Israels Rüstungsindustrie drängt nach Europa – und stösst in Deutschland auf Widerstand von KatarDer Iron-Dome-Hersteller Rafael will in einem VW-Werk im deutschen Osnabrück produzieren. Das lässt Katar als drittgrösster Aktionär der Volkswagen AG nicht zu. Jetzt könnte es doch eine Lösung geben.Armin Arbeiter, Berlin17.07.2026, 15.34 Uhr3 LeseminutenDas VW-Werk in Osnabrück soll im Sommer 2027 seine Produktion von T-Roc-Cabriolets einstellen.Swaantje Hehmann / ImagoEin Milliardenabkommen mit Rumänien, Verhandlungen mit Griechenland sowie einige andere Staaten, die ihre Luftverteidigung ausbauen wollen: Europa ist für das israelische Rüstungsunternehmen Rafael ein attraktiver Markt – dementsprechend stark war es etwa im Juni auf der Luftfahrtmesse ILA in Berlin vertreten. Um seine Vorhaben rascher umsetzen zu können, sucht Rafael nach Möglichkeiten, direkt in Europa produzieren zu können.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die massive Krise des deutschen Automobilkonzerns Volkswagen kam Rafael nicht ungelegen: Im April unterzeichneten die beiden Unternehmen eine Absichtserklärung über die Zukunft des Werks in Osnabrück im Bundesland Niedersachsen. Dort stellen derzeit rund 2000 Arbeiter das T-Roc-Cabriolet her, doch VW will die Produktion im Sommer 2027 einstellen.Anstatt Cabriolets, so der Plan, sollten sie Bauteile für das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome produzieren. Für Volkswagen wäre das eine Alternative zur drohenden Schliessung der Fabrik. Doch der drittgrösste VW-Aktionär Katar schob dem Plan einen Riegel vor. Nun zeichnet sich ein neuer Rettungsversuch ab.Katar ist seit 2009 GrossaktionärDas Land Niedersachsen prüft laut dem «Handelsblatt», ob es sich an einer neuen Gesellschaft für den Standort in Osnabrück beteiligen könnte. Ziel sei es, die direkte Verbindung zwischen VW und Rafael zu lösen und damit dennoch eine Produktionsmöglichkeit für das israelische Unternehmen zu schaffen.Damit liesse sich der Widerstand des katarischen Staatsfonds umgehen. Qatar Holding verfügt bei Volkswagen über 17 Prozent der Stimmrechte und ist nach der Porsche SE und Niedersachsen der drittgrösste stimmberechtigte Anteilseigner. Zudem ist Katar mit zwei Mitgliedern im 20-köpfigen Aufsichtsrat vertreten. Das Emirat stieg 2009 bei Volkswagen ein.Katar selbst hat seine Haltung gegenüber dem Rafael-Einstieg öffentlich nicht begründet. Aus dem Umfeld der katarischen Regierung heisst es jedoch, ein Gemeinschaftsunternehmen oder eine andere fortdauernde Kooperation von Volkswagen mit Rafael sei für Doha nicht vorstellbar.Der Grund liegt wohl in Katars Verhältnis zu Israel. Das Emirat unterhält keine formellen diplomatischen Beziehungen zu dem Land, vermittelt zugleich zwischen der israelischen Regierung und der Terrororganisation Hamas. Würde VW gemeinsam mit Rafael Iron-Dome-Bauteile herstellen, wäre der katarische Staatsfonds mittelbar an einer industriellen Partnerschaft mit einem israelischen Rüstungskonzern beteiligt. Politisch wäre das für Doha schwer vermittelbar.Niedersachsen prüft LösungsmodellDer mögliche Ausweg liegt deshalb in einer anderen Eigentümer- und Vertragsstruktur. Nach Informationen des «Handelsblatts» wird erwogen, den Standort in zwei Gesellschaften aufzuteilen.Eine Besitzgesellschaft könnte Grundstücke, Gebäude und Teile der Belegschaft übernehmen. Volkswagen bliebe an ihr beteiligt, Rafael dagegen nicht. Eine zweite Gesellschaft wäre für die Produktion der Iron-Dome-Komponenten zuständig. Daran könnten sich Rafael, ein Finanzinvestor und möglicherweise Niedersachsen beteiligen. Volkswagen wäre damit nicht unmittelbar Teil der Rüstungsproduktion.Daneben soll ein weiteres Modell geprüft werden: Niedersachsen könnte das gesamte Werk zunächst übernehmen und anschliessend an Rafael übertragen. Für das Land wäre diese Variante allerdings riskanter, weil es zumindest vorübergehend Verantwortung für die Belegschaft, mögliche Umstrukturierungen und die damit verbundenen Kosten übernehmen müsste.Das Iron-Dome-System bei der Abwehr von Hamas-Raketen.Amir Cohen / ReutersEine landeseigene Beteiligungsgesellschaft prüft laut dem «Handelsblatt», ob ein Einstieg wirtschaftlich vertretbar wäre.Niedersachsen besitzt bereits 20 Prozent der VW-Stimmrechte und verfügt bei wichtigen Konzernentscheidungen über eine starke Stellung. Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) sitzt zudem im Aufsichtsrat.Für Volkswagen drängt indes die Zeit. Das Werk verursacht dem Konzern nach internen Zahlen jährlich rund 130 Millionen Euro Betriebskosten. Und auch Rafael hat Alternativen. Der Konzern erwägt laut Berichten eine Produktionslinie in Indien. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen schliessen sich Indien und Osnabrück allerdings nicht zwingend gegenseitig aus.Passend zum Artikel