Argentinien steht zwar im WM-Halbfinal – doch die Weltpresse würdigt die Leistung der SchweizDer Weltmeister erreicht nach einem 3:1 in der Verlängerung den WM-Halbfinal. In den internationalen Medien ist allerdings nicht von einem souveränen Sieg die Rede. Sie würdigen den Schweizer Widerstand – und streiten über Breel Embolos folgenschweren Platzverweis.12.07.2026, 14.29 Uhr4 LeseminutenEnttäuschung beim Public Viewing in Lausanne: Schweizer Fans leiden mit der Nati.Cyril Zingaro / KeystoneArgentinien ist der Sieger. Doch wer am Sonntagmorgen die nationalen und internationalen Medien liest, findet statt uneingeschränkten Lobs vor allem die Meinung, der Weltmeister habe sich nur mit Mühe in den Halbfinal gerettet.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Laut dem «Wall Street Journal» ist Argentinien nicht in den Halbfinal eingezogen. Es «schramme» vielmehr hinein: «Argentina Scrapes Through to Another World Cup Semifinal». Der Titelverteidiger habe zum dritten Mal in Folge eine Zitterpartie überstanden.Besonders hart geht «El País» mit der argentinischen Mannschaft ins Gericht. Die spanische Zeitung, die in ihrer argentinischen Ausgabe darüber berichtet, titelt: «Argentina, semifinalista de angustia en angustia» – Argentinien gelange von einer Zitterpartie zur nächsten in den Halbfinal. Selbst gegen eine Schweiz in Unterzahl habe die Mannschaft erst in der Verlängerung die Entscheidung erzwungen.Die Schweiz scheidet zwar aus, wird jedoch von vielen als ebenbürtiger, widerstandsfähiger und zuletzt unglücklicher Gegner beschrieben.Ein Platzverweis ändert das GeschehenUnglücklich vor allem wegen jener Szene in der 72. Minute, die das Spiel beeinflusste. Breel Embolo ging nach einem Zweikampf mit Leandro Paredes an der Seitenlinie zu Boden. Der Schiedsrichter bewertete die Szene zunächst als Foul des Argentiniers und zeigte Paredes die gelbe Karte.Dann intervenierte der Videoschiedsrichter (VAR). Der Schiedsrichter nahm die Verwarnung gegen Paredes zurück und zeigte die gelbe Karte nach dem Studium der Bilder stattdessen Embolo. Da der Schweizer bereits verwarnt war, sah er Gelb-Rot und musste vom Platz.Möglich machte diesen Entscheid die neu gefasste Regel zur «mistaken identity». Sie erlaubt es dem Schiedsrichter, eine Verwarnung nachträglich dem Spieler zuzuordnen, der tatsächlich verantwortlich ist – sei es innerhalb derselben Mannschaft oder sogar dem Gegner. Das Schiedsrichterteam entschied letztlich, dass Embolo den Kontakt vorgetäuscht habe. Damit war die Schweiz während fast einer Stunde, einschliesslich der Verlängerung, in Unterzahl.Der folgenschwere Moment: Breel Embolo sieht Gelb-Rot, die Schweiz muss in Unterzahl weiterspielen.Will Oliver / EPAÜber die Folgen dieses Entscheids sind sich die Medien weitgehend einig. Der Platzverweis nahm den Schweizern den Schwung, zwang sie zu einer vorsichtigeren Spielweise und verschob das Kräfteverhältnis zugunsten Argentiniens.Der «Guardian» widmet dem Vorgang einen eigenen Artikel. Er beschreibt den VAR-Eingriff als Höhepunkt einer aussergewöhnlichen Phase, in der ein Spiel, das zuvor ereignisarmes Spiel war, innert weniger Minuten gekippt sei: Erst glich Dan Ndoye aus, dann gewann die Schweiz zunehmend die Kontrolle – und fünf Minuten später musste Embolo vom Platz.«El País» sieht darin ebenfalls den Wendepunkt. Die Zeitung schreibt, Embolos Ausschluss habe den Rhythmus der Partie verändert und Argentinien eine Gelegenheit eröffnet. Bemerkenswert sei allerdings, dass der Weltmeister selbst gegen eine fast eine Stunde lang dezimierte Schweiz erst in der Verlängerung die Entscheidung erzwungen habe.Bei der Frage, wer die Schuld an dem verhängnisvollen Entscheid trägt, gehen die Meinungen hingegen auseinander. Die deutsche «Bild»-Zeitung geht hart ins Gericht mit Embolo. Sie spricht von einer «völlig unnötigen Aktion», mit der der Stürmer die Vorentscheidung zuungunsten seiner Mannschaft herbeigeführt habe. Die gelb-rote Karte sei korrekt gewesen.Auch SRF legt den Finger auf Embolos Eigenverantwortung. Die Redaktion schreibt: «Embolos Schwalbe ist zu viel: Nati-Traum platzt gegen Argentinien.»In den Reaktionen nach der Partie rückt dann jedoch der Ärger sowohl über die neu interpretierten Regeln als auch über die Spielleitung in den Vordergrund. Das Westschweizer Fernsehen RTS zitiert Remo Freuler mit dem Satz: «Ich weiss nicht, was dieser Schiedsrichter da gemacht hat.»Auch Nationaltrainer Murat Yakin zeigt sich bei RTS erstaunt über die zunächst gegen Paredes ausgesprochene gelbe Karte und über die Kettenreaktion, die dieser Entscheid auslöste: «Es gab überhaupt keinen Grund, diese gelbe Karte zu zeigen. Ich verstehe es nicht, es war eine harmlose Situation. Ich verstehe nicht, weshalb dieser Entscheid getroffen wurde und am Ende unser Spieler vom Platz musste», sagte Yakin an der Medienkonferenz.Die britische Boulevardzeitung «The Sun» lässt sich sogar zur Überschrift hinreissen, Argentinien habe «mit zwölf Mann» gegen zehn Schweizer gewonnen. Die Aussage, dass der Schiedsrichter quasi als zwölfter Mann die Argentinier unterstützt habe, wird dann aber sofort wieder eingeschränkt mit dem Zusatz, zumindest würden dies nun die Verschwörungstheoretiker behaupten.Lautaro Martínez jubelt mit Lionel Messi über das 3:1 in der Verlängerung.Christopher Neundorf / EPADie Schweiz geht erhobenen HauptesAm Ende bleibt weniger das 1:3 als die Art, wie sich die Schweiz gegen den Weltmeister behauptete. RTS würdigt die «immense Solidarität» der Mannschaft. Sie habe Argentinien mit ihrer Geschlossenheit und ihrer körperlichen Präsenz vor erhebliche Schwierigkeiten gestellt – und dürfe angesichts des Spielverlaufs viele verpasste Möglichkeiten bedauern.Noch emotionaler fällt die Würdigung in der übrigen Westschweiz aus. «Le Matin» schreibt vom «Ende des Traums für eine heroische Schweiz». Die «Tribune de Genève» verdichtet ihre Bilanz in der Schlagzeile: «Welch ein Heldenstück, welche Trauer, welcher Stolz: Danke, Schweiz!» Die Mannschaft habe die Sensation gegen Argentinien nicht bloss erhofft, sondern zeitweise tatsächlich in Reichweite gebracht.Auch aus grösserer Distanz erscheint die Schweiz nicht wie ein gewöhnlicher Verlierer. Der «Guardian» beschreibt, wie sie nach dem Rückstand zurückfand, in der zweiten Halbzeit den Druck erhöhte und Argentinien aus dem Gleichgewicht brachte. Selbst in Unterzahl hielt sie den Weltmeister bis tief in die Verlängerung auf und zwang ihn zu einer Zitterpartie.Passend zum Artikel
«Heroische Schweiz»: So würdigen die Medien das bittere WM-Aus gegen Argentinien
Der Weltmeister erreicht nach einem 3:1 in der Verlängerung den WM-Halbfinal. In den internationalen Medien ist allerdings nicht von einem souveränen Sieg die Rede. Sie würdigen den Schweizer Widerstand – und streiten über Breel Embolos folgenschweren Platzverweis.













