Anfang Februar gab sich Friedrich Merz noch begeistert. Nach einem Rundgang im Museum für Islamische Kunst in Doha kam der Bundeskanzler aus dem Lob für die Gastgeber gar nicht mehr heraus. „Sehr gute Gespräche“ habe er mit dem Emir geführt, ließ Merz wissen. Mit Katar gebe es eine „sehr starke Zusammenarbeit“. Überhaupt sei das Emirat ein „sehr verlässlicher Partner“.Doch nur ein paar Monate später ist Katar vor allem: ein großes Problem. Für Volkswagen. Für das Land Niedersachsen. Womöglich für den Standort Deutschland.Ausgerechnet das Emirat könnte eines der Prestigeprojekte des industriellen Wandels blockieren: die Transformation des Osnabrücker VW-Werks, das vom Sanierungsfall zur dynamischen Rüstungsfabrik werden sollte.Werk in Osnabrück Neue Details zum Iron-Dome-Deal von VW von Max Biederbeck und Martin SeiwertSo jedenfalls lautete der Plan. Denn 2027 läuft in dem Werk, in dem seit 2010 diverse Modelle produziert wurden – vom Golf Cabrio über den Tiguan und Pluto – das letzte T-Roc Cabrio vom Band. Der Standort ist historisch auf Nischenmodelle spezialisiert, die Volumenproduktion lohnt sich wirtschaftlich hier nicht. Deshalb sucht Wolfsburg eine Anschlussverwendung für die 2300 Beschäftigten – und war überzeugt, sie gefunden zu haben: mit dem israelischen Unternehmen Rafael.Der Waffenbauer aus Haifa ist bekannt für sein Flugabwehrsystem Iron Dome, das Israels Himmel erfolgreich vor Raketenbeschuss beschützt.Ein plötzliches Veto aus KatarKonkret ging es um ein Joint Venture der beiden Partner, das auf Jahre eine Auslastung des VW-Werks in Osnabrück mit Aufträgen garantieren sollte. Der Clou: VW wollte dort keine Waffen bauen, sondern Fahrzeuge, die Kampftechnik transportieren können, „vom Unterbau bis zur Fahrzeugkomponente”. Die Kalkulation: Damit ließen sich auch die Gewerkschaften überzeugen, in die Rüstung einzusteigen, ohne tatsächlich direkt Waffen produzieren zu müssen.Doch auf der Zielgeraden des Deals mischt sich plötzlich ein anderer Veto-Spieler ein: der Golfstaat Katar. Doha hält über seinen Staatsfonds, die Qatar Investment Authority (QIA), 17 Prozent der Anteile und ist damit der drittgrößte Aktionär in Wolfsburg. QIA-Chef Mohammed Saif Al-Sowaidi sitzt ebenso im VW-Aufsichtsrat wie Hessa Sultan Al Jaber, Katars ehemalige Ministerin für Kommunikationstechnologie.Lange stiller Teilhaber, agiert Katar hier erstmals politisch. Eine Kooperation mit Israel? Will Doha offenbar verhindern. Beide Länder pflegen zwar einen pragmatischen Umgang, haben aber keine diplomatischen Beziehungen. Seit dem Terrorangriff der Hamas im Oktober 2023 und dem Gaza-Krieg gilt das Verhältnis als angespannt.