Aus einem Sparappell wird ein Verbot: Erstmals hat die Stadt München die Nutzung von Wasser eingeschränkt, seit Dienstag ist eine entsprechende Allgemeinverfügung in Kraft. Bisher galt der Süden Bayerns als wasserreich, „unerschöpflich“ nannten die Münchner Stadtwerke noch im vergangenen Jahr das Wasservorkommen. Antworten auf die wichtigsten Fragen.Was ist aktuell verboten?Die Restriktionen sind moderat. Verboten ist vor allem das Befüllen von Pools, das Bewässern von Rasenflächen und Gärten (letztere dürfen aber vor neun und nach 19 Uhr gegossen werden). Untersagt ist außerdem unter anderem das Waschen von Autos außerhalb von Waschanlagen, das Befeuchten von Baustellen und das Abspritzen von Terrassen und Wegen. Aus Flüssen, Bächen und Seen darf kein Wasser mehr entnommen, und auch Grundwasser aus eigenen Brunnen darf nicht fürs Gießen verwendet werden.Wie erklärt sich die Notlage?Zwei Faktoren sind entscheidend: Trockenheit und Hitze. Nachdem es 2024 noch genügend geregnet hat, liegen seit Anfang 2025 die Niederschläge unter dem langjährigen Mittel. Deshalb sinken die Grundwasserpegel, selbst am Alpenrand. München bezieht sein Trinkwasser fast komplett aus dem Mangfall- und Loisachtal, sie liegen etwa 40 bis 70 Kilometer südlich der Stadt. Der zweite entscheidende Faktor sind die extreme Hitze im Juni und die seither anhaltend hohen Temperaturen. Dadurch sei laut Stadtwerke München (SWM) der Verbrauch enorm gestiegen, sodass eine „seit den frühen 1970er-Jahren nicht dagewesene Ausnahmesituation“ eingetreten sei, wie es Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) zusammenfasst.Gibt es weitere Gründe für die Notmaßnahmen?Auch das Wasserrecht gibt Grenzen vor. Es regelt, wie viel die Münchner Stadtwerke fördern dürfen. Dahinter steht ein seit Jahren anhaltender Streit zwischen der Metropole und den Gemeinden und Landkreisen, deren Grundwasser nach München geleitet wird. Die erlaubte Menge war in den vergangenen Wochen offenbar teils fast ausgeschöpft. Um diese Grenze nicht zu überschreiten, vor allem nicht dauerhaft, sieht sich das Rathaus zu Verboten gezwungen. Man will den Wasser-Gemeinden im Süden signalisieren: Wir tun alles, um zu sparen.Ende Juni haben die Stadtwerke und Münchens OB Krause zum Wassersparen aufgerufen. Hat das nichts gebracht?Der Effekt dieser Appelle ist unklar. Es sank daraufhin zwar der Verbrauch, das könnte aber auch an den etwas niedrigeren Temperaturen Anfang Juli gelegen haben. Laut SWM brauche München an einem normalen Sommertag 300 bis 350 Millionen Liter, Ende Juni sei der Verbrauch teils auf mehr als 400 Millionen gestiegen. Dann sei er auf 330 Millionen gesunken, inzwischen wieder auf knapp 370 Millionen Liter angewachsen.Sind die in München jetzt geltenden Vorschriften eine Ausnahme?Keineswegs. Was die bayerische Landeshauptstadt mit ihren rund 1,6 Millionen Einwohnern erstmals erlebt, ist in vielen anderen Städten und Kommunen quer durch die Bundesrepublik schon länger geübte Praxis in Zeiten des Klimawandels. In Hannover etwa gelten ähnliche Vorgaben wie in München, allerdings schon seit Juni, und auch im vergangenen Sommer war es so. Auch in Potsdam und Umgebung ist die Wassernutzung eingeschränkt sowie in vielen weiteren Kommunen und Gebieten Deutschlands.Blick in einen der beiden unterirdischen Trinkwasserbehälter der Stadt München im Forstenrieder Park. UWE LEIN/ASSOCIATED PRESSWie lassen sich die aktuellen Verbote durchsetzen?Man wird in München vermutlich keine städtischen Beschäftigte oder Polizei erleben, die durch Quartiere mit großen Häusern und Gärten patrouillieren, um Pools und Rasenflächen zu kontrollieren. Die Verbote zur Wassernutzung lassen sich de facto nicht konsequent durchsetzen. Die Spar-Verfügung ist also ein verschärfter Aufruf zum Wassersparen. Formal droht bei Verstößen ein Bußgeld bis zu 50 000 Euro, tatsächlich will die Stadt zunächst aufklären und mit Ermahnungen agieren, um die Bürger zu sensibilisieren.Sind auch Gemüsebeete vom Verbot des Gießens betroffen?Private Beete dürfen nur noch zwischen 19 und neun Uhr gegossen werden. Das Wässern gewerblicher Beete von Gärtnereien ist nicht eingeschränkt.Warum dürfen Sportflächen, also Fußball- ebenso wie Golfplätze, weiter bewässert werden?Weil sie dem Allgemeinwohl oder gewerblichen Interessen dienten, so das städtische Klimareferat, seien sie „bisher von Einschränkungen ausgenommen“.Welche weiteren Eskalationsschritte sind denkbar, um den Verbrauch zu senken?Konkret beantwortet dies die Stadt nicht. Laut Klimareferat werde die von OB Krause eingerichtete Taskforce über mögliche weitere Schritte entscheiden.Warum werden Unternehmen, die teilweise sehr viel Wasser verbrauchen, nicht eingeschränkt?Auch dazu äußert sich die Stadt nur vage. Die Stadtwerke erwarten nach eigenen Angaben, dass die aktuelle Verfügung rasch und ausreichend wirke. So will man offenbar Restriktionen für Unternehmen vermeiden.Warum ist die Allgemeinverfügung bis 1. August befristet?Anfang August beginnen in Bayern die Sommerferien, die Stadt leert sich dann merklich. Im Rathaus hofft man, dass weniger Menschen auch deutlich weniger Wasser brauchen. Falls nicht, hat die Stadt eine mögliche Verlängerung der Verbote schon angekündigt.Wenn es mal regnet, wie lange dauert es, bis die Grundwasserpegel steigen?Schauer und Gewitter mit Regengüssen bringen dem Grundwasser so gut wie gar nichts. Dieses Wasser fließt meist sofort in Flüsse und Kanalisation und gelangt nicht in tiefere Bodenschichten. Auch bei länger anhaltendem Regen versickert nur ein Teil tiefer im Boden, zuvor bedienen sich die Pflanzen. Was dann übrig ist, wird irgendwann zu Grundwasser. Wie lange das dauert, hängt vom jeweiligen Boden ab. Im Haupt-Gewinnungsgebiet Münchens am Alpenrand gebe es einen kleinen Bereich, in dem die Quellen sehr schnell auf Regen reagierten, erklärt der Wasserchef der Münchner Stadtwerke, Hermann Löhner. In den meisten anderen Gebieten dauere es etwa zwei bis drei Monate, ehe ergiebiger Regen die Pegel steigen lasse.Münchens OB Krause hat eine „Wasserstrategie“ in Auftrag gegeben. Was soll sie enthalten?Man prüfe „sämtliche Handlungsoptionen zur langfristigen Sicherung der Trinkwasserversorgung“, erklären die Stadtwerke. Dies beinhalte etwa die nachhaltige Nutzung, also Sparmöglichkeiten, Infrastruktur und auch wasserrechtliche Fragen. Dahinter verbirgt sich etwa, wie viel Wasser München aus dem Boden pumpen darf. Basis dafür seien fachliche Untersuchungen und Genehmigungsverfahren, so die SWM.
Wasserknappheit in München: Diese Verbote und Maßnahmen gegen Dürre gibt es
München erlässt Verbote zum Wassersparen wegen Trockenheit und Hitze. Einschränkungen betreffen Gartenbewässerung, Pools und Autowaschen. Die Stadt prüft langfristige Trinkwassersicherung.












