunnen zu befüllen. Auch Hobbygärtner müssen sparen, dürfen Pflanzen und ‌Beete tagsüber nur noch mit wassersparender Tröpfchenbewässerung versorgen.Wie sehr sparen die Münchner wirklich? Ein Streifzug durch die Stadt, beginnend im öffentlichen Raum. Der Fischbrunnen in prominenter Lage direkt vor dem Münchner Rathaus war symbolträchtig als erstes abgeschaltet worden, hier läuft kein Wasser mehr. Der Springbrunnen vor dem Prinzregententheater? Sprudelt meterhoch, wie eh und je. Der Brunnen in der Orleansstraße vor dem Ostbahnhof? Wasser marsch, volles Rohr. Die Fontäne am Bordeauxplatz? Gewohnt lieblich. Auch der berühmte Paulaner-Brunnen mitten im Nockherberg-Biergarten plätschert wie immer vor sich hin. Erst am Friedensengel ist das sprudelnde Nass dann versiegt, was dem vom Verkehr umtosten Platz natürlich etwas an Flair kostet. Erste Conclusio: An den öffentlichen Brunnen ist in Sachen Wassersparen noch Luft nach oben.Ein nächster Blick zu den Schrebergärtnern. Besuch am Denninger Anger in Bogenhausen, in der „Kleingartenanlage Nord-Ost 3“, gegründet 1920. „Endless summer“ steht über einem der zahllosen Eingangstore. Planschbecken? Sind entweder schon gefüllt oder lehnen leer hochkant gegen das Gartenhäuschen. Vor neun und nach 19 Uhr darf hier gegossen werden, in der Zeit dazwischen allerdings nicht. Kein Problem für die Dame in Parzelle 35, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen mag, wie sie sagt. Wie auch ihre Nachbarn habe auch sie nach den jüngsten Niederschlägen die Regentonnen schön voll, „und Regenwasser ist für die Pflanzen eh besser als Leitungswasser. Man will ja, dass es den Pflanzen gut geht“.Die eingeschränkten Gieß-Zeiten stören sie überhaupt nicht: „Wer will sich denn schon in der Mittagshitze hinstellen und gießen?“ Andererseits: „Wenn‘s heiß ist, brauchen auch die Pflanzen viel Wasser. So wie mein Mirabellenbaum hier: Da hängt heuer schon viel dran, der braucht ordentlich Wasser. Aber wenn ich den gieße, geht das ja ins Grundwasser und nicht in den Gully.“ Generell finde sie es aber gut, dass der Oberbürgermeister sich des Themas Wasser angenommen hat: „Sonst kümmert sich die Politik ja oft erst, wenn es schon zu spät ist.“Bei den Poolbauern läuft das Geschäft normal weiterAuch im Ramersdorfer „Kleingartenverein Süd-Ost 7“ in der Kopischstraße: keine Klagen gegen die Verordnung des Oberbürgermeisters. Im Aushang am Eingang gibt es „Wichtige Hinweise zur Asiatischen Tigermücke“ sowie die Ausleihzeiten für Vertikutierer und Gartenhäcksler, aber keine Aufforderung zum Wassersparen. Die kam per Mail an jeden Kleingärtner, handelt es sich bei dieser Anlage doch um einen städtischen Betrieb. Aber auch hier kommt man mit dem Wasser aus, das man angesammelt hat.Und wie sieht es bei den professionellen Poolreinigern und Schwimmbadbauern aus, für die solvente Zielgruppe, die es in Sachen Abkühlung im eigenen Garten lieber etwas größer hat als ein Gummiplanschbecken? Martin Dollinger vertreibt in Obersendling Pools und Naturpools. Er merke bislang keinen Effekt durch die städtische Allgemeinverfügung: „Bei uns läuft das Geschäft normal weiter“, sagt er. Man habe gerade erst einige Pools befüllt, und andere werde man „dann eben später befüllen“. So optimistisch er momentan noch klingt – eins ist ihm aber durchaus bewusst, falls die Trockenheit im Hochsommer dauerhaft zurückkommen sollte: „Irgendwann wird Wassersparen für uns schon ein Thema werden.“Am Rothof in Bogenhausen, gleich neben der Kleingartenanlage, sehen die Tennisplätze am Vormittag gut gewässert aus, was aber auch noch an den heftigen Niederschlägen der vergangenen Nacht liegen könnte. Einschränken müsse man sich jedenfalls nicht in Sachen Bewässerung, heißt es von Betreiberseite. Auch in der Autowaschstraße ein paar Meter weiter vorn am Böhmerwaldplatz: business as usual.