Interview«Man stirbt kaum je an der Hitze selbst» – was im Alter wirklich gegen hohe Temperaturen hilftDie Geriaterin Gaby Bieri über Senioren in Daunenjacken, das Streitthema Klimaanlage – und die drei grössten Mythen der Altersmedizin.15.07.2026, 05.15 Uhr10 LeseminutenHeiss, heisser, Altersheim: Hohe Temperaturen führen bei alten Menschen zu einer Vielzahl von Beschwerden.Julien Grindat / KeystoneFrau Bieri, es ist diesen Sommer heiss, sehr heiss. Mit Temperaturen um die 35 Grad. Warum leiden Alte besonders stark unter der Hitze?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Alte Menschen haben weniger Durst, sie trinken weniger. Ihre Körper sind zudem nicht mehr so gut in der Lage, die eigene Temperatur zu regulieren. Viele haben auch chronische Erkrankungen, die durch hohe Temperaturen verschlimmert werden. Gleichzeitig empfindet man im Alter Hitze weniger stark – obwohl der Körper eigentlich mehr darunter leidet.Man merkt also nicht, was da mit einem passiert – obwohl man sich eigentlich dringend abkühlen müsste?Genau. Ich war erst gerade bei einer Patientin im Heim. In ihrem Zimmer war es über 30 Grad heiss, die Fenster gehen zur Sonnenseite – sie waren sperrangelweit offen. Die heisse Luft drückte herein. Und die Frau lag trotzdem bis zur Nasenspitze unter einer dicken Daunendecke. Eine andere Dame wollte unbedingt mit der Daunenjacke nach draussen. Beide haben nicht gespürt, wie überhitzt ihr Körper eigentlich war.Was ist denn die grösste Gefahr bei einer Überhitzung?Der häufigste Fall ist, dass die Hitze eine bestehende Erkrankung lebensbedrohlich verschärft. Und es dann zu einem schwindelbedingten Sturz, einem Delirium oder gar einem Kollaps kommt.Welche Vorerkrankungen sind bei Hitze besonders gefährlich?Herzschwächen, Lungenkrankheiten und Nierenprobleme. Eine bereits geschädigte Niere, die über längere Zeit nicht genug Flüssigkeit bekommt und dadurch nicht mehr richtig funktionieren kann – das ist eine besonders häufige Komplikation.Der klassische Hitzeschlag ist also gar nicht das grösste Problem.Eigentlich nie. Man stirbt kaum je an der Hitze selbst, sondern meist an der hitzebedingten Verschlechterung einer bestehenden Erkrankung.Während der letzten Hitzewelle Ende Juni gab es gemäss Bundesamt für Statistik eine Übersterblichkeit von 15 Prozent unter den über 65-Jährigen – 200 Tote mehr als sonst üblich. Ziemlich viel oder nicht?Diesen Hitze-Peak bei der Übersterblichkeit gibt es so gut wie jedes Jahr. Er bewegt sich etwa im Rahmen einer mittelschweren Grippewelle. Die Hitze im Sommer, die Grippe im Winter, die jeweils zu mehr Toten führen: Das ist eigentlich nichts Aussergewöhnliches.Tut die Schweiz genug, um Hitzetote und Gesundheitsschäden durch Hitze im Sommer zu vermeiden?Wir haben beim Bauen jahrzehntelang zu wenig auf die Hitze geachtet – und tun es zum Teil noch immer nicht. Riesige Glasfronten, nach Süden orientiert. Da ist das Kühlen extrem schwierig. Wir müssen unsere Bauweise anpassen – nicht nur bei Alterszentren, sondern überall. Und gezielt hitzedämpfend renovieren. Da stehen wir erst am Anfang.Sie behandelte dreissig Jahre lang alte Menschen in Zürcher Gesundheitszentren: Gaby Bieri, die langjährige Chefärztin des Geriatrischen Diensts der Stadt, in einer Aufnahme von 2021.Simon Tanner / NZZManche sagen: Die beste Lösung sind mehr Klimaanlagen. Was sagen Sie?Da muss ich an meine Mutter denken. Sie ist 89 und wohnt noch zu Hause. Bei der Hitzewelle Ende Juni war es bei ihr sehr warm, sie sagte zu mir: «Ich bekomme keine Luft mehr.» Da haben wir ihr sofort ein Klimagerät gekauft – eines der letzten, die noch verfügbar waren. Das hat geholfen.In den Gesundheitszentren der Stadt Zürich, deren ärztliche Direktorin Sie während vieler Jahre waren, sind Klimaanlagen ein Tabu.Es ist ein Riesenpolitikum, wegen der Klimaziele. Klar: Ökologisch sind Klimaanlagen tatsächlich ein Irrsinn. Aber wenn es mit der Klimaerwärmung und den Hitzesommern so weitergeht – und danach sieht es leider aus –, werden wir nicht darum herumkommen, die vulnerabelsten Gruppen damit vor der Hitze zu schützen. Es braucht punktuell Klimaanlagen, gerade auch in Alters- und Pflegezentren. Zumindest bis wir unsere Bauweise grundlegend geändert haben.Was können Heime und Alterszentren sonst tun, um der Hitze zu begegnen?Wichtig ist, dass es mindestens einen Raum gibt, in dem die Temperaturen tief sind, damit sich die Bewohnerinnen und Bewohner periodisch abkühlen können. Dann ist da die Sache mit dem Trinken. Die Küchenchefs sind gut beraten, in den heissesten Wochen jeweils ein spezielles Kaltgetränk zuzubereiten – eine Limo, einen Eistee. Wenn plötzlich etwas Neues, Gutes serviert wird, trinken meist auch die weniger Durstigen etwas mehr.Was können die Alten selbst tun?Die einfachen Dinge sind die besten: mehr trinken, nicht zu viel körperliche Anstrengung und nur am Morgen nach draussen, wenn es kühler ist. Dann regelmässig abkühlen, zum Beispiel mit Fussbädern oder Kühltüchern, die man um den Nacken legt. Manche – etwa jene mit kognitiven Erkrankungen – können all das nicht von sich aus. Sie sind von der Hitze besonders gefährdet und in dieser Zeit auf mehr Pflege angewiesen. Ich rate auch allen Angehörigen von betagten Menschen: Ruft regelmässig an. Erinnert daran, genug zu trinken. Achtet auf Alarmzeichen wie Verwirrung, Atemnot, Schwindel und Erschöpfung.Kurzfristige Abkühlung allein reicht nicht, sagt die Expertin: «Es braucht punktuell Klimaanlagen.»Julien Grindat / KeystoneDie extremen Auswirkungen der Hitze, die Übersterblichkeit bei Seniorinnen und Senioren – das ist in jedem heissen Sommer ein Thema. Und doch scheint es darüber hinaus kaum je ein Politikum zu sein.Es erinnert mich an die Corona-Pandemie. Auch damals starben sehr viele ältere Menschen. Und die Reaktion war: «Jetzt sind sie halt etwas früher gestorben. Nicht so schlimm.» Streng genommen stimmt es natürlich: Früher oder später wären sie – wie wir alle – tatsächlich gestorben. Aber die Frage ist: Wollten diese Leute auch früher sterben? Es gibt diese Vorstellung, dass das Leben ab einem gewissen Alter, und besonders in einer Pflegeeinrichtung, nicht mehr lebenswert sei. Diese Vorstellung ist oft falsch. Ich bin in meinen Jahren als Altersmedizinerin sehr viel mehr Betagten begegnet, die trotz Pflegebedürftigkeit noch Freude am Leben hatten. Für sie macht es einen Unterschied, wenn sie noch etwas länger leben können.Sie haben während über dreissig Jahren als Ärztin in den Zürcher Alters- und Pflegeheimen gearbeitet, zuletzt als Chefärztin. Menschen zu betreuen, die nicht mehr lange leben werden – ist das nicht deprimierend für eine Medizinerin?Das glauben viele. Es stimmt aber nicht. Alte Menschen sind lebenserfahrene Menschen – komplexe, interessante, charakterstarke Figuren. Ihnen so lange wie möglich eine gute Lebensqualität zu ermöglichen, ist herausfordernd – und genau deshalb spannend. Checklistenmedizin ist da nicht möglich. In der Geriatrie gelten viele Regeln der normalen Medizin nicht.Zum Beispiel?Es steht nicht die Heilung über allem, sondern ein gutes Leben. Wir müssen den Menschen als Ganzes betrachten und auch fragen: Wie viel Behandlung ist überhaupt gewünscht? Wann besteht das Leben nur noch aus Therapien, Medikamenten und Nebenwirkungen? Oftmals haben alte Menschen viele verschiedene Leiden. Wir dürfen sie nicht isoliert betrachten, sondern müssen abwägen. Meinen Assistenzärzten habe ich jeweils eine Aufgabe gestellt. Sie mussten bei einem Patienten alle Krankheiten nach Wichtigkeit auflisten: Was muss zuerst behandelt werden? Was ist nicht so wichtig? Und immer waren da die akuten Krankheiten zuoberst.Und das ist falsch?Wichtiger ist, welche Krankheit den Patienten im Alltag am meisten beeinträchtigt. Die müssen wir zuerst bekämpfen. Ein Rückenleiden, das Gehen und Sitzen verunmöglicht, ist also unter Umständen dringender als ein Herzproblem.Die Grande Dame der Zürcher Altersmedizinsgi. · Eigentlich war Gaby Bieri bloss auf der Suche nach einer praktischen Teilzeitstelle, als sie sich 1993 als Assistenzärztin beim stadtärztlichen Dienst bewarb und eine Stelle in der Langzeitgeriatrie antrat. Schnell wurde aus dem Zufall eine Leidenschaft. Bieri machte die Altersmedizin zu ihrem Spezialgebiet und prägte den Aufstieg der noch jungen Disziplin in der Schweiz mit.1996 wurde sie Stadtärztin, 2011 Chefärztin aller städtischen Pflegezentren, die heute den Namen Gesundheitszentren für das Alter tragen. Im vergangenen Herbst ging Bieri in Pension. Seither arbeitet die 66-Jährige wieder als reguläre Heimärztin – Teilzeit, in einem Pflegezentrum in Küsnacht.Wie haben sich die Alterszentren in Ihren dreissig Jahren als Heimärztin verändert?Extrem stark. Früher traten viele aus sozialen Gründen in eine Institution ein – oft, wenn es ihnen noch vergleichsweise gutging. Es gab Wartelisten. Man hat bis zu einem halben Jahr auf einen Platz gewartet. Und dann mehrere Jahre im Heim gelebt. Heute erfolgt der Eintritt innert 24 Stunden. Und erst, wenn es zu Hause nicht mehr geht. Die mittlere Aufenthaltsdauer in einem Zürcher Pflegeheim beträgt mittlerweile weniger als ein Jahr. Die Leute kommen erst, wenn sie müssen.Warum ist das so?Es gibt heute viel mehr Hilfe zu Hause – Spitex, Pro Senectute, Mahlzeitendienste. Das ist eine grosse Errungenschaft. Ich finde es richtig, dass die Leute möglichst lange zu Hause bleiben können. Der späte Eintritt ist aber auch Ausdruck einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung: Wir haben heute mehr Angst davor, auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein.Das müssen Sie erklären.Ich habe das oft erlebt: Der Eintritt ins Heim ist für viele der erste Moment in ihrem Erwachsenenleben, in dem sie komplett von Unbekannten abhängig sind. Und das ist nun einmal das Gegenteil von dem, was wir gesellschaftlich als wertvoll und erstrebenswert erachten. Autonom sein, selbständig sein, alles allein können – das ist in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr zum grossen Ziel geworden. Plötzlich ist man all das nicht mehr, hat statt der eigenen grossen Wohnung ein kleines Zimmer. Und braucht Pflege.Was man sich ein Leben lang mühsam erarbeitet hat, ist plötzlich nicht mehr so viel wert.Noch vor dreissig Jahren war es sozial akzeptierter, dass man zweimal im Leben eine Phase der Abhängigkeit hat: erst als Kind und dann im hohen Alter. Heute ist das Idealbild ein anderes: möglichst alt werden und dabei komplett selbständig sein, bis man irgendwann ruhig im Schlaf stirbt. Leider ist das in den seltensten Fällen die Realität.Gesundheit heisst im Alter etwas anderes als bei jungen Leuten. Entsprechend muss auch die Altersmedizin andere Prioritäten setzen.Urs Flüeler / KeystoneEs gibt, auch unter Jungen, einen extremen Trend zu Longevity-Behandlungen – also allen möglichen Kuren und Zusatzstoffen, die angeblich das Leben verlängern. Was halten Sie vom Wunsch nach dem ewigen Leben?Ich glaube, es ist vor allem ein gutes Geschäft. Viele, auch Mediziner, springen auf den Longevity-Trend auf. Dabei ist das gesunde Leben keine Wissenschaft! Wer Krankheiten im Alter vorbeugen will, soll sich adäquat ernähren, sich genug bewegen, Dauerstress vermeiden und soziale Kontakte pflegen. Studien zeigen immer wieder: Das hilft – nicht irgendwelche Wundermittel.Haben Sie Angst vor dem Tod?Nein.Was fürchten Sie als Altersmedizinerin am meisten?Ich sage manchmal, nur halb im Scherz: Das grösste gesundheitliche Risiko im hohen Alter ist eine Privatversicherung. Dann ist man als Patientin nämlich für die Spezialisten attraktiv. Sie finden immer noch etwas, das nicht gut ist, das man abklären und therapieren könnte. Und am Schluss hat man ganz viele Diagnosen, ganz viele Medikamente – aber niemanden, der abwägt und Prioritäten setzt.Wenn Krankheiten und Gebresten unvermeidlich sind: Was heisst das überhaupt, «gesund sein» im hohen Alter?Ich bin jetzt über 65. Ich leide an drei chronischen Erkrankungen. Aber wenn Sie mich fragen, dann sage ich: Ich fühle mich gesund. Es ist am Ende ein subjektives Gefühl. Das erlebe ich auch im Pflegezentrum so: Viele, die von aussen vielleicht nicht so wirken, fühlen sich gesund. Und das ist gut! Denn wir wissen aus der Forschung: Das subjektive Krankheitsgefühl hat einen grösseren Einfluss auf die langfristige Prognose als der tatsächliche physische Zustand. Wer sich gesund fühlt – auch wenn er es objektiv nicht wirklich ist –, bleibt also in der Regel weniger lang krank.Das ist einfacher gesagt als getan.Das ist so. Aber gerade im Alter kann eine einzige Krankheit schnell zu einer Kaskade von Problemen führen. Bei jungen Leuten ist eine Grippe einfach eine Grippe. Bei alten Menschen führen ein paar Tage im Bett dagegen bereits zu einem rapiden Muskelschwund – der macht dann wieder das Laufen schwierig und kann zu Stürzen führen. Deshalb sollte man Krankheiten im Alter nicht still liegend auskurieren, sondern sich wenn immer möglich weiter bewegen und die Muskeln benutzen.Das tönt kontraintuitiv.Es ist tatsächlich eines der drei grössten Missverständnisse, die ich als Altersmedizinerin immer wieder korrigieren muss. Ins Bett liegen und warten, bis es besser wird – das hilft nicht.Welches sind die anderen zwei grossen Missverständnisse?Das eine ist die grosse Angst, die viele vor einer Demenzerkrankung haben. Die ist für Angehörige oft schlimmer als für die Betroffenen selbst. Demenzkranke haben nicht automatisch eine schlechte Lebensqualität. Denn zur Krankheit gehört, dass man auch vergisst, was man nicht kann. Wenn ich eine Person mit Demenz frage, dann kann sie immer alles und ist immer gesund.Und was ist das dritte Missverständnis, das Sie immer wieder korrigieren müssen?Das ist die Sache mit der Ernährung, mit der «gesunden» Rohkost.Rohkost?Ich erzähle nochmals von meiner Mutter. Sie mag Fleisch. Ihr Leben lang hat sie nicht besonders gern Salat und Gemüse gegessen. Dann hat sie mich vor ein paar Jahren stolz angerufen und gesagt: «Ich will mich endlich gesünder ernähren! Weniger Fleisch, mehr Gemüse.» Und ich musste ihr sagen: Vergiss es, mach das nicht!Wieso denn das?Das Wichtigste im Alter sind die Proteine. Alte Menschen verlieren zunehmend den Appetit, sie essen immer kleinere Portionen. Da ist es zentral, dass sie sich bei der Ernährung auf das Essenzielle konzentrieren. Deshalb sage ich immer: Esst so viel Fleisch, Käse und Eier, wie ihr wollt! Sie können sich nicht vorstellen, wie oft mich empörte Töchter und Söhne angerufen haben, um mehr Rohkost im Menu ihrer Eltern zu verlangen . . .Wie ist dieser Fokus auf Fleisch in der Stadt Zürich angekommen? Dort gibt es ja immer wieder Bestrebungen, in städtischen Institutionen die fleischlose Ernährung zu fördern.Vegetarische Ernährung ist ökologischer und nachhaltiger – das ist unbestritten. Entsprechend gab es tatsächlich Bestrebungen, in den Alters- und Pflegezentren vermehrt auf vegetarische Menus umzustellen. Wir mussten dafür kämpfen, dass unsere Bewohnerinnen und Bewohner jeweils davon ausgenommen wurden.Wie haben Sie das geschafft?Wir haben belegt, dass eine gesunde Ernährung bei alten, pflegebedürftigen Menschen nicht vegetarisch ist. Als Beispiel haben wir zwei Teller aufgestellt: einen mit einem Stück Fleisch und einen zweiten mit einer Portion Kichererbsen, in der gleich viele Proteine enthalten waren. Im Fleisch sind die Proteine viel konzentrierter – es waren deshalb sehr viele Kichererbsen. Mehr, als jeder von uns in einer Mahlzeit essen würde. Da wird jedem klar: Das kann man keiner Seniorin, keinem Senior zumuten.Was sagen Sie als Geriaterin dazu, wenn Alte hemmungslos ungesunde Substanzen konsumieren – Alkohol zum Beispiel?Wenn jemand ein Leben lang getrunken hat, ist es oft nicht mehr sinnvoll, ihn im Alter davon abzubringen. Der sinnvolle Ansatz ist kontrollierter Konsum: Man macht miteinander ab, wie viel jemand trinken darf – idealerweise nur so viel, dass die Person zum Beispiel nicht mehr stürzt. Die Idee ist Schadensminderung. Ein Entzug hätte nicht nur geringe Chancen – er kann auch enorm belastend sein.Was war als Altersmedizinerin der Fall Ihres Lebens – der, den Sie bis heute nicht vergessen können?Das ist schon Jahre her. Ich wurde damals zu einem Tetraplegiker gerufen. Obwohl er fast vollständig gelähmt war, lebte er allein, ohne Hilfe, auf einer Matratze mitten in seiner Wohnung. Ernährt hat er sich von Bier. Wenn er Wasser lösen musste, tat er das in die leeren Dosen. Kognitiv war er wach. Er sagte klar: «Ich will keine Hilfe. Ich will so leben.» Wir haben ihn dann nach und nach überzeugt, Spitex und Physiotherapie zu erlauben. Als die Pflegerin ihm das erste Mal das T-Shirt wechseln wollte, konnte sie es nicht von seiner Haut lösen. Er hatte es so lange getragen, dass die Körperhaare damit verwachsen waren. Das werde ich nie vergessen.Passend zum Artikel
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