Im Klinikum Neuburg an der Donau funktioniere anscheinend die Klimaanlage nicht, schreibt ein Leser der SZ Ende Juni. Er sei mit seiner fiebernden zweijährigen Tochter auf der Intensivstation und im Raum habe es 29 Grad. Die Klinik dementiert umgehend. Die Intensivstation in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin verfüge über eine Klimaanlage. Trotz der hohen Temperaturen während der Hitzewelle habe auch in Rücksprache mit der Ärztlichen Leitung zu keinem Zeitpunkt ein temperaturbedingter Anlass zur Besorgnis bestanden.Wie heiß es an jenem extrem heißen Junitag auf der Station genau war, lässt die Klinik auch auf Rückfrage offen. Fakt ist: In vielen Kliniken in Bayern dürfte es vor allem in den Patientenzimmern und Wartebereichen unerträglich heiß gewesen sein. Denn während sensible Bereiche wie Intensivstationen und OP-Säle in Kliniken über Kühlungssysteme verfügen, ist dies in den meisten Patientenzimmern nicht der Fall, wie die Bayerische Krankenhausgesellschaft (BKG) angibt. Die Situation in den Kliniken sei relativ unterschiedlich. Mancherorts habe man schon in Kühlung investiert. Insgesamt aber müsse das Innenraumklima in den Kliniken unbedingt besser werden, sagt ein Sprecher. Man setze sich dafür auch politisch ein.Wie groß aber ist das Problem in Kliniken und auch Pflegeheimen wirklich? Das weiß auch die Staatsregierung nicht genau, wie eine Antwort auf eine Anfrage der Landtags-Grünen zeigt. Informationen über die konkrete Hitzebelastung einzelner Krankenhäuser sowie wann und wo zu hohe Innenraumtemperaturen herrschten, lägen dem Gesundheitsministerium nicht vor, heißt es darin. Als unabhängige Wirtschaftsunternehmen seien Kliniken selbst dafür verantwortlich, Räume mit zu hohen Innenraumtemperaturen zu identifizieren und die Patienten zu schützen.„Was ich nicht sehe, muss ich auch nicht lösen“, kommentiert der Grünen-Landtagsabgeordnete Patrick Friedl die Antwort. Die Staatsregierung verschließe die Augen vor einem Problem, das von Jahr zu Jahr größer werde. „Wenn jetzt über 500 Menschen gestorben sind, ist das mit Ansage“, sagt Friedl. „Es werden noch viel, viel mehr Menschen sterben, wenn wir mal eine Hitzewelle über 40 Grad haben“, so der Landtagsabgeordnete, der bei den Grünen für das Thema Klimaanpassung zuständig ist.Dass sich die Menschen in Bayern auf veränderte Temperaturen einstellen müssen, sagen auch Experten. Der Juni 2026 war in Bayern nach vorläufigen Zahlen des Deutschen Wetterdienstes der zweitheißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Vor allem die zweite Monatshälfte brachte extreme Hitze und damit auch mehr hitzebedingte Todesfälle. Im Freistaat starben in diesem Jahr laut RKI bereits 530 Menschen an den Folgen von Hitze, im gesamten Jahr 2025 waren es 490.Die bayerische Staatsregierung hält ihre Kliniken offensichtlich für einigermaßen gut gerüstetDie vergangenen Wochen hätten gezeigt, wie ernst es werden kann, mahnt zuletzt etwa Martin Herrmann, Vorsitzender der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) in der SZ. Deutschland müsse mehr in die Vorbereitung gegen Hitze investieren und damit auch in die Ausstattung von Rettungsleitstellen, Feuerwehren und Krankenhäusern.Hört man sich dazu in den Kliniken selbst um, stößt man auf Resignation oder Zynismus. Zuletzt würden von Krisenresilienz bis klimaneutrales Bauen und eben Hitzeschutz viele Wünsche an die Kliniken herangetragen. Nur fehle dafür das Geld. Das aktuell beschlossene GKV-Spargesetz der Bundesregierung sieht Kürzungen bei den Kliniken vor.Vielleicht auch deshalb plant die Staatsregierung derzeit für Kliniken keine neue gesetzliche Verpflichtung, Hitzepläne aufzustellen. „Sofern gesetzliche Regelungen angestrebt werden, sollten diese auf Bundesebene erfolgen“, heißt es in der Anfrage.Die Staatsregierung hält ihre Kliniken offensichtlich auch für einigermaßen gut gerüstet. Dank der jahrzehntelangen Investitionskostenförderung des Freistaats bei der Bausubstanz seien die Häuser insgesamt in einem baulich sehr guten Zustand, heißt es in der Anfrage. Die kontinuierlichen Investitionen trügen somit auch aktiv zum Hitze- und Klimaschutz bei.Tatsächlich müssen Kliniken bei jedem staatlich geförderten Bauprojekt die Vorgaben zum sommerlichen Wärmeschutz im Gebäudeenergiegesetz (GEG) einhalten. Ein Neubau oder ein zu sanierendes Gebäude soll demnach so erstellt werden, dass eine Überhitzung im Sommer vermieden wird, heißt es darin. In der Praxis aber müssen Kliniken bei Neu- oder Umbauten über jeden einzelnen geförderten Posten verhandeln. Hitzeschutz falle da häufig hinten runter, hört man aus den Kliniken.Den Grünen ist das viel zu wenig. „Klimaanlagen sind in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen kein Luxus, sondern lebenswichtige Infrastruktur und verantwortungsvolle Gesundheitsversorgung“, sagt Fraktionschefin Katharina Schulze. Ihr Parteifreund Friedl erinnert an die Regierungserklärung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zum Klimaland Bayern vor fünf Jahren. Das Klima ändere sich rasant auch in Bayern, sagte Söder damals. „Entweder verstehen wir die Warnrufe und handeln – oder wir werden langfristig mit dramatischen Folgen konfrontiert.“
Klimaanlagen: In Kliniken sind selbst die Grünen in Bayern unbedingt dafür
Sensible Bereiche wie Intensivstationen und OP-Säle verfügen über Kühlungssysteme, Patientenzimmer hingegen meist nicht. Das muss sich ändern, fordern die Grünen.












