Es ist ein alarmierendes Novum für München. Um die Versorgung mit Trinkwasser angesichts anhaltender Trockenheit und hoher Temperaturen sicherzustellen, verbietet die Stadt mit sofortiger Wirkung die Wassernutzung für bestimmte Zwecke. Untersagt ist demnach generell das Befüllen von privaten Pools und sonstigen Badebecken sowie der Betrieb von Springbrunnen.Täglich von neun bis 19 Uhr ist das Bewässern, Gießen und Beregnen von Gärten untersagt, ausgenommen sind land- und forstwirtschaftliche Flächen, Friedhöfe sowie Bereiche, die öffentlich genutzt werden. Auch das Bewässern von privaten Rasen- und sonstigen Grünflächen ist verboten; Sportplätze und öffentlich genutzte Flächen sind davon ausgenommen. Untersagt ist zudem das Waschen von Fahrzeugen außerhalb von gewerblichen Waschanlagen.Auch jenseits des Leitungswassers gelten Verbote: Vollständig untersagt ist die Entnahme von Wasser aus Oberflächengewässern im Stadtgebiet, also aus Flüssen, Bächen und Seen. Wer einen eigenen Brunnen hat, darf das Wasser daraus ebenfalls nicht für Pools, Rasen, Autos et cetera nutzen.Die entsprechende Allgemeinverfügung hat das Klimareferat am frühen Dienstagnachmittag veröffentlicht. Sie gilt vorerst bis 1. August, kann aber bei anhaltender Trockenheit verlängert werden. Bei Verstößen gegen die Verfügung drohen laut Stadt Geldbußen von bis zu 50 000 Euro. Laut einem Sprecher der Stadtwerke (SWM) habe es „in der modernen Geschichte der Münchner Wasserversorgung“ bislang keine dokumentierten flächendeckenden Verbrauchsverbote gegeben.Weil die Münchner Trinkwasserressourcen „derzeit äußerst strapaziert“ seien, wendet sich Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) wie bereits Ende Juni mit einem Sparappell an die Bevölkerung: „Ich bitte alle Münchnerinnen und Münchner, sich an die Regeln zu halten, damit sich die Grundwasserpegel erholen. Wasser ist unser kostbarstes Lebensmittel, lassen Sie uns damit sorgsam umgehen.“ Der für diese Woche vorhergesagte Regen genüge nicht, um das Grundwasserreservoir aufzufüllen. Krause habe laut einer Rathausmitteilung SWM und Klimareferat beauftragt, eine „Wasserstrategie“ zu erarbeiten, um Münchens Versorgung trotz Trockenheit und Hitze „dauerhaft zu gewährleisten“.Bisher galt der Süden Bayerns als ungefährdetErgänzend zur Verbotsverfügung der Stadt gaben die Stadtwerke laut ihrem Chef Florian Bieberbach eine „Wasser-Sparanordnung“ heraus. Sie gelte jenseits der Stadtgrenzen im gesamten Versorgungsgebiet der SWM und sei inhaltlich identisch zur städtischen Verfügung. Die Stadtwerke haben zwar keine hoheitlichen Befugnisse, könnten laut einem Sprecher im Verhältnis zu ihren Kunden die Wassernutzung aber einschränken. Außerhalb Münchens versorgen die SWM beispielsweise Unterhaching, Garching, Neubiberg oder Unterföhring.Spätestens jetzt ist die Wasserkrise als Folge des Klimawandels in der größten Stadt Süddeutschlands und ihrem Umland angekommen. Bislang galt der Süden Bayerns als niederschlagsreich und seine Wasserversorgung als ungefährdet. Insofern sind die Notmaßnahme der Stadt ein deutliches Alarmzeichen. Seit eineinhalb Jahren liegen die Niederschläge unter dem langjährigen Mittel.ExklusivTrockenheit:Wie Münchens Brauereien den Wasserschatz der Stadt verschwendenFür ihr "Münchner Bier" dürfen die Konzerne jahrtausendealtes, besonders reines Tiefengrundwasser abpumpen, eigentlich die eiserne Reserve für Krisen. Nun kommt heraus: Sie nutzen es nicht nur zum Brauen.Die Sparappelle von OB Krause und SWM Ende Juni haben nicht wie erhofft gewirkt. Normal sei ein Wasserverbrauch von 300 bis 350 Millionen Litern pro Tag, so die Stadtwerke (SWM). Vor zwei Wochen berichtete der städtische Versorgungskonzern, dass während der extremen Hitzeperiode im Juni der Verbrauch auf mehr als 400 Millionen Liter pro Tag gestiegen sei. Nach dem Sparappell und wohl auch bedingt durch den Temperaturrückgang sei er in den ersten Julitagen auf rund 330 Millionen Liter gesunken, seither aber wieder stetig angestiegen auf zuletzt knapp 370 Millionen Liter täglich.Die Kapazität der Münchner Wasserversorgung war deshalb schon Ende Juni an ihre Grenze gestoßen. Der SWM-Wasserchef bezeichnete da die Lage als angespannt, aber nicht kritisch.Der Fischbrunnen auf dem Marienplatz wurde außer Betrieb gestellt, wegen Wassermangels. Robert HaasDie Stadt ging vor zwei Wochen mit gutem Beispiel voran. Sie schaltete einige Brunnen ganz oder teilweise ab, stellte vorübergehend das Waschen ihres Autofuhrparks und die Fensterreinigung ein. Alle Menschen in München wurden zudem aufgerufen, im Privaten Wasser zu sparen: lieber Duschen als ein Vollbad nehmen, auf das Bewässern von Gärten verzichten und auf das Befüllen von Pools und Planschbecken.Es hat nicht gereicht. Schon am 30. Juni kündigte Krause für diesen Fall weitere Schritte an: „Sollte der Wasserverbrauch nicht sinken, werden wir weitergehende Maßnahmen ergreifen müssen.“Während in München die Nutzung von Trinkwasser erstmals per Verfügung eingeschränkt wird, kommt dies in anderen Teilen Deutschlands bereits häufig vor. Der Norddeutsche Rundfunk etwa listet eine Reihe von Kommunen auf, in denen die Wassernutzung eingeschränkt ist, etwa in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover und ihrem Landkreis. An besonders warmen Tagen mit Temperaturen von 27 Grad und mehr schränkt die Region Hannover die Beregnung wie bereits im Vorjahr zeitlich ein. Weitere Wassermangelgebiete sind unter anderem Potsdam und mehrere Landkreise an der Oberen Donau in Baden-Württemberg. Auch der Nordosten Nordrhein-Westfalens ist von Wassernot betroffen.