Neulich war ich mit einem Paar im Café. Als mein lang ersehnter Lieblingskuchen kam, ging ich mit der Frau und dem Kind auf den Spielplatz und bat den Mann, auf den Kuchen aufzupassen. Als ich wiederkam, hatte der Freund die gesamte Schokoplatte weggeknabbert (den besten Teil!) und fand das auch noch lustig. Wäre es gerechtfertigt, ihm nächstes Mal sein Essen wegzuessen? – Sina H., MünchenLiebe Sina, das halte ich für eine gute Alternative zum Waterboarding. Ja, das wäre eigentlich angemessen. Ihr Szenario ist doch auf vielen Ebenen verstörend: Die Frauen leisten gemeinsam Care-Arbeit, der Mann wird mit einer Aufgabe zurückgelassen, der er nicht nur nicht nachkommt, sondern die er aktiv sabotiert. Und wer zum Teufel isst nur die Schokoschicht von einem Kuchen und ist dann auch noch stolz darauf?Ich weiss gar nicht, was ich trauriger finde: die Vorstellung von dem abgefressenen Kuchenrest oder die Vorstellung, dass der Mann diese ungehörige Machtdemonstration auch noch für witzig hält. Und dann fragen mich Menschen, wo meine Patriarchats­intoleranz herkomme! Sie sehen, ich bin absolut auf Ihrer Seite und finde, Sie sollten das nächste Mal verfressen-aggressiv in den Teller des Herrn greifen, die Pommes in der Faust ballen und ihm das Schnitzel wegessen.Welches stilistische oder zwischenmenschliche Dilemma beschäftigt Sie, liebe Leserin, lieber Leser? Wir freuen uns über Ihre Zuschrift: [email protected] Namen können geändert oder anonymisiert werden. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.