Ich kann schon seit einer Weile keine Glückskekse mehr anfassen, geschweige denn öffnen. Die Lust daran ist mir vergangen. Grund ist ein Besuch im Chinarestaurant. Der liegt eigentlich schon ein paar Jahre zurück, aber er hat mich nachhaltig verstört.Chinakenner werden jetzt sofort einwerfen, dass Glückskekse sowieso kein chinesisches Brauchtum sind. Erfunden wurden sie wohl von japanischen Einwanderern in Kalifornien. Erst darüber fanden sie indirekt auch ihren Weg in viele Chinarestaurants der USA. Und danach eben auch in solche in Europa.
Vermutlich würden viele dem Keks sogar beipflichten
Korrekt. Die Chinesen trifft also keinerlei Schuld an meiner Verstimmung. Höchstens das Personal in jenem Chinarestaurant, in dem ich seinerzeit mit Freunden war. Am Ende der Mahlzeit also wurden uns Glückskekse gereicht. Geschmacklich waren die Orakelkekse (in ihrem Mischmasch aus süß und nichts) ohnehin noch nie mein Fall. Aber auf die Sprüche war ich dennoch neugierig, wie ein kleines Kind aufs Überraschungsei.
Ich öffnete den Keks also und bereute es sofort: „Sie haben einen schlechten Charakter“ stand auf dem eingelegten Papier geschrieben. Ich habe einen schlechten Charakter? Ich habe einen schlechten Charakter. Ein Dessert, das mich verurteilt? Hilfe, mein Glückskeks hasst mich. Steckt die Wahrheit im Teigmantel?Vermutlich würden viele dem Weissagungskeks sogar beipflichten: diverse Ex-Freunde; noch mehr Musiker, deren CDs ich schlecht (oder gar nicht) besprochen habe; Mitarbeiter beim DB-Reisezentrum nach dramatischen Verspätungen; Leser, die sich über meine Artikel geärgert und mir bitterböse „Fanpost“ schrieben; und wahrscheinlich auch die Türsteherin, die mich mal (zu Recht) aus einem Club geworfen hat.







